Schneewittchen

Ihr Blick fliegt
in die Ferne,
schweift über endlose,
fahle Ebenen.
Kein Fixpunkt im Grau.
Hügel am Horizont.
Schwarze Vögel kreisen.
Enge in der Weite.

Herzeinschnürend.

Kein Raum,
die Arme zu bewegen.
Sie dreht den Kopf,
stößt an die Wand.
Glas.
In Höhe ihres Mundes
ein milchiger Fleck.
Abbild ihres Atems.

Ihr Schrei
zurückgeworfen
von gläsernen Wänden.
Ein Sarg im Nichts.
Gebrochene Flügel.
Tränen
wie Nieselregen.
Der Prinz kommt nicht mehr.

© gabriele auth

hands-804934_1280Foto: Pixabay

Vorfreude

Heute ist der erste Advent. Viele Menschen freuen sich schon auf Weihnachten, auf Liebe, Freunde, gutes Essen, Geschenke, viele Lichter und vielleicht sogar Schnee in einer dunklen Zeit.
Klar, ich freue mich auch darauf. Aber, wenn ich den ganzen Konsum und Kaufrausch mal wegstreiche, kann ich doch das ganze Jahre versuchen, Liebe, Freundschaft, Licht und gutes Essen zu genießen.  Ich kann liebevoll mit Anderen und mit mir selber sein. Und Geschenke?
Die müssen nicht aus dem Kaufhaus, vom Weihnachtsmarkt oder von Amazon kommen.  Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber was meine Augen nachhaltiger zum Leuchten bringen kann als eine goldene Kette, ist zum Beispiel ein schöner Abend mit guten Freunden. Das ist ein Geschenk für jeden Tag im Jahr, natürlich auch für Weihnachten. Oder ein Tag am Meer, die Umarmung eines geliebten Menschen, das Schnurren einer Katze, Sonnenlicht hinter Baumkronen,  ganz mit sich im Reinen ein gutes Buch zu lesen, Musik  hören …
Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Nur den Schnee, den kann es nicht jeden Tag geben.
Was das mit dem Sinn von Weihnachten zu tun hat?
Ich weiß es nicht, aber ich denke, wenn jeder Tag ein Geschenk ist, immer wieder jetzt und jetzt, dann kann Weihnachten immer sein. Und mal so aus religiöser Sicht, das Kind in der Krippe ist ja nicht nur  am 24. Dezember da. Oder?
Bei mir ist es aktuell so, dass ich mich nicht nur auf Weihnachten, sondern auch schon auf ein paar andere Tage freue, etwas weiter voraus.
Ich freue mich auf  den nächsten  März.
Warum?
Vom 21.März bis zum 24. März gibt es die Leipziger Buchmesse, „Leipzig liest“. Und ich möchte wieder dabei sein.
Also in diesem Sinne, eine tolle Adventszeit, (Weihnachts)Glück das ganze Jahr und vielleicht sehen wir uns in Leipzig. Wenn nicht, lesen wir uns hier. Natürlich nicht erst im März.

Obst geht immer

 

Das kleine Einkaufszentrum liegt in einem wenig beachteten Stadtteil im Norden meiner Heimatstadt. Dort, wo sich alte Zechensiedlungen neben Fünfziger-Jahre-Betonkästen ducken und einzelne Straßenzüge mit ihren pastellfarbigen Altbauten an die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg erinnern.
Neben Dönerbuden und Sonnenstudios wird der graue Ruhrpottcharme seit einigen Jahren bereichert durch orientalische Lebensmittelläden. Stets umweht von einem Duft nach Oliven, Minze und etwas, was ich nicht einordnen kann. Fremd, doch vertraut zugleich.
An einigen Ecken behaupten sich zwischen den Miethäusern noch immer die typischen Trinkhallen, die Buden, vor denen knorrige alte Männer die Zeit tot schlagen. Ehemalige Kumpel und Stahlarbeiter. Rauchend. Bier trinkend. Gespräche drehen sich im Kreis um Fußball und das Leben nach dem Arbeitsleben. Der Satz Ich geh ma eben anne Bude kann jeden Zeitraum von zehn  Minuten bis fünf Stunden umfassen.
Mittendrin, am Marktplatz, das Einkaufszentrum. Ein altmodisch solider Gebäudekomplex aus den frühen sechziger Jahren. Sein spröder Sex-Appeal hat nichts gemeinsam mit dem Hochglanz-Shopping-Palast, der in der Innenstadt am Ende der Fußgängerzone lauert und, einem gigantischen Ufo nicht unähnlich, eine unüberschaubare Warenfülle und angesagte Labels präsentiert.
Obwohl es nichts derartig Großartiges darstellt, ist das kleine Einkaufszentrum Anziehungs- und -Treffpunkt für die Bewohner des Stadtteils. Sie kommen, um gesehen zu werden, den neusten Tratsch auszutauschen, zum Kaffeetrinken, Stöbern und natürlich zum Einkaufen. Teenies mit Smartphones, oder den Kopfhörern ihrer MP3-Player im Ohr, treffen sich hier. Stehen meist zu laut lachend bei Mac Donalds, wirken ein bisschen gegen den Strich gebürstet.
Rentner aus dem nahegelegenen Seniorenzentrum sitzen zu zweit oder zu dritt auf den Bänken, beobachten Alle und Alles.
Das „Center Management“ denkt sich regelmäßig Attraktionen aus, denen meist ein altertümlich schlichter Charme anhaftet.
Da laden kantige Oldtimer aus den Siebzigern zum Probesitzen ein. Ein anderes Mal dürfen die Besucher sich an den Scheiben großer Terrarien die Nase platt drücken, wo Reptilien sich zwischen üppig wuchernden Pflanzen verkriechen.
Die meisten Leute versammeln sich bei Mac Donalds und in der modernen Center-Apotheke. Big Mac oder Aspirin braucht immer irgendwer.

Ich komme gerne hierher, lasse mich durch die Ladenstraße treiben, stöbere in Geschäften, deren Sortiment mir fast genauso vertraut ist wie mein Wohnzimmer, weil es sich im Laufe einer Saison nur unwesentlich ändert. Ab und zu sitze ich in dem italienischen Eiscafé und bestelle Cappuccino.
„Mit aufgeschäumter Milch oder mit Sahne“, fragt die Bedienung immer.
„Ein Cappuccino mit Sahne ist strenggenommen kein Cappuccino mehr, es ist einfach ein Kaffee mit Sahne“, erklärte ich ihr damals bei meinem ersten Besuch. Sie lachte.
„Dann können wir den Laden dicht machen“, antwortete sie. „Hier wollen die Leute Sahne und sie schimpfen, wenn sie nur Milchschaum auf ihrem Kaffe finden.
Da lachte ich auch.
Italien ist weit. Zu weit vielleicht.

Vor dem Springbrunnen im Erdgeschoss stehen Kinder wie verzaubert. Offene Münder, leuchtende Augen, erinnern mich daran, dass es eine Zeit im Leben gibt, in der alles ein Wunder sein kann.
Wann genau verlernt man das Staunen, wann nimmt man die Magie im Leben nicht mehr wahr, denke ich, stelle mich zu den Kindern, beobachte das Spiel der farbig angeleuchteten Wasserstrahlen. Die Kleinen hüpfen, lachen, johlen.
„Fall mir da bloß nicht rein!“, rufen die Mütter.
„Nicht auffem Beckenrand laufen.“
„Komm jetzt, die Mama will weiter, du kriegst auch ein Eis“.

Der Springbrunnen hat eine Intervallschaltung. Nachdem abwechselnd mal von links, mal von rechts einige sprudelnde Bögen das blau geflieste Becken überfliegen, entsteht eine abrupte Pause, in der das Wasser unbewegt glitzert.
– Stille –
Die Kinder halten die Luft an. Bis der erste Wasserstrahl mit einem lauten Zischen wieder einsetzt, seinen leuchtenden Bogen über das Becken schlägt. Sofort schwappt eine meterhohe Welle aus Kreischen und Gelächter bis fast hinauf zum Parkdeck.
Ich lächle, kehre dem wässrigen Schauspiel den Rücken, schlendere weiter.
Vor der Parfümerie steht eine beinahe perfide geschminkte Verkäuferin. Sie drückt mir eine Feder in die Hand. Ich schnuppere daran. Der Duft tackert sich mit Wucht auf meine Nasenschleimhaut. Karamellklebrig. Neongrell. Ich lasse die Feder in der Tasche meines Parkas verschwinden, wo sie weiter voll pinker Leidenschaft ihre Duftwolke verströmt.
Ein paar Schritte weiter, im Eingangsbereich der Buchhandlung, stehen die üblichen Tische mit preisreduzierten Mängelexemplaren. Da liegen sie zu Stapeln aufgetürmt. Ich suche jedes Mal die Mängel der einzelnen Bücher, nehme sie in die Hand, blättere, wende, lese. Die Einbände glänzen neu und unversehrt, weder Kratzer, noch Transportspuren stören die Makellosigkeit. Der einzige sichtbare Makel, der jedem Exemplar anhaftet, ist der Stempel auf dem Schnitt, der es unwiderruflich als Mängelexemplar ächtet.
Na ja, Ladenhüter klingt auch nicht netter, denke ich und kaufe einen Krimi. Beim Weitergehen fällt mir ein, dass ich Briefmarken brauche.

Mein Weg führt vorbei an der ehemaligen Hertie-Filiale. Der dreistöckige Gebäudetrakt steht schon ewig leer. Auf den großen Schaufenstern kleben riesige Fotos von lächelnden Frauen, die dynamisch und schick ihre Einkaufstüten schwenken.
Wir bauen für Sie um – Bald noch schöner, noch attraktiver! steht auf den Plakaten. Darunter ein kleiner, unspektakulärer Aushang mit der nüchternen Information
provisionsfrei zu vermieten.
An Hertie erinnert nur der große, geschwungene Schriftzug, der sich wie um Fassung ringend, trotzig rot an die Wand über den Eingangstüren klammert.
Ich staune immer noch, dass so viele deutsche Traditionsfirmen pleite sind. Einst waren sie starke Säulen des Handels, untrennbar mit einem überschäumenden Wirtschaftswunder verknüpft.
Das Wirtschaftswunder hat sich wohl erledigt.
Wie zur Bekräftigung scheint  dieser leer stehende Kasten mir höhnisch ins Gesicht zu lachen. Unmittelbar schleichen sich Bilder des Malers Otto Dix auf meine innere Leinwand.
Lästiges Kopfkino.
Was wohl aus den Mitarbeitern von Hertie geworden ist? Zum Schluss hatten sie selten gelächelt, manchmal mit den Kunden über die drohende Schließung gesprochen. Gekränkt. Noch nicht bereit, zu begreifen, dass man sie an die Wand gefahren hatte. Immer wieder mal schimmerte durch die Bitterkeit die Hoffnung auf ein Wunder. Untermalt von dem fröhlichen Slogan der aus den Lautsprechern dudelte
ZUM GLÜCK GIBT’S HERTIE“.
Ich lasse das entseelte Warenhaus links liegen. Fahre die Rolltreppe hinauf zur Lottoannahmestelle, wo man Briefmarken kaufen kann. Schließe mich der langen Reihe hoffnungsvoller Lottospieler an. Es ist Freitag. Fast alle halten ihren Tippschein in der Hand. Mit beinahe heiligem Ernst. Das potentielle Ticket in ein sorgloses Leben. Über den Köpfen, zum Greifen nah, wabert der Hunger nach Wohlstand. Nach Erlösung aus dem „Zum-Leben-zu-wenig-zum-Sterben-zu-viel-Gefühl“.  Vier Millionen im Jackpot.
Wenn das keine Chance ist …
Vom Backshop gegenüber zieht der Duft von Pflaumenkuchen in meine Nase. Begierig sauge ich ihn ein, bezahle die Briefmarken, schlendere meiner Kuchenlust nach.
Neben dem Bäcker, im Eingangsbereich des Supermarktes, lenke ich  meine Schritte um. Eine Verkaufspyramide aus Obstkisten zieht mich an.
Glänzende Mandarinen. Verheißungsvoll liegen sie vor mir. Noch verlockender, als der  Kuchen, Stück für Stück eingebettet in helle Holzkisten. Duftende Früchte, deren knotige Oberfläche zum Anfassen, zum Auswählen einlädt, einige von ihnen eingehüllt in feines Seidenpapier. In einer Pappkiste daneben liegen Netze mit Clementinen, deutlich preiswerter, aber ich weiß aus Erfahrung, dass das Rot der Netze die Früchte leuchtender erscheinen lässt, als sie sind. Entschlossen wende ich mich den anderen, den netzfreien Kleinoden spanischer Mandarinenplantagen zu.
Aus dem Laden kriechen mir Instrumentalversionen alter Beatles Hits ins Ohr.
Yesterday, all my trouble seemed so far away, singe ich in Gedanken mit.
Neben mir steht eine Frau, klein, ein wenig gebeugt. Kurze graue Haare. Graue Jacke. Ein irgendwie graues Gesicht. Hinter ihr parkt eine dieser Einkaufstaschen auf Rädern. Hackenporsche sagt man hier. Die kleine, graue Frau betrachtet die Preisschilder, greift nach einem Clementinennetz, zieht die Hand wieder zurück, sieht mich nachdenklich an. Sie beobachtet wie ich einzelne Mandarinen aus einer Kiste auswähle und in die Tüte lege.
„Die sind teurer“, sagt sie und seufzt.
Ihre Stimme klingt matt mit einem geduckt anmutenden Unterton. Das Lächeln um ihren Mund ist kaum wahrnehmbar.
„Ja, die sind teurer“, antworte ich, „aber sie sind saftiger und leckerer“.
Die Frau nimmt eine der duftenden Früchte in die Hand, betrachtet sie mit zweifelndem Blick.
„Hinterher ärgert man sich“, sagt sie leise, „wenn man die billigen im Netz genommen hat, und dann schmecken die gar nicht“.
„Ja“, stimme ich zu.
Ein unübersehbar breites Lächeln gibt ihrem Gesicht einen rosigen Schimmer, als sie jetzt Mandarinen in eine Tüte legt.
„Ich nehm dann auch mal die teuren.“
Sie knotet den Plastikbeutel zu. Aus ihrer Stimme verflüchtigt sich das Grau. Sie klingt erleichtert, fast freudig.
„Darauf hab ich jetzt richtig Appetit gekriegt“, sagt sie in mein lächelndes Gesicht.
„Wissen Sie, wegen der Chemotherapie und dem Krebs vertrag‘ ich sowieso fast nichts mehr. Aber Obst geht noch. Obst geht immer.
Da kann ich mir ruhig mal was leisten“.

© gabriele auth

(überarbeiteter Text aus meinem leider nicht mehr lieferbaren Buch  „Mensch lernt von Mensch“)

 

 

Milonga

An einen Tango,
ein argentinisches Lied,
Tänzer fast schwerelos,
denkt sie manchmal,
wenn sie ihn sieht.
Er ahnt es nicht,
geht  still
die Straße entlang,
ein winziges
Lächeln im Gesicht.

Es sind seine Augen,
vielleicht auch sein Haar,
dunkel und störrisch.
Sie schaut ihm nach,
von ihrem Balkon,
im zweiten Stock.
Sie mag
seinen Gang.
Einen Augenblick
unerforschtes Land.

Kurz bleibt er stehen,
wendet den Kopf,
ihr Atem stockt.
Sieht er sie an?
Verlegen geht sie
in ihr Zimmer zurück.
Auf ihrer Spüle
benutztes Geschirr,
eine Tasse, ein Teller.
Ein Ich. Kein Wir.

© gabriele auth

 

 

 

 

 

 

Status Quo

Goldener Oktober verglüht
unentschlossen am Horizont.
Nebelverhangen streunt
November über Dächer,
nimmt dem Tag die Farben.
Nur zwischen Wolkenfetzen
blitzt noch kühnes Himmelblau.
Das Echo eines Jugendlachens
schwebt trotzig um die Köpfe,
ehe Winterluft  spröde
über das Leben streicht.

© gabriele auth

Möglichkeiten

Über den Klimawandel wollte ich schreiben, vom Anblick verdorrender Bäume, brennender Wälder und braungelber Wiesen. Von der weiß glühenden Nachmittagssonne, die Träume von Regen weckt und Sehnsucht nach kühlen Wassertropfen auf heißem Asphalt.

Von Baumhäusern und vom Sterben im umkämpften Forst.
Oder von Düsterland, von der Grimasse des Faschismus, von dem verbotenen Gruß und dem Geruch nach viel zu vielen Toden.

Von Menschen, die sich unsichtbar fühlen, ungesehen, die, verstört vom Wandel ihres Lebensraumes, dem Zischeln brauner Schlangen lauschen und den alten Parolen glauben. Jene, die Schuld beim Fremden suchen, der nicht in ihrer Mitte wurzelt.

Blut und Boden
Blut und
Blut

Schreiben über die Anderen.
Die, die ihre Heimat verlassen, mit einem Rucksack und einem Smartphone voller Fotos von vertrauten Räumen und Gesichtern.
Eine zerbrechliche Schnur zwischen Herz und Heimat.
Bewahrer der Vergangenheit und Navigator in die Zukunft.

So groß die Verlorenheit, wenn die Schnur zerreißt.
Heimat.
Nicht nur Ort,
auch Erinnerung an gelebtes Leben,
auch Glaube an eine bessere Gegenwart.

Marode Boote. Der Todesbiss des Meeres.
Das Salz der Tränen, das sich mit dem Salz des Ozeans vereint.
Träume vom Ankommen.
Vom Erreichen des sicheren Ufers.
Sicher?

Wollte erzählen von den Bildern.
Immer wieder Bilder.
Eine Bilderflut, die den Atem raubt.
Zeitung. TV. Internet.
Bilder
Bilder
Bilder
Menschengesichter. Verzweiflung. Sorge. Angst.

Sekundenlang flackert Hoffnung im Klang eines Kinderlachens über schlammigem Grund.

Ach, warum nicht erzählen von einem Mann, der am Fenster steht?
Im Haus gegenüber auf dem Balkon sitzt eine Frau, ein Buch in der Hand, liest und lächelt dabei.
Ihr rotes Kleid leuchtet im Licht.
Ihre Haut ist dunkel, die Augen schokoladenbraun.
Vielleicht schaut sie auf,
Vielleicht sieht sie den Mann.
Vielleicht sehen sie sich an.

Eine Brücke aus Blicken.
Behutsam.
Eine Welt im Entstehen.
Die Möglichkeit von Liebe.

© gabriele auth

 

 

 

Die alte Uhr

Wenn sich Wasser sammelt in den Schlaglöchern des Lebens,
wenn der Wind der Langeweile um ungelebte Träume streicht,
die Wölfe des Scheiterns die unerfüllte Zukunft wittern,
öffne ich meine Fenster weit, seh‘ unter mir den Sumpf der
Mittelmäßigkeit. Die gelben Schwaden aufgestauter Wut.
Ich achte auf die Zeichen,
hol‘ die fast vergess’ne Uhr aus dem Versteck,
breite die Arme aus
falle
fliege.

Wonderful

T. und ich mit Motor-Rollern unterwegs.  Nacht. Vor uns die Straße durchschneidet die Dunkelheit wie ein breites, nebelgraues Band. Am Rand die Umrisse von Büschen und Bäumen. Das Visier  geöffnet, frischer Nachtwind im Gesicht und am Himmel der Mond. Neben mir das angriffslustige Brummen von T’s Piaggo.
Mein klitzekleines Stückchen Easy Rider.

Wurzeln und Flügel

So eine Stimme. Sanft wie die erste Frühlingssonne. Warm und belebend. Einhüllend. Sie weckt die Erinnerung an die Arme der Mutter, den Duft von Apfelkuchen, an das Gefühl stark zu sein, ein eigentümlicher kleiner Kosmos voller verheißungsvoller Sterne und bittersüßer Tränen der Schwäche. Den Klang des eigenen Blutes entdecken und ihn spüren, den großen, unablässigen Flow, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert und allmählich übergeht in den treibenden Rythmus des Steppenwindes.
Nina Simone. Zurücklehnen. Genießen.
Since I Fell for You, Sunday in Savanna, Westwind……

Wurzeln und Flügel.

 

Auf nach Leipzig

Alle sagen, Leipzig hätte die Buchmesse mit dem besonderen Flair. Ab Morgen habe ich die Gelegenheit, das selbst zu erleben. Ich freue mich schon mehr als sehr.
Die Sahnehaube auf meinem Messekuchen ist, dass ich
am Freitag um 11:40 Uhr aus „Juli“ lesen werde.
Auf der Lesebühne des BVjA und 42er Autoren.
Und ja, ich bin ein bisschen aufgeregt, stehe vor meinem Kleiderschrank, überlege welche Art von Schwarz ich anziehen werde.
T. sagt, es wäre alles gleich schön und gleich Black.
Stimmt   natürlich   nicht.

Also, wer auf der Messe ist und wissen will, welches Schwarz es geworden ist, findet mich am Freitag 11:00 – 12:30 Uhr in Halle 5, C500
13:00- 13:45 Uhr in Halle 5, D515 am Stand des BVjA
14:00 – 15:00 Uhr in Halle 5, G309 bei den Bücherfrauen.
Und dazwischen und danach in der Autoren Lounge, in der Selfpublisher Arena und überall, wo es mich hintreibt. Es gibt einige tolle Veranstaltungen. Und besonders freue ich mich darauf, meine Lektorin, Elsa Rieger, endlich face to face zu treffen.
Nach der Messe sehe ich mir dann Leipzig an.
Das wird schön.
Ihr könnt natürlich hier alles darüber lesen.
Stay tuned.

Autorenfotos Gabi1