Wo …

Wo Wölfe wieder Kreide fressen,
die alten Lieder heulen,
hungrige Schnauzen in den Wind gereckt
Wo schwerer Stiefel Gleichschritt
den beschwingten Beat vertreibt
Wo Pazifist zum Schimpfwort wird
und Gutmensch einen Narren meint
Wo dumpfer Hass auf alles Fremde
schon wieder Nationalstolz heißt
Wo man das Unsagbare
wohl noch sagen dürfen will,
Rassismus nur als Bagatelle gilt,
„Heimat“ wir sind mehr wert meint
Wo dunkle Potentaten offen
braune  Parolen zischen
und Grenzen sichern
jede Menschlichkeit verneint
Wo unter Linden sich wieder
Herrenmenschen finden,
mein schönes Land, in dieser Zeit,
da sei zum Widerstand bereit.

(c) Gabriele Auth

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Foto/ G.Auth

Mairegen

Mairegen tanzt
auf meinem Fenster
wie Lust, wie Leben
wie Millionen
H2O Gespenster,
spritzt und pladdert
es macht ihm Spaß,
dem Regen
gurgelnd rinnt er
macht alles nass
tränkt Baum und Strauch,
versammelt sich
zu einer Riesenpfütze
erfrischt die Katze,
tränkt meine rote Mütze
und für den Garten
ist er ein Segen.

(c) Gabriele Auth

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Foto Pixabay

Nur ein Moment

Sie reden.
Über das und dies.
Er erzählt von Wünschen, Plänen.
Sie breitet Träume vor ihm aus.
Auch die kleinen Ärgernisse ihrer Tage.
Daneben legt sie ihre Ängste.
Er spricht vom Scheitern.
Sie gesteht, nichts, was sie tut,
wird je ausreichen .
Nichts gut genug sein.
Er lächelt, zwinkert ihr zu,
antwortet mit einem lässigen Spruch.
Sie lachen.
Sehen sich an.
Seine Augen Blaugrau
mit gelben Sprenkeln.
Sie schaut auf ihre Hände.
Das Lachen verweht.
Er senkt den Blick.
Eine Strähne seiner Haare
weht ihm ins Gesicht.
Er pustet sie zur Seite.
Sie beobachtet es,
fühlt sich dünnhäutig.
Einfach so.
Er sieht aus dem Fenster.
Rund und rot ist der Mond.
Rot wie ihre Haare.
Ihr Blick folgt dem seinen.
Sie sehen beide
auf diesen leuchtenden Mond.
Ihre Hände nah beieinander,
berühren sich nicht.
Er spürt, er wird sie nie besser kennen,
ihr nie näher sein, als genau jetzt.
Nur ein Moment.
Wahrheit klingt im Schweigen.

(c) Gabriele Auth

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Foto Pixabay

Sacre du printemps 2

Vögel jubeln wie verrückt
Sonne erleuchtet triebhaftes Grün
Am Himmel ein Flugzeug
zieht …. keine Ahnung wohin.
Kopf in den Wolken
Füße im Gras
Dazwischen ein Dehnen
Ein inneres Summen
Fließen und Sehnen
Zuhause im Sein
Wohliges Frühlingsglück.

© Gabriele Auth

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Foto Pixabay

Still

Nebel verschlingt
Kühle Begegnung
in verworrenen Träumen
Still

Nebel umhüllt
Dunkel fließende Seide
im allmählichen Fall
Still

Nebel zerfetzt
Blauer Stahl
in einem roten Puzzle
Still

©Gabriele Auth

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Foto Th.Auth

 

Masken, oder was passiert, wenn eine Autorin mit einem Songwriter chattet

Meide die fröhlichen Masken
sie schmeicheln dir trügerisch
sie leben von deiner Beachtung
doch geht es nicht um dich

Du für dich, bleibe dir
in deinem Leben treu
du für dich, entdecke dich
immer wieder neu

Sie stehen im Schein der Anderen
drum wollen sie dein Licht
du endest, wenn sie bleiben
es endet ohne dich

Du für dich, halte dich
an deinem Leben fest
du mit dir steh zu dir
pfeif‘ auf diesen Rest.

© Gabriele Auth/Frank Chatoupis

 

art-2174145_1280 (1)Foto by Gellinger on Pixabay

Von Dingen

Ich hab keine Lust von
Dingen zu erzählen,
bei denen mir
die Tränen kämen.

Von dem Mann,
der um sich beisst
aus Einsamkeit,
seine Frau anbrüllt
wenn er betrunken ist
und hinterher

tut es ihm leid.

Ihr habt keine Lust,
davon zu hören,
von diesen Dingen,
die euch verstören.

Von der Frau, die
Flaschen sammelt,
in Containern wühlt,
weil die Rente nie reicht.
Der Mann ist tot
Die Kinder haben

meist keine Zeit.

Ich hab keine Lust von
Dingen zu erzählen,
bei denen mir
die Tränen kämen.

© gabriele auth

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Foto Pixabay

Abgesang auf Weihnachten

Überall Weihnachtslichter.
Rundherum „Oh Tannenbaum“.
Engel mit leuchtenden Gesichtern.
Komm, lass uns hier abhauen.
Lass uns in die Tiefe tauchen,
zwischen Lichterketten
Glühwein und Lamettaglanz
die Wahrheit finden, das,
wonach sich alle sehnen,
das ungehörte Echo eines
fast vergessenen Gesangs.
Nicht die goldene Uhr,
das I-Phone, die Playstation,
oder ein kostbares Parfum,
nicht große Worte von
Frieden, Freiheit, Einigkeit,
stillen den Hunger,
der auch nach dem Fest noch
unvermindert drängt,
die Sehnsucht nach
den kleinen Dingen, nach
Berührung unserer Hände,
Blicken, die sich finden.
Gesichter aufmerksam
einander zugewandt.
Geteiltes Lachen, Achtung
vor dem Anderen, der fremd
und  unbegreiflich scheint.
Komm, lass uns hier abhauen
und Tiefseetaucher werden
in unser Wesen weit hinein,
wo wir den Ursprung finden,
das Nichts, wo alles still,
neu, unversehrt und
Liebe wieder möglich ist.
© gabriele auth

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Foto: Pixabay

 

Schneewittchen

Ihr Blick fliegt
in die Ferne,
schweift über endlose,
fahle Ebenen.
Kein Fixpunkt im Grau.
Hügel am Horizont.
Schwarze Vögel kreisen.
Enge in der Weite.

Herzeinschnürend.

Kein Raum,
die Arme zu bewegen.
Sie dreht den Kopf,
stößt an die Wand.
Glas.
In Höhe ihres Mundes
ein milchiger Fleck.
Abbild ihres Atems.

Ihr Schrei
zurückgeworfen
von gläsernen Wänden.
Ein Sarg im Nichts.
Gebrochene Flügel.
Tränen
wie Nieselregen.
Der Prinz kommt nicht mehr.

© gabriele auth

hands-804934_1280Foto: Pixabay

Status Quo

Goldener Oktober verglüht
unentschlossen am Horizont.
Nebelverhangen streunt
November über Dächer,
nimmt dem Tag die Farben.
Nur zwischen Wolkenfetzen
blitzt noch kühnes Himmelblau.
Das Echo eines Jugendlachens
schwebt trotzig um die Köpfe,
ehe Winterluft  spröde
über das Leben streicht.

© gabriele auth