verzockt

Wohin gehen wir,
wenn es dunkel wird?
Wenn Tag und Nacht
sich nicht mehr trennen
in Deutschland
in Europa
in der Welt?

Ob dann Mc Donalds
noch geöffnet hat?
Und werden wir
in der Kälte stehen
und ewig haltbare
Burger kauen,
wiederkäuen?

Verloren im Labyrinth
der kalten Zahlen
der kalkulierten Freundlichkeit
der freudlosen Regelwerke?

Sonne ist in Wahrheit
das Licht, das zwischen
Menschen leuchtet, die
sich begegnen
mit Achtung
mit Verstehen
mit Freundschaft

Liebe

Wohin gehen wir,
wenn wir die Sonne
verzockt haben?
Wenn Tag und Nacht
sich nicht mehr trennen
in Deutschland
in Europa
in der Welt?

Europa

Bevor bald alles vorbei ist,
versammeln sich die Ameisen
in emsiger Entschlossenheit
auf dem gedeckten Tisch.
Zu Speis und Trank
zu einem schnellen
Henkersmahl

Vorwärts
und dann in Reih
und Glied und schaffe,
schaffe, bis der
Rücken bricht.
Vorwärts und raffen,
was zu raffen ist.

In emsiger
Entschlossenheit
auf dem gedeckten
Tisch versammeln
sich die Ameisen
bevor alles vorbei ist.
Bald

perpetuum mobile

Da war kein Knopf
an meinem Rücken,
auf dem Liebe stand.
Da war nichts,
was du in Gang
setzen konntest
wie ein verdammtes
Perpetuum Mobile,
das sich dreht
und dreht und
krächzend plärrt
ich liebe dich.

Du hast nicht gesucht
nach einem Hebel,
kamst einfach so,
und wir lachten,
und zwischen zwei
Augen Blicken
geschah es
ganz von selbst
wie ein verzaubertes
Perpetuum Mobile
und dreht sich nun
und singt von Liebe

müde

Müde schleicht,
müde erreicht
langsam das Ziel.

Müde gelingt,
müde gewinnt
manchmal das Spiel.

Müde erlebt,
müde verwebt,
Liebe mit Licht.

Müde steht auf,
ändert den Lauf,
wandelt die Welt.

Müde erwacht,
leuchtet und lacht
ins Leben gestellt.

Bunt: für T, Paul Wallfisch, Gina, die Jungs von Reichtum Plakat Erde und den Mann mit dem gelben Hut

Golden leuchtet das Bier
Groß sind die Gläser,
tiefblau der Himmel
so tintenblau.

Sommerblau summen Worte
zwischen dir und mir
und dem Mann mit dem
großen gelben Hut.
Worte wie Junikäfer,
helle Glühwürmchen
Silben in blau.

Golden leuchtet das Bier
Groß sind die Gläser,
tiefblau der Himmel
so tintenblau.

Zigaretten rotglühend
und weißer Rauch,
der zum Himmel steigt.
Lust auf Musik, auf
laute wie leise Töne,
verbindet uns hier
sonnengelbfroh.

Golden leuchtet das Bier
Groß sind die Gläser,
tiefblau der Himmel
so tintenblau.

Weiß funkelnder
Klang der Gitarre,
Erdbraun der Bass,
gelbgrün getupfter,
Schlagzeug-sound
Umarmen ein Keyboard
schwarz, rot und weiß

Golden leuchtet das Bier
Groß sind die Gläser,
tiefblau der Himmel
so tintenblau.

Die violette Stimme,
manchmal rot-orange
und der Farbenrausch
von Rotwein bis Whisky,
aber trunken bin ich
von Wasser, Musik
Freundschaft und dir.
Golden leuchtet das Bier
Groß sind die Gläser,
tiefblau der Himmel
so tintenblau.

Nur ein Konzert
nur Klang und Gefühl
und Lachen und Reden
und tanzen, ja tanzen
alles findet sich
hält sich und löst sich
bunt wie das Leben.

Golden leuchtet das Bier
Groß sind die Gläser,
tiefblau der Himmel
so tintenblau.
© gabriele auth

Lied vom Mann sein (erster Teil) inspiriert durch ein Bild der Künstlerin Carina Hommel

Zier dich nicht Bambi,
was heißt schon Glück?
Sieh mich nicht so an,
komm schon, komm,
komm näher, ein Stück nur
Oh, ja, so ist es gut.
Nun stell dich nicht an.

Sieh mal, ich weiß,
du willst es auch,
seh’s in deinen Augen
so glänzend, so feucht.
Glück ist eine Chimäre.
Komm näher, mein Kind,
glaub mir, es ist leicht.

Leicht wie der Wind,
wie das Lied, das
meine Mutter mir sang,
Schweig und komm näher,
dein Herz pocht so laut.
Ein Stück näher nur, komm,
wirst sehn, es ist schön.

Ich halte dich fest,
so sicher und warm,
Schmerz ist ein Schatten,
nichts als ein Phantom,
wandelbar wie die Hand,
die mein Vater erhob,
damals, als er mich, als ich..

sei still und komm näher
ein Stück nur, nun komm,
Oh, ja, so, so ist es gut,
Ach, und so schnell vorbei
nur ein Hauch wie das Leben
Du weinst ja mein Kind,
sag, war da ein Schrei?

Was ist los mit dir?
Du willst es doch auch.
Glaub mir, es ist schön.
Nun sitz nicht so starr,
stumm die Knie im Arm,
das verdirbt die Lust,
darfst ja gleich gehn.

Lass das Jammern,
will dich lächeln sehn.
Ruhig, es ist gleich vorbei.
Ein Stück nur komm näher.
Oh, ja, so, so ist es gut.
Zier dich nicht Bambi,
komm, was ist schon dabei?
©gabriele auth

Englisches Tagebuch: wild garlic

Wild garlic on the hill.
wild, wild garlic.
All that milky stars
and those tiny blue bells,
blue like the sky at dawn,
waving a sparkling carpet
between the gnarled old trees.
It makes me feel free like
a dreaming beauty, living
in an ancient fairytale.
But my eyes are wide open
And there is no dream at all.
So my heart stands still.
wild, wild garlic,
wild garlic on the hill.

© g.m.auth

Ich bin Shirin

Ich bin Shirin.
Das ist das Einzige, das ich weiß.
Aber vielleicht stimmt auch das nicht.
Vielleicht ist es falsch, wie alles andere.
Wie mein Leben.

Ich bin Shirin.
Sie sagen, sie haben mich
am Strand gefunden, aber
kann man einen Menschen finden
wie ein Stück Strandgut.

Ich bin Shirin.
Alles, woran ich mich erinnere,
ist dieser Name und die Farbe des Bootes,
in dem wir saßen, meine Umi und ich,
zusammen mit dreihundert anderen.

Ich bin Shirin
Das Meer brennt in den Augen.
Es schmeckt wie Tränen.
Umi kommt nicht mehr.
Es gibt nur noch mich.

© gabi m. auth

mein bester Freund

Mein bester Freund
warst du,
einer fürs Kino,
oder für Konzerte,
und zum reden,
ganz besonders
zum reden.

Etwas an dir
ließ mich hören,
zuhören, stundenlang,
ein sehendes Hören,
ich sah dich an
und mochte, wie
dein Reden aussah.

Und dein Lächeln,
leise, und trotzdem
durchmaß es den Raum
wie mit leichten,
federnden Schritten,
Vorbote eines
neuen Gefühls.

Das Erstaunen, als
wir es entdeckten,
das füreinander
neu sein und
dieses Gefühl
in der Brust,
wie Flügelschlag.

Liebe nannten wir es.
Und wir lachten.
In deinen Augen
sah ich meine Frage
gespiegelt, wie
ein flimmerndes
Nichtbegreifen.

Warum gerade du?

Wir sind geblieben,
einfach so,
und das Staunen
blieb mit uns
die ganze Zeit
Liebende und
Beste Freunde.

© gabi m. auth

Apollos Atem

Wie es riecht, so unbeschreiblich,
süßwürzig, luftigfrisch
nach aufbrechender Erde,
nach sprießendem Grün, und
nach Staub in den Sonnenstrahlen.

Winzige Blüten recken
ihre blauen Köpfe ins Licht,
und die Vögel, sie jubeln
und singen und hören nicht auf,
ein Chor der Lust auf Leben

Apollos belebender Atem
streicht liebevoll schelmisch
über jedes Wesen, die großen,
wie die allerkleinsten, und es lacht
und lacht, und alles lacht mit, Frühling.
© gabi m. auth