Lillith

Hell war ich, als man mich schuf. Und aufrecht. Meine Lippen wie Blätter einer Rose. Sanft.
Meine Flügel leuchteten im Licht des ersten Tages.
Ach ja, und  Salomo, er schrieb das Hohelied für mich.
Gefährtin wollte ich sein, dem Ersten wie dem Letzten.
Nicht untertan.
Die Schlange deiner Angst wand sich um deine Seele, sprühte dir Gift in den Verstand. Sie weckte Lust und Hochmut bis das Feuer deiner Gier den Sinn dir trübte.
„Ich bin der Herr“, so brülltest du.
Deine Stimme war ein Messer.
Die Flügel wolltest du mir brechen und schuldig nanntest du mich, schuldig an deiner Angst und deiner Geilheit.
Hass fraß sich in dein Herz.
Hass weckte deine Arglist.

Und da war niemand.
Ausser uns, den Erstlingen.

Ach, ich hätte dich geliebt, doch ging ich fort.
Ließ dich zurück mit deinem Zorn und all der Gier nach Macht.
Zu schwach warst du für meine wilde Liebe.

Da schuf man dir ein neues Wesen und band es an dein Blut.
Eine, die keine Flügel hatte, eine, die bereit war, sich zu beugen.
Wie du sie hasst, sie schlägst, durch deine Tage schleifst, dass ihre Brüste bluten und  Steine ihr das Herz zerfetzen.
Wenn du sie schändest, röhrt deine Lust meinen Namen.
Doch deine Lippen bleiben trocken, stumm, verschlossen wie die Tür zur Liebe.
Und wenn du sie ins Feuer schleuderst, sie steinigst, knebelst, sie zwingst Gesicht und Körper zu verhüllen bis zur Unkenntlichkeit, oder sich nackt und schutzlos den Hieben deiner Blicke preiszugeben wie eine Ware auf dem Wühltisch deiner Lust, suchst du verzweifelt mich in ihr.

Spürst du den Funken, der uns beide schuf in ihrem Wesen?

Ja, ich verließ dich, doch war es nie mein Ziel, dich zu besiegen, nur unsere Ebenbürtigkeit wollte ich leben.
Mit dir.
Ihr Schmerz, ihr Leid – der Preis, den ich für dein Versagen zahle-  Adam.

mein bester Freund

Mein bester Freund
warst du,
einer fürs Kino,
oder für Konzerte,
und zum reden,
ganz besonders
zum reden.

Etwas an dir
ließ mich hören,
zuhören, stundenlang,
ein sehendes Hören,
ich sah dich an
und mochte, wie
dein Reden aussah.

Und dein Lächeln,
leise, und trotzdem
durchmaß es den Raum
wie mit leichten,
federnden Schritten,
Vorbote eines
neuen Gefühls.

Das Erstaunen, als
wir es entdeckten,
das füreinander
neu sein und
dieses Gefühl
in der Brust,
wie Flügelschlag.

Liebe nannten wir es.
Und wir lachten.
In deinen Augen
sah ich meine Frage
gespiegelt, wie
ein flimmerndes
Nichtbegreifen.

Warum gerade du?

Wir sind geblieben,
einfach so,
und das Staunen
blieb mit uns
die ganze Zeit
Liebende und
Beste Freunde.

© gabi m. auth

Wie bist du

Wie bist du, Mann,
so nach außen, nach vorn,
gespannt und erhärtet
wie Seile aus Stahl,
die singen im Sturm.

Wie bist du, Frau
so nach innen, zurück,
weich und zerfließend,
betört und klar,
ein Fluss ohne Ufer.

Wie bist du, Mensch,
so Mann, so Frau,
fließend und stark
aufgehend im Leben,
ein großer Gesang.

Geborgen im Leben,
befreit im Tod,
Saat der Götter,
Ernte der Erde.
Hingabe und Verborgenheit.
© gabi m.auth