Nur ein Moment

Sie reden.
Über das und dies.
Er erzählt von Wünschen, Plänen.
Sie breitet Träume vor ihm aus.
Auch die kleinen Ärgernisse ihrer Tage.
Daneben legt sie ihre Ängste.
Er spricht vom Scheitern.
Sie gesteht, nichts, was sie tut,
wird je ausreichen .
Nichts gut genug sein.
Er lächelt, zwinkert ihr zu,
antwortet mit einem lässigen Spruch.
Sie lachen.
Sehen sich an.
Seine Augen Blaugrau
mit gelben Sprenkeln.
Sie schaut auf ihre Hände.
Das Lachen verweht.
Er senkt den Blick.
Eine Strähne seiner Haare
weht ihm ins Gesicht.
Er pustet sie zur Seite.
Sie beobachtet es,
fühlt sich dünnhäutig.
Einfach so.
Er sieht aus dem Fenster.
Rund und rot ist der Mond.
Rot wie ihre Haare.
Ihr Blick folgt dem seinen.
Sie sehen beide
auf diesen leuchtenden Mond.
Ihre Hände nah beieinander,
berühren sich nicht.
Er spürt, er wird sie nie besser kennen,
ihr nie näher sein, als genau jetzt.
Nur ein Moment.
Wahrheit klingt im Schweigen.

(c) Gabriele Auth

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Foto Pixabay

Still

Nebel verschlingt
Kühle Begegnung
in verworrenen Träumen
Still

Nebel umhüllt
Dunkel fließende Seide
im allmählichen Fall
Still

Nebel zerfetzt
Blauer Stahl
in einem roten Puzzle
Still

©Gabriele Auth

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Foto Th.Auth

 

bluesgeboren

Fundstück aus meiner Text-Schublade. Das muss Anfang bis Mitte der Neunziger entstanden sein und es gibt eine Version als Songtext und eine als Lyrik. Hier die Lyrikversion.

an solchen tagen läufst du
durch die straßen
fühlst dich unbestimmt allein
es ist nicht weil keiner da ist
es ist nur dein so sein
sitzt in kneipen sprichst mit leuten,
lachst außen aber innerlich
fühlst du dich verfroren
bluesgeboren

kannst nicht schlafen,
weil dich eine
dunkle sehnsucht treibt
sehnsucht ohne namen
nach tod, nach leben, nach
irgendwas, das bleibt
hunger nach du-weißt-nicht-was
bist hier, und doch verloren
bluesgeboren

spürst blicke in denen
auch dieser hunger brennt
hörst deine eigne sehnsucht
in fremdem lachen schwingen
finger, die sanfte
heimwehstrahlen spinnen
bist nicht allein zur
Traurigkeit erkoren
bluesgeboren

© gabriele auth