Kinder
spielen Slenderman
Väter
ertrunken im Wodkaglas
Mütter
kleben am Flachbildschirm
Hirne geknebelt

Seelen
im Pixelbrei
Freundschaft
verendet im Social Media
Realität verschwimmt
Wahrheit wird Lüge bei
Talk-Shows und Reality-TV

U-Bahn-Tunnel
Menschenklone
kaltes Licht
Gesichter hinter
Smartphonemauern
rote Ampeln
Stop and go

Neonleuchten
im Großraumbüro
weißes Rauschen
im Gehirn
Funktionieren
im Kreis im Kreis
IM KREIS …

Draußen
fliegen Vögel,
ist der Himmel weit
Sonne durch Wolken
das Licht
du kannst es fühlen,
öffne .

(c) Gabriele Auth

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Foto/G.Auth

Tanz (aus Gründen)

Wo ist der Raum,
in dem wir tanzten,
als wär das Morgen
ein Phantom?
Wer stahl das Licht
aus unseren Augen
jetzt flutet Dunkelheit
den Traum.

Kommt, kommt
lasst uns tanzen
bis der Morgen den
Nachthimmel küsst.
Kommt, kommt
lasst uns lachen
bis das Herz
jeden Kummer vergisst.

Wo ist die Musik,
die für uns erklang,
als der Traum zu
den Sternen flog?
Wann sank das Lachen
wie Regen ins Meer?
Warum kommt die
Freude nicht zurück?

Kommt, kommt
lasst uns lachen
bis der Morgen den
Nachthimmel küsst.
kommt, kommt
lasst uns tanzen
bis das Herz
jeden Kummer vergisst.

© gabriele auth

Pott Pearls

Das vielgeschmähte, einst voller Ruß und Schlote, mein Land im Westen, wo über Hochöfen der Himmel brennt. Wo die Augen der Großväter leuchteten in müden Gesichtern, bedeckt mit dunklem Staub, der von der Kohle zeugte. Mit schwieligen Händen aus dem Schacht gegraben.
Und meine Stadt, die spröde, die oft nach Seeluft schmeckt. Nicht mehr so ganz im Inland und doch noch nicht am Meer. Da, wo alte Kerle „anne Bude“ gehen. Bei Bier und Kurzem mit den Kumpels reden. Über Rot-Weiß und über Kalle von nebenan, den seine schwarze Lunge langsam um die Ecke bringt. Mit schweren Schuhen schlurfen sie durch schmutzigbraunen Schnee. Über ihnen der Himmel, grau und drückend wie die Last der Jahre. Doch wenn sie lachen spürt man Sonne. Mutter heisst „Mudder“. Man sagt: „Komma här“ wenn man sich ruft. Und viele Worte klingen rauh und schroff wie alte Steine, dort, wo man oft auch mit dem Herzen sieht.
Wo am Kanal die Kähne tief im Wasser liegen. Wo braungebrannte Bengels von der Brücke springen. Sie lachen, wenn das Wasser aufspritzt. Voll prickelnder Erleichterung und weil die Mädchen kreischen vor Angst. Und aus Bewunderung.
Wie oft hab ich ihn schon verlassen, fand sanfte Hügel, weites Meer, fand liebevolle Worte in einem anderen Land. Wie oft sprach ich davon, nie mehr zurückzukehren. Ich weiss, das Paradies hat er mir nie versprochen. Doch wenn ich aus den sonnig süßen Weiten mich langsam auf ihn zu bewege, den Kreis durchbreche und die schwere Luft mir fast den Atem nimmt, dann singt ganz leise auch ein Liebeslied in mir. Ein Lied für seine grauen Städte und sein helles Herz. Ruhrpott, so unfassbar. So rätselhaft vertraut. So bittersüß geliebt.