Nachtrag zu Juli – What the bird said

Hier eine kleine Leseprobe, so als Trailer, Teaser, Appetizer und…
Viel Spaß.
Ich überlege mir jetzt, wo ich Lesungen anbieten kann und:
Nach dem Buch ist vor dem Buch.

Leseprobe

 

 

Und ich so: Ja!

Da warte ich ungeduldig, dass mein Roman endlich überall verfügbar ist, kaue auf der Unterlippe und kann’s kaum erwarten….
Dann fahre ich zehn Tage nach England in mein geliebtes Dorset und schwupp, kaum zurück, finde ich mein Buch bei Amazon.
Ja!
Für eine Woche übrigens als E-Book in der Aktion.  Also, wenn Ihr immer schon Mal einen Roman von mir und ganz besonders Juli – What the bird said lesen wolltet, hier ist die Gelegenheit.

Juli-What the bird said bei Amazon

 

P.S. Wer lieber erstmal etwas über Dorset lesen will, findet oben ein Button: Englisches Tagebuch

Tanz (aus Gründen)

Wo ist der Raum,
in dem wir tanzten,
als wär das Morgen
ein Phantom?
Wer stahl das Licht
aus unseren Augen
jetzt flutet Dunkelheit
den Traum.

Kommt, kommt
lasst uns tanzen
bis der Morgen den
Nachthimmel küsst.
Kommt, kommt
lasst uns lachen
bis das Herz
jeden Kummer vergisst.

Wo ist die Musik,
die für uns erklang,
als der Traum zu
den Sternen flog?
Wann sank das Lachen
wie Regen ins Meer?
Warum kommt die
Freude nicht zurück?

Kommt, kommt
lasst uns lachen
bis der Morgen den
Nachthimmel küsst.
kommt, kommt
lasst uns tanzen
bis das Herz
jeden Kummer vergisst.

© gabriele auth

Juli – what the bird said die zweite

Ich hatte ganz vergessen, die Rückseite mit dem Klappentext zu posten. Also hier zu  meinem Roman „Juli what the bird said“ die Cover Rückseite.
Und damit es nicht so kurz wird, noch ein kleiner Schnipsel aus dem Buch:

„Aus Omas Küchenfenster stürzte der Blick hinunter auf einen weiträumigen Innenhof. Waschküche, Hühnerstall und ein Schuppen schmiegten sich an eine verwitterte Steinmauer. Dort trafen sich die Kinder zum Spielen. Die großen Mädchen warfen in faszinierendem Tempo drei Bälle gegen die Wand und fingen sie in einem anmutigen Tanz der Hände wieder auf. Ich versuchte, es ihnen nachzumachen, aber immer entglitt mir einer der Bälle und fiel zu Boden.
»Juli, Juli, die schafft es nie«, sang Heike, die Älteste. Die anderen sangen mit.
Ich hasste sie. Alle.

Bei der Oma gefiel es mir jedoch, trotz der herrischen Lehrer in der katholischen Schule und trotz des sonntäglichen Kirchgangs, für den ich früh um fünf aufstehen und fast noch im Halbschlaf die Sonntagskleider anziehen musste. Die Erwachsenen gingen ohne Frühstück in die Messe. Ich bekam Honigmilch, auf der sich eine zarte Haut bildete.
In der Kirche schwebte ein Übelkeit erregender Geruch nach Weihrauch, alten Mauern und feuchten Mänteln.
»Oh Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, und so wird meine Seele gesund«, wiederholte die versammelte Kirchengemeinde jeden Sonntag. Wieder und wieder.
Was war das überhaupt, eine Seele? Wo im Körper war sie zu finden? Und was für eine Krankheit hatte die Seele der Leute? Als ich Mutter und Oma fragte, lachten sie.
»Ach Juli, du Schäfchen«, sagte Oma. »Keiner ist krank, das ist nur ein Gebet, das man aufsagt.«
Ich fand die Erwachsenen komisch. So oft wussten sie keine vernünftige Antwort.
Sie konnten mir auch nicht erklären, warum wir bei der Oma wohnten.
»Es ist eben eine schwierige Zeit«, sagte Mutter nur.
Manchmal lauschte ich den Gesprächen der Erwachsenen, die meine Anwesenheit vergaßen, wenn ich mich schweigend mit meiner Puppe beschäftigte. So erfuhr ich, dass Vater seine Arbeit verloren hatte und wir nicht in unsere Wohnung zurückkonnten, weil die ebenfalls weg war. Wie konnten ein Zuhause und eine Arbeit einfach so verschwinden? Das verstand ich nicht. Wochen später hörte ich Mutter und Oma darüber reden, dass Vater endlich Arbeit hatte und auch bald eine neue Wohnung finden würde. Warum suchte er eine andere? Warum suchte er nicht nach der alten, verloren gegangenen?
Ich traute mich nicht, danach zu fragen. »Wo wohnt der Papa denn jetzt«, fragte ich stattdessen. Mutter presste die Lippen zusammen und ging aus dem Zimmer.
Oma nahm mich in den Arm. »Er wohnt jetzt bei seiner Mama.«
»Bei Oma Dutti?«
»Ja.«
»Aber ich wünsch mir, dass er unsere Wohnung findet.«
Oma lachte. »Die findet er ganz bestimmt.«
Sie strich mir über den Kopf. Ihre Hände rochen nach Minze und nach etwas anderem, etwas, das ich nicht benennen konnte. Es gehörte zu ihr wie die vielen feinen Falten in ihrem Gesicht und die Butter, die sie mir dick aufs Brot strich. Für Vater mag es ein Glück gewesen sein, dass er bei Oma Dutti untergekommen war, aber mir fehlten seine Geschichten und Lieder. Ein betrunkener Vater war wie ein gebrochenes Bein. Gar keinen Vater zu haben, fühlte sich an wie ein amputiertes Bein, irreparabel, dauerhaft von Krücken abhängig, halb.“

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Juli – what the bird said

Ich muss zugeben, ein bißchen kribbelig bin ich jetzt schon. Vielleicht sogar ein bißchen mehr. Warum?
Weil mein nächstes Buch, mein zweites,  nun wirklich auf dem Weg ist. In ein paar Wochen ist es soweit. Unweigerlich. Und ja, das ist aufregend für mich.
Hier gibt es vorab schonmal das Cover zu sehen.
Und ich möchte erzählen, worüber ich mich auch noch riesig freue.
In der Einleitung und als Untertitel durfte ich ein Lied von der Singer/Songwriterin Katja Werker verwenden. Ihr Album, „Contact Myself“,  habe ich oft beim Schreiben gehört, und abgesehen davon, dass ich es sehr mag, passt es meiner Meinung sehr gut zur Stimmung und zum Inhalt meines  Romans.
Das Lied „What the bird said“ ist definitiv eines meiner Lieblingslieder.

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Nicht Cinderella & Der blaue Vorhang

Ich freue mich sehr, am 1.10. im Künstlerhaus Buschulte in Unna, lesen zu dürfen. Noch viel mehr freue ich mich über die Zusammenarbeit mit  Sara Buschulte, mit der ich danach sicher noch das eine oder andere Mal zu Nicht Cinderella & Der blaue Vorhang einladen werde.
Sara Buschulte ist die Sängerin und Songwriterin der Band Sara’s Wohnzimmer und erzählt in ihren Liedern vom Tanzen, Taumeln und wieder landen, von Schattensprüngen und Höhenflügen, vom Loslassen und Wiederfinden.
Die Musik bewegt sich zwischen Chanson, Folk, Pop und Jazz.
2015 erschien das erste Album „irgendwo zwischen Alltag und Illusion“
2017 das zweite Album „Schattensprung“.
Unsere erste gemeinsame Probe war ein schönes Erlebnis. Da hat alles gepasst.
Die Generalprobe in fünf Tagen wird uns startklar machen, um mit allen, die kommen zwei schöne Stunden zu erleben. Und  ich  werde auch einen Abschnitt aus meinem Roman Juli – What the bird said  lesen, der in einigen Wochen veröffentlicht wird.
Kommt vorbei.

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Sara Buschulte und Gabriele Auth

Mojo und weil Julia gefragt hat

Traueraugen,
der Blick eine Wand,
gemauert aus
Splittern des
gebrochenen
Wesens.
Zerrissenheit.
Leben sterben.
Sterben leben.
Alle Türen
aufgebrochen,
eingetreten.
Zu früh.
Dazwischen
sich verströmen,
so viel zu geben,
sprudelnder Quell
sinnlos versickernd
im Sand.
Niemand versteht.

© gabriele auth

Schneewittchen

Ihr Blick will Wärme
streunt frierend
über tote Ebenen
sucht Halt im Grau.
Am Horizont
eine Bergkette.
Schwarze Vögel kreisen
Über sieben Hügeln.

Beklemmung,
Herz einschnürend
Die Arme wie Stein.
Enge. Oh. Enge.
Kopf stößt an Wände
wieder und wieder.
Schwarze Vögel kreisen
Über sieben Hügeln.

Ein Schrei im Grau.
Das Echo verfliegt.
Duft von Äpfeln
im Gläsernen Sarg.
Feine Tränen wie
Nieselregen.
Schwarze Vögel kreisen
Über sieben Hügeln.

© gabriele auth

 

 

 

 

Also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends

Schon als ich diesen Blog gestartet habe, gab es die Rubrik „Rezensionen“.
Sie soll Newcomern und Selfpublishern gewidmet sein, denn, ganz ehrlich, die beliebten Autoren renommierter Verlage haben genug Medienpräsenz, wenigstens die, die mich begeistern.
Jetzt muss man wissen, dass ich Bücher quasi einatme, was  zum Teil an meiner Lesebegeisterung liegt, aber auch daran, dass ich Lesungen veranstalte, zu denen ich Autorinnen und Autoren einlade, um ihre Bücher vorzustellen.
Ich entdecke häufig Bücher, die mich unterhalten und mir gefallen, aber es ist eine Seltenheit, dass mich eines wirklich berührt und begeistert. Also so rundum begeistert, Idee, Schreibstil, Protagonisten.   Das vorletzte Werk, auf welches dies zutraf, war von Haruki Murakami. Weder Newcomer, noch Selfpublisher.
Aber okay, ich merke, ich rede zu viel.  Also kommen wir zum Kern der Sache. Das letzte Buch, das ich gelesen habe, erfüllt für mich alle Voraussetzungen, um einen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Man ahnt es vielleicht schon, es heißt:
Also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends ( von Victoria Suffrage)
Es handelt von Paul,  seiner geistig behinderten Tochter Ela, seiner Katze Nuschi, von Alex, seinem jungen Betreuer vom Pflegedienst,  und es handelt von Lissy, Pauls Frau, die zehn Jahre älter war als er und gestorben ist. Paul ist achtundsiebzig, vergisst oft Dinge und ärgert sich über seine schwindenden Kräfte.
Die Autorin, Victoria Suffrage nimmt uns mit in Pauls Kopf, lässt uns teilhaben an seiner Zwiesprache mit sich selbst und mit seiner Lissy, die ihn liebevoll Füchschen nennt.
Wie man hautnah all seine Gedanken und Sorgen um Ela miterlebt,  um die Anfeindungen der Nachbarn, denen Elas Geschrei auf die Nerven geht und um die verpassten Möglichkeiten der vergangenen Jahre, das entfaltet einen langsamen Sog, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Dabei  entwickelt sich die Geschichte  schließlich zu einem Road-Movie mit überaschenden Wendungen. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, in Echtzeit dabei zu sein, in die Gefühlswelt und Wahrnehmungen des Protagonisten einzutauchen, ebenso wie in seine Irrtümer und Fehleinschätzungen.
Ein wunderbares kleines Buch mit großer Wirkung. Und nachhaltig.
Ich möchte nicht spoilern, also teile ich nur noch einige Auszüge aus dem Text.
„Eine fromme Frau war sie, meine Mutter. Sie hat morgens schon gebetet, dass es auch wieder Abend werde, und Stein und Bein geschworen, dass es ohne ihr Gebet schiefgegangen wäre. So wie mit meinem Vater, der aus dem Krieg nicht wiedergekommen ist. Dass er in Frankreich geblieben ist, weil er eine andere Frau kennengelernt hatte, habe ich erst nach ihrem Tod erfahren. Da war der Vater auch schon gestorben. Als ich ihr meine Lissy vorstellte, da hat sie sich bekreuzigt und drei Tage ins Schlafzimmer eingeschlossen. Und zur Hochzeit kam sie erst gar nicht. Bei der Lissy und dem Alter, da hat sie immer gewusst, was die Leute reden werden. Das Geschwätz hinterher, weil sie nicht zur Hochzeit kam, hat sie nicht gestört.“

Diese Nächte mit Ela, immer ihr Schreien, immer die Besorgnis, dass gleich wieder ein Nachbar ankommt – ich kann nicht mehr. Und in meinem Kopf wird es auch komischer. Ich habe mir ja vorgestellt, dass man es nicht merkt, wenn man wunderlich wird. Ist aber nicht so. Vielleicht hat Alex recht und ich sollte mit ihm in die Kneipe gehen. Aber selbst das wird ein Trauerspiel werden. ich brauche fünf Minuten, um ein Bier zu trinken und danach fünfzehn Minuten, bis ich es zum Klo geschafft habe. Und wenn ich das Pinkelbecken erreicht habe, tja, ist auch nicht die Moldau, die ich dann rauschen höre. Wenn nicht gerade die Schallplatte hängt.“

Ich schaue Alex hinterher, wie er zur Wohnungstür geht. Wie schnell er ist. Kurz darauf höre ich seine Schritte im Treppenhaus. er kann ruhig laut sein, bei ihm traut sich keiner, zu schimpfen und gemein zu sein. Seine Geschichte mit der Frau Schmerle lässt mich nicht los. Ich weiß nicht, ob ich allein sterben will oder nicht. Lissy ist ja nicht mehr ganz da.  Bei ihr wollte ich sein, als es ihr schlecht ging. Aber ich wollte nicht, dass sie geht. „Nachm Regenbogen, Paul. Nachm Regenbogen umd sechs Uhr abends.“ Das waren ihre letzten Worte. Danach schwieg sie beinahe zwei Tage. Ich erzählte ihr, streichelte sie. Und fragte sie wegen Ela. Bestimmt kann ich allein sterben, aber ich kann nicht allein zum Regenbogen gehe.“

Also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends

 

Woanders

Wollte zum Abschied ein Lied für dich schreiben, ganz in Moll, nur in der Mitte heimlich einen Dur-Akkord. Verdammt, ich kann doch keine Noten und spiel kein Instrument. Du siehst, du solltest besser bleiben. Und außerdem ist Abschied nicht mein Element. Schon klar, damit bist du nicht zu erweichen. Vielleicht lern ich noch schnell Posaune, Akkordeon oder Klavier? Noch besser wär’ Gitarre. Ja. Drei bis vier Akkorde sollten reichen. Die merk ich mir und ging zum Terminal. Da würd’ ich singen, laut, falsch und ganz besonders schrill. Alle Leute würden’s hören und wissen, dass hier Einer ist, der weg geh’n will.  Ich würde ungeheuer peinlich sein. Schlimmer als bei Wahrheit oder Pflicht. Und weil kein Baum da wär, würde ich irgendwas erklimmen. Vielleicht eine Laterne. So genau weiß ich es gerade nicht. Verstörend dissonant ließ ich die Finger über Saiten holpern und stimmte alte Schlager an, Vicky Leandros, Udo Jürgens, vielleicht auch Freddy Quinn. Es gibt keine Laternen dort? Egal, ich würde trotzdem durch die Töne stolpern und du könntest nicht weg, weil du am Check-In  anstehst für den Flug nach Nirgendwo. Mal ehrlich, wer außer dir will denn da hin?
Du würdest dich noch umdreh’n, zu mir sagen: „Hör auf, mit dem Geheule, das ist so grottenschlecht, dass man am liebsten auf der Stelle sterben will“.  Und ich würd’ rufen: „Das geschieht dir recht. Bleib bloß nicht stehn. Geh weiter. Einfach weiter. Los hau schon ab. Ich will dich weg gehen sehn“.
Dann lachst du, sähst mich an und sagtest: „Machs gut. Es war nicht schlimm mit dir.“
Ich würde schweigen. Und wenn du weg wärst, würde ich so tun, als ob ein Staubkorn mir ins Auge flog, würd drüber lachen…..ach, und überhaupt, du wärst ja gar nicht weg. Wärst nur Woanders. Das ist die Wahrheit.
Aber auch ein kleiner Selbstbetrug.