Tanz (aus Gründen)

Wo ist der Raum,
in dem wir tanzten,
als wär das Morgen
ein Phantom?
Wer stahl das Licht
aus unseren Augen
jetzt flutet Dunkelheit
den Traum.

Kommt, kommt
lasst uns tanzen
bis der Morgen den
Nachthimmel küsst.
Kommt, kommt
lasst uns lachen
bis das Herz
jeden Kummer vergisst.

Wo ist die Musik,
die für uns erklang,
als der Traum zu
den Sternen flog?
Wann sank das Lachen
wie Regen ins Meer?
Warum kommt die
Freude nicht zurück?

Kommt, kommt
lasst uns lachen
bis der Morgen den
Nachthimmel küsst.
kommt, kommt
lasst uns tanzen
bis das Herz
jeden Kummer vergisst.

© gabriele auth

Juli – what the bird said die zweite

Ich hatte ganz vergessen, die Rückseite mit dem Klappentext zu posten. Also hier zu  meinem Roman „Juli what the bird said“ die Cover Rückseite.
Und damit es nicht so kurz wird, noch ein kleiner Schnipsel aus dem Buch:

„Aus Omas Küchenfenster stürzte der Blick hinunter auf einen weiträumigen Innenhof. Waschküche, Hühnerstall und ein Schuppen schmiegten sich an eine verwitterte Steinmauer. Dort trafen sich die Kinder zum Spielen. Die großen Mädchen warfen in faszinierendem Tempo drei Bälle gegen die Wand und fingen sie in einem anmutigen Tanz der Hände wieder auf. Ich versuchte, es ihnen nachzumachen, aber immer entglitt mir einer der Bälle und fiel zu Boden.
»Juli, Juli, die schafft es nie«, sang Heike, die Älteste. Die anderen sangen mit.
Ich hasste sie. Alle.

Bei der Oma gefiel es mir jedoch, trotz der herrischen Lehrer in der katholischen Schule und trotz des sonntäglichen Kirchgangs, für den ich früh um fünf aufstehen und fast noch im Halbschlaf die Sonntagskleider anziehen musste. Die Erwachsenen gingen ohne Frühstück in die Messe. Ich bekam Honigmilch, auf der sich eine zarte Haut bildete.
In der Kirche schwebte ein Übelkeit erregender Geruch nach Weihrauch, alten Mauern und feuchten Mänteln.
»Oh Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, und so wird meine Seele gesund«, wiederholte die versammelte Kirchengemeinde jeden Sonntag. Wieder und wieder.
Was war das überhaupt, eine Seele? Wo im Körper war sie zu finden? Und was für eine Krankheit hatte die Seele der Leute? Als ich Mutter und Oma fragte, lachten sie.
»Ach Juli, du Schäfchen«, sagte Oma. »Keiner ist krank, das ist nur ein Gebet, das man aufsagt.«
Ich fand die Erwachsenen komisch. So oft wussten sie keine vernünftige Antwort.
Sie konnten mir auch nicht erklären, warum wir bei der Oma wohnten.
»Es ist eben eine schwierige Zeit«, sagte Mutter nur.
Manchmal lauschte ich den Gesprächen der Erwachsenen, die meine Anwesenheit vergaßen, wenn ich mich schweigend mit meiner Puppe beschäftigte. So erfuhr ich, dass Vater seine Arbeit verloren hatte und wir nicht in unsere Wohnung zurückkonnten, weil die ebenfalls weg war. Wie konnten ein Zuhause und eine Arbeit einfach so verschwinden? Das verstand ich nicht. Wochen später hörte ich Mutter und Oma darüber reden, dass Vater endlich Arbeit hatte und auch bald eine neue Wohnung finden würde. Warum suchte er eine andere? Warum suchte er nicht nach der alten, verloren gegangenen?
Ich traute mich nicht, danach zu fragen. »Wo wohnt der Papa denn jetzt«, fragte ich stattdessen. Mutter presste die Lippen zusammen und ging aus dem Zimmer.
Oma nahm mich in den Arm. »Er wohnt jetzt bei seiner Mama.«
»Bei Oma Dutti?«
»Ja.«
»Aber ich wünsch mir, dass er unsere Wohnung findet.«
Oma lachte. »Die findet er ganz bestimmt.«
Sie strich mir über den Kopf. Ihre Hände rochen nach Minze und nach etwas anderem, etwas, das ich nicht benennen konnte. Es gehörte zu ihr wie die vielen feinen Falten in ihrem Gesicht und die Butter, die sie mir dick aufs Brot strich. Für Vater mag es ein Glück gewesen sein, dass er bei Oma Dutti untergekommen war, aber mir fehlten seine Geschichten und Lieder. Ein betrunkener Vater war wie ein gebrochenes Bein. Gar keinen Vater zu haben, fühlte sich an wie ein amputiertes Bein, irreparabel, dauerhaft von Krücken abhängig, halb.“

21706336_1446340698737012_271818848_o-001

 

Juli – what the bird said

Ich muss zugeben, ein bißchen kribbelig bin ich jetzt schon. Vielleicht sogar ein bißchen mehr. Warum?
Weil mein nächstes Buch, mein zweites,  nun wirklich auf dem Weg ist. In ein paar Wochen ist es soweit. Unweigerlich. Und ja, das ist aufregend für mich.
Hier gibt es vorab schonmal das Cover zu sehen.
Und ich möchte erzählen, worüber ich mich auch noch riesig freue.
In der Einleitung und als Untertitel durfte ich ein Lied von der Singer/Songwriterin Katja Werker verwenden. Ihr Album, „Contact Myself“,  habe ich oft beim Schreiben gehört, und abgesehen davon, dass ich es sehr mag, passt es meiner Meinung sehr gut zur Stimmung und zum Inhalt meines  Romans.
Das Lied „What the bird said“ ist definitiv eines meiner Lieblingslieder.

21769318_1446340685403680_1070063805_o-001

 

Nicht Cinderella & Der blaue Vorhang

Ich freue mich sehr, am 1.10. im Künstlerhaus Buschulte in Unna, lesen zu dürfen. Noch viel mehr freue ich mich über die Zusammenarbeit mit  Sara Buschulte, mit der ich danach sicher noch das eine oder andere Mal zu Nicht Cinderella & Der blaue Vorhang einladen werde.
Sara Buschulte ist die Sängerin und Songwriterin der Band Sara’s Wohnzimmer und erzählt in ihren Liedern vom Tanzen, Taumeln und wieder landen, von Schattensprüngen und Höhenflügen, vom Loslassen und Wiederfinden.
Die Musik bewegt sich zwischen Chanson, Folk, Pop und Jazz.
2015 erschien das erste Album „irgendwo zwischen Alltag und Illusion“
2017 das zweite Album „Schattensprung“.
Unsere erste gemeinsame Probe war ein schönes Erlebnis. Da hat alles gepasst.
Die Generalprobe in fünf Tagen wird uns startklar machen, um mit allen, die kommen zwei schöne Stunden zu erleben. Und  ich  werde auch einen Abschnitt aus meinem Roman Juli – What the bird said  lesen, der in einigen Wochen veröffentlicht wird.
Kommt vorbei.

19983874_1599057586805302_7380607401969417087_o
Sara Buschulte und Gabriele Auth

Mojo und weil Julia gefragt hat

Traueraugen,
der Blick eine Wand,
gemauert aus
Splittern des
gebrochenen
Wesens.
Zerrissenheit.
Leben sterben.
Sterben leben.
Alle Türen
aufgebrochen,
eingetreten.
Zu früh.
Dazwischen
sich verströmen,
so viel zu geben,
sprudelnder Quell
sinnlos versickernd
im Sand.
Niemand versteht.

© gabriele auth

Schneewittchen

Ihr Blick will Wärme
streunt frierend
über tote Ebenen
sucht Halt im Grau.
Am Horizont
eine Bergkette.
Schwarze Vögel kreisen
Über sieben Hügeln.

Beklemmung,
Herz einschnürend
Die Arme wie Stein.
Enge. Oh. Enge.
Kopf stößt an Wände
wieder und wieder.
Schwarze Vögel kreisen
Über sieben Hügeln.

Ein Schrei im Grau.
Das Echo verfliegt.
Duft von Äpfeln
im Gläsernen Sarg.
Feine Tränen wie
Nieselregen.
Schwarze Vögel kreisen
Über sieben Hügeln.

© gabriele auth