Masken, oder was passiert, wenn eine Autorin mit einem Songwriter chattet

Meide die fröhlichen Masken
sie schmeicheln dir trügerisch
sie leben von deiner Beachtung
doch geht es nicht um dich

Du für dich, bleibe dir
in deinem Leben treu
du für dich, entdecke dich
immer wieder neu

Sie stehen im Schein der Anderen
drum wollen sie dein Licht
du endest, wenn sie bleiben
es endet ohne dich

Du für dich, halte dich
an deinem Leben fest
du mit dir steh zu dir
pfeif‘ auf diesen Rest.

© Gabriele Auth/Frank Chatoupis

 

art-2174145_1280 (1)Foto by Gellinger on Pixabay

Von Dingen

Ich hab keine Lust von
Dingen zu erzählen,
bei denen mir
die Tränen kämen.

Von dem Mann,
der um sich beisst
aus Einsamkeit,
seine Frau anbrüllt
wenn er betrunken ist
und hinterher

tut es ihm leid.

Ihr habt keine Lust,
davon zu hören,
von diesen Dingen,
die euch verstören.

Von der Frau, die
Flaschen sammelt,
in Containern wühlt,
weil die Rente nie reicht.
Der Mann ist tot
Die Kinder haben

meist keine Zeit.

Ich hab keine Lust von
Dingen zu erzählen,
bei denen mir
die Tränen kämen.

© gabriele auth

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Foto Pixabay

Ausgerechnet Sulke

Ich hatte einen Freund. Ist lange her. Er hielt es für eine Liebesbeziehung, ich war zu jung, um es überhaupt irgendwo einzuordnen. Aber Liebe war es ganz sicher nicht auf meiner Seite. Was es auf jeden Fall war, war erster Sex. Immerhin. Daraus wurde zusammenziehen, Wohnung einrichten, das ganze Beziehungsding. Dazu gehörte auch eine Stereoanlage mit Plattenspieler. Kennt das noch jemand?
Ich hörte Doors, Beatles, Pink Floyd, Bob Dylan und so. Und wenn es mal deutsch wurde, dann waren es Konstantin Wecker, BAP, Ton Steine Scherben und Klaus Hoffmann.
Er hörte Johnny Cash, Emmilou Harries, Abba, und wenn es deutsch wurde, war es Stefan Sulke.  Ich erinnere mich an Ach Lotte, watt machen wa nu? Ach Lotte, wo gehn wa nu hin?
Eine Frage, der ich eines Tages auch gegenüberstand. Nur, dass ich nicht Lotte hieß.
Die Beziehung endete desaströs, was mir Sulke für immer verleidete. Dachte ich. Bis ich vor kurzem  zu einem Konzert ging, weil dort unter anderem auch die tolle Katja Werker auftrat.
Und dann kam da dieser Typ auf die Bühne und sang Lieder von Sulke.
Ausgerechnet.
Er machte das gut. Mit verhaltenem Gefühl, ganz ohne kitschig zu sein. Dabei trug er rote Schuhe. So ein richtiges Wahnsinnsrot. Rudi Gall hieß er. Vorher nie gehört, aber was soll ich sagen, ich war sofort auf seiner Seite.
Heute bekam ich zwei Cds mit seinen Sulke Liedern. Seitdem höre ich die rauf und runter. Endlich hat mal einer Stefan Sulke aus meiner vergeigten Beziehung erlöst.
Jetzt hoffe ich, dass Rudi Gall auch eigene Songs schreibt. Ich würd sie mir anhören.

 

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Gall singt Sulke – Live Impressionen

 

Irgendwie verbaut

Ein Lied, für das mein Mann der Impulsgeber war mit einer Geschichte, die er mir erzählt hat und das er in einer etwas veränderten Version vertont hat. Ich hoffe, ich kann demnächst eine Aufnahme davon posten.

Der Sperrmüll unten auf der Straße
liegt im Regen, durchgewühlt
ich steh am Fenster und ich warte,
dass du mal anrufst. Das wäre schön.

Der alte Typ von Gegenüber steigt in
sein Auto, ich glaub das  ist neu,
ich seh ihm nach und frage mich,
warum kommst du nicht mal vorbei.

Habe dir von meinen Träumen erzählt
In deinen Augen die Sterne geseh’n
Würd’ dich gern fragen, was das mit uns ist,
doch ich weiß es selber nicht genau

Vielleicht geh’ ich heut noch bei dir vorbei
tu’ dann so, als ob es Zufall wär’
als ob dein Haus auf meinem Weg läg’
als ob es nichts Besonderes sei.

Hab mit dir Planeten entdeckt,
geredet, gelacht als ob’s kein Morgen gäb’
möcht dir gern sagen, was du für mich bist
keine Ahnung, ob ich mich das trau.

Hab mir selber nie vertraut
den richtigen Moment nicht erkannt.
jetzt steh ich hier, hör dem Regen zu
das mit uns ist irgendwie verbaut.
steh nutzlos rum ein kaputter Stuhl
ratlos und stumm.
– – –
das mit uns ist irgendwie verbaut.

© gabriele auth

 

 

Talk about Pop Muzik

Im Mai war ich auf einem Konzert der Band Elysian Fields im Café de la Danse in Paris. Das Café de la Danse liegt in der Nähe der Bastille, ca 15 Minuten Fußweg entfernt vom Bataclan, dem Veranstaltungslokal, in dem IS Terroristen am 13. 11. 2015 während eines Konzerts ein Blutbad angerichtet haben.
Ich weiß nicht, wie es Euch gegangen wäre, aber für mich war es ein beklemmendes Gefühl, durch dieses Viertel zu laufen und ausgerechnet dort, zu einem Konzert zu gehen. Die Band Elysian Fields mit der wunderbaren Sängerin Jennifer Charles, ist eine meiner Lieblingsbands, die ich zweimal im kleinen Rahmen in Dortmund und Düsseldorf live erlebt hatte.
Vor dem Einlass standen wir zusammen mit mehreren anderen Konzertbesuchern  eine halbe Stunde in der Passage Louis Philippe vor dem  Café und warteten auf Einlass. Es nieselte auf das Kopfsteinpflaster und in meinen Jackenkragen, obwohl ich ihn hochgestellt hatte. Warmer, feiner Regen.
Die Passage Louis Philippe  ist ein schmale, unspektakuläre Straße, eher ein Gasse.
In dem ganzen Viertel um die Bastille herrscht ein buntes und erfrischendes Treiben von Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten. Sie wogen durch die engen Straßen mit den kleinen Läden, Lokalen und Cafés. Bunte Menschenblüten, die der Frühlingswind bewegt. Das  hat einen ganz speziellen Zauber. Ich spürte, dass ich den nur halb genießen konnte, dass ich manchmal nervös über die Schulter sah und an den Terroranschlag dachte. Ich hasste diese Gedanken und die Beklemmung, die sie in mir auslösten, aber es gelang mir nicht, sie völlig zu vertreiben. Da blieb so ein unangenehmes Kitzeln im Verstand und im Bauch.
Schließlich wurden die Türen geöffnet. Ich ertappte mich dabei, wie ich einen Platz mit kurzem Fluchtweg ansteuerte. Das ist echter Mist, dachte ich, aber es ist halt so. Und was nützt es, sich zu verbiegen.
Das Konzert begann. Es war verzaubernd.
Die warme, sinnliche Stimme und Gestik von Jennifer Charles, die Gitarrenklänge von Oren Bloedow, das Licht, das die grob gemauerte Bühnenwand in einen goldenen Schimmer tauchte, das begeisterte Publikum und der Rotwein, ließen meine Beklemmung fast verschwinden, aber sie lauerte heimtückisch im Hintergrund und starrte mir verbiestert ins Gesicht, wenn einer der Security Typen oben auf der Galerie erschien und sich über die Brüstung beugte.
Bis zu diesem einen, magischen Moment, in dem Jennifer Charles fragte, ob das Publikum bereit sei für ein kleines Experiment.
„Fühlt ihr Euch an einem guten Ort“, fragte sie.
„Fühlt Ihr Euch sicher?“
„Ja!“
„Fühlt ihr Euch so sicher, dass wir das Licht löschen können?“
„Ja!“
Das Licht ging aus.
Der Raum lag komplett im Dunkeln. Musik erklang. Und dann die Stimme von Jennifer. Sie sang „Pop Muzik, talk about pop pop Muzik.“
Ich hörte die Worte und die Musik und ich verstand. Ich glaube jeder verstand es. Es war trotzig, es war tief und es war frei. Wir machen unsere Musik, hieß das, unsere Pop Musik, und die lassen wir uns von niemandem verbieten oder nehmen. Nicht von Fanatikern, nicht von irgendeinem religiösen Wahn und nicht von der eigenen Angst. Man kann versuchen, uns einzuschüchtern, aber wir werden unsere Musik nicht beenden. Wir werden weiter machen und leben so frei wir können.  Mit Musik. Mit Pop Musik.
Das Lied endete.
Die Tränen liefen mir übers Gesicht. Ich fühlte mich frei von Beklemmung und Ängstlichkeit, fühlte mich wie nach einem warmen Bad, gereinigt und entspannt. Es war eine Initiation, ein sehr eigenes Ritual des Einatmens von Musik und des Ausatmens, Ausdehnens in den Raum hinein.
Wir schienen eins in diesem einen Moment. Alle.  Nahmen den Raum ein, füllten ihn wirklich aus mit uns, mit Gegenwärtigkeit und waren glücklich.
Das war so einer dieser magischen Momente, wie sie Musik erschaffen kann, einer der Momente, die der Grund dafür sind, warum Dikatoren solche Musik hassen, warum radikale Islamisten sie verbieten möchten.
Es war die Kraft der Musik, die Theodorakis ins Gefängnis gebracht hat und die die  Militärjunta in Chile dazu veranlasste, dem Sänger Viktor Jara zuerst die Finger zu brechen, dann die Gitarre zu zerstören und ihn schließlich zu ermorden.
Und trotz all der Gewalt lebte der Geist seiner Musik.
Ich bin Jennifer Charles dankbar für ihre Sensibilität, ihre Intuition und diesen Moment.
Und hier ist das Video, das T. dort gedreht hat. Es ist nicht das beste Material. Ich weiß  nicht, ob für andere spürbar wird, wie es war, aber in mir löst es unmittelbar wieder dieses Gefühl aus.
Ja, wir können frei sein, wenn wir uns dafür entscheiden.

to love wild

I followed you to the cave
of broken dreams last night,
found you leaning at the wall,
your smile seems grief to hide,
no light at all,
but your eyes were bright

you said
god’s voice roars as thunder.
I said
but he laughs like a child.
we threw
away the plunder,
and decided to love wild

You followed me to the hill
of unborn dreams today,
you gently took my hand
I know you came to stay.
we will attempt
to find the clearest way.

you said
god’s voice roars as thunder,
I said
but he laughs like a child
we threw
away the plunder,
and decided to love wild
©gabi m. auth