Winterende

Am Straßenrand
Sonnenglitzern auf
Resten von Schnee
„Lovely“ von Billie Eilish
im Autoradio
Eine Prise Glück

https://www.youtube.com/watch?v=xirk18P889U

Dialog mit einem schwarzborstigen Tier

„ Ich hab’ dich nicht gerufen und will dich nicht behalten“

„Du glaubst, du hast mich nicht gerufen? Wir werden sehen, ob ich bleibe.“

„Aber … ich kann dich nicht brauchen, selbst wenn du anfangs nur ein wenig, quasi harmlos an mir knabberst mit deinen kleinen spitzen Zähnen.“

„Ha! Du denkst, du brauchst mich nicht? Wir werden sehen“

„Aber … was willst du von mir? Machst dich ungerufen breit, sträubst deine schwarzen Borsten, während ich erstarre, in mich selber tauche und nicht weinen kann.“

„Ich bin hier, um deine Blindheit wegzunagen, mache mich breit, damit du siehst, du bist nicht allein. Niemals.“

„Aber …?“

„Du bist von Licht umgeben, du könntest Sonne sein.“

„Aber ich …“

„Sitzt da mit dem Rücken zur offenen Tür, vor dir dein Schatten an der Wand.“

„Aber …  ich versinke in mir.“

„Dreh dich um. Du wirst sehen, es ist leicht.“

„Geh weg. Ich will dich nicht.“

„Komm. Nimm mich in den Arm.

„Geh weg!“

„Man hat dir zugeflüstert, du seiest allein und dich beschuldigt, du wärst falsch.“

„Geh!“

„Dreh dich um. Umarme mich. Ich bin da, so oder so.“

„Du bist düster und gruselig.“

„Und du kannst licht sein.“

„Das soll ich dir glauben?“

„Ja.“

„Auf keinen Fall!“

„Öffne die Augen und dreh dich um.“

„Ich habe Angst.“

„Du bist nicht allein.“

„Bin ich nicht …?“

„Bist du nicht.“

„Aber … ich dachte ich wäre allein. Ich fühlte mich verlassen.“

„Das dachtest du und fühltest du. Ja.“

„Oh. Ich fühle unter meinen Händen die Wand. Sie ist rau. Ich … öffne … jetzt … die Augen.“

„Endlich.“

„Jetzt. Jetzt  drehe ich mich um. Da ist eine offene Tür. Ich gehe hindurch. Ich sehe Licht. Soviel Licht. Aber. Ich sehe dich nicht, kleines schwarzborstiges Tier. Wo … bist … du?“

„Du hast mich umarmt. Ich bin du.“

(c) Gabriele Auth 2021



Bild/ Innenraum G. Auth/ Acryl auf Leinwand

In das Offene

Wo Einsamkeit
durch die Ritzen
des Alltags sickert,
wie ein Strom,
jedes Ufer überrollt
durch Häuser tobt
alles mit sich reißt
und
unter Schlick begräbt.
Wo Dächer
trostlosen Inseln gleich
Mutlosigkeit wirken,
lerne schwimmen
oder fliegen

in das Offene.
(c) Gabriele Auth

Foto/ eLaba on Pixabay

Schmetterlinge zum Tee

Schmetterlinge zum Tee
Fledermäuse im Licht
Umschwirren mich
Wenn ich dich seh‘
Du weißt es nicht.

Fels in der Brandung
Kann selbst ich mir sein
Ich bleibe bei mir
Lass mich nicht allein
Wenn alle gehen

Bleibe ich hier

(c) Gabriele Auth

Foto/Jill Wellington on Pixabay