Masken, oder was passiert, wenn eine Autorin mit einem Songwriter chattet

Meide die fröhlichen Masken
sie schmeicheln dir trügerisch
sie leben von deiner Beachtung
doch geht es nicht um dich

Du für dich, bleibe dir
in deinem Leben treu
du für dich, entdecke dich
immer wieder neu

Sie stehen im Schein der Anderen
drum wollen sie dein Licht
du endest, wenn sie bleiben
es endet ohne dich

Du für dich, halte dich
an deinem Leben fest
du mit dir steh zu dir
pfeif‘ auf diesen Rest.

© Gabriele Auth/Frank Chatoupis

 

art-2174145_1280 (1)Foto by Gellinger on Pixabay

Von Dingen

Ich hab keine Lust von
Dingen zu erzählen,
bei denen mir
die Tränen kämen.

Von dem Mann,
der um sich beisst
aus Einsamkeit,
seine Frau anbrüllt
wenn er betrunken ist
und hinterher

tut es ihm leid.

Ihr habt keine Lust,
davon zu hören,
von diesen Dingen,
die euch verstören.

Von der Frau, die
Flaschen sammelt,
in Containern wühlt,
weil die Rente nie reicht.
Der Mann ist tot
Die Kinder haben

meist keine Zeit.

Ich hab keine Lust von
Dingen zu erzählen,
bei denen mir
die Tränen kämen.

© gabriele auth

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Foto Pixabay

Juli – Schnipsel aus dem zweiten Teil

Es war früher Morgen. Wolken zogen über den grauen Himmel. Schnell trieb der Wind sie vor sich her. An einer Stelle brach die Sonne durch das Grau. Wie in einer Laterna Magica sah das aus. Der Deutsche Wetterdienst hatte Orkanböen vorhergesagt.
Schön.
Das passte perfekt zu meiner Stimmung. Die zaghafte, noch schüchterne Ruhe des „Alles ist gut“ die immer wieder aufgewirbelt wurde vom Wind des Zweifels. Durchzogen von Wolken der Traurigkeit.
Von Regenschauern aufgepeitscht bis sie am Boden lag in einer schlammigen Verzweiflungspfütze.
Wie kann es, so wie es ist, denn gut sein?
Wie kann das Traurige gut sein, wenn ich es nicht ändern kann?
Die Spannung zwischen ändern wollen und annehmen müssen, zwischen Handeln und Nichthandeln.
Gedanken rasten wie Wolken, flogen durch Gehirnwindungen, prallten aufeinander, verkeilten sich zu Fragen ohne Antworten, wollten nach Außen drängen.
Wohin?
In Worte?
Der Orkan schwoll an. Gedanken fegten in Fetzen über den inneren Himmel, verknoteten sich mit Gefühlen, trieben wieder auseinander, verändert und doch gleich geblieben in ihrer Dunkelheit.
Annehmen streckte seine Fühler aus, Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke leuchteten.
Unerbittlich zart raunte es:
Nimm es wie es ist, du kannst es nicht ändern.
Aber ich will.
Du kannst nicht.
Warum?
Keine Antwort.
WA RUM?
Weil es so ist.
ABER ICH WILL ES ÄNDERN!
Du kannst nicht.
Aber es tut weh.
Weil du dich wehrst.
Aber das muss ich doch. Ich kann doch nicht…
Du musst
NEIN
Nimm es an.
Vielleicht versuche ich es.
Du musst.
Aber…
Jeder muss sein Leben selber leben. Auch die, die dir lieb sind.
Aber…
Besonders die, die dir lieb sind.

Kein Aber?
Okay, Ich versuch’s

-Stille-

Die Sonne gewinnt immer, weil das Licht schneller ist als der Wind.

© gabriele auth

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Foto/Pixabay

Abgesang auf Weihnachten

Überall Weihnachtslichter.
Rundherum „Oh Tannenbaum“.
Engel mit leuchtenden Gesichtern.
Komm, lass uns hier abhauen.
Lass uns in die Tiefe tauchen,
zwischen Lichterketten
Glühwein und Lamettaglanz
die Wahrheit finden, das,
wonach sich alle sehnen,
das ungehörte Echo eines
fast vergessenen Gesangs.
Nicht die goldene Uhr,
das I-Phone, die Playstation,
oder ein kostbares Parfum,
nicht große Worte von
Frieden, Freiheit, Einigkeit,
stillen den Hunger,
der auch nach dem Fest noch
unvermindert drängt,
die Sehnsucht nach
den kleinen Dingen, nach
Berührung unserer Hände,
Blicken, die sich finden.
Gesichter aufmerksam
einander zugewandt.
Geteiltes Lachen, Achtung
vor dem Anderen, der fremd
und  unbegreiflich scheint.
Komm, lass uns hier abhauen
und Tiefseetaucher werden
in unser Wesen weit hinein,
wo wir den Ursprung finden,
das Nichts, wo alles still,
neu, unversehrt und
Liebe wieder möglich ist.
© gabriele auth

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Foto: Pixabay

 

Weihnachten

Am Fenster sitzen und den Schneeflocken zuschauen, wie sie in einem wirbelnden Tanz zur Erde schweben.
Lautlos stupsen sie an die Fensterscheibe, rutschen langsam herunter. Draußen ist alles ist mit einer puderigen Schneedecke überzogen, die Bäume, die Wiesen und das Dach des Gartenhäuschens.

Schnee ist so irdisch wie jede andere Naturerscheinung. Und doch hat er etwas Unirdisches, Magisches in seiner Lautlosigkeit. Er verwischt Wege und Straßen, dämpft alle Klänge, lässt die vertraute Welt neu und unberührt aussehen.
Wenn man Schnee unter einem Mikroskop betrachtet, zeigt jede einzelne Schneeflocke die Form eines feinen Kristalls.

Keine ist wie die andere. Sie sind wie winzige, gefrorene Sterne.

Es ist Dezember. Menschen sehnen sich nach Licht in dieser dunkelsten Zeit des Jahres, in der in manchen Teilen der Welt die Sonne selten am Himmel zu sehen ist. Das Erdreich scheint zu schlafen und zu träumen. Es wirkt beinahe, als würde es den Atem anhalten. Vor einigen Tagen war Wintersonnenwende. Der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres. Von da an wurde es jeden Tag unmerklich etwas früher hell und ein bisschen später dunkel. Das Weihnachtsfest rückte mit jeder Morgendämmerung näher.

Weihnachten ist immer.

Was für ein seltsamer Gedanke so mitten in der Nacht.
Wie kann denn Weihnachten immer sein?

Die schneebedeckten Bäume und Sträucher wirken in ihrem Schweigen, als würden sie warten, als würde die ganze Erde auf etwas warten.
Aber worauf?
In vielen Kulturen wurde die Geburt des Lichtes lange vor dem Christentum schon gefeiert.
Was also ist vor zweitausend Jahren anders gewesen?

Durch das Fenster kommt ein feiner, weicher Schimmer in den Raum.
Langsam zur Haustür tasten, hinaus in den Vorgarten.
Vom Himmel rieseln  Millionen Schneeflocken zu Boden. Wenn man den Mund öffnet, schweben die zarten Flocken auf die Zunge. Weich und kühl landen sie und verwandeln sich in kleine, kalte Wassertropfen. Sie schmecken anders, als Wasser normalerweise schmeckt. Schnee hat einen eigenen Geschmack, fast nach nichts, und doch nach etwas, das es sonst nicht gibt, fein und ungewöhnlich.

Häuser und Straßen liegen im Dunkeln. Man erkennt nur die weißen Hauben der Dächer. Den Rest verschluckt die Nacht.
Der Schnee, der über allem liegt, glitzert, als hätte er das Sternenlicht eingefangen, als ob jede Flocke ein winzig kleines Licht enthielte.

Stille.

In der Lautlosigkeit  wächst ein eigenartiges Gefühl, eine Art Ziehen, so, als wollte das Herz fort mit dem ganzen Menschen, als hätte es Heimweh nach etwas Unbekanntem, nach etwas, was fehlt.

Das Gefühl wird stärker, schwillt an, bis es überall im Körper zu spüren ist.

Es will im Inneren singen. Weinen. Lachen. Alles auf einmal.

Es will heraus strömen und sich überall verteilen, bis hinauf zu den Sternen.

Es macht klein und gleichzeitig groß, traurig und gleichzeitig glücklich.

So kann man eine ganze Weile vor der Tür stehen, in den Schneeflockenwirbel sehen und schließlich schneebedeckt, mit kalten Wangen zurück ins Haus gehen.
Da sind noch keine Worte, für dieses eigenartige Gefühl dort draußen.

Was war es, das fehlte, in diesem Moment vor der Tür?
Welche Sehnsucht?

Leise schleicht sich die Erinnerung an die längste und dunkelste Nacht des Jahres in die Gedanken, an die Wintersonnenwende und daran, dass Menschen sich so sehr nach einem Licht sehnen, das sie in der Tiefe des Herzens berühren kann.

Damals, vor zweitausend Jahren, muss so ein Licht im Wesen der Dinge sichtbar oder erlebbar geworden sein. Besonders im Inneren der Menschen.
Eine Art Urknall.

Gedanken wirbeln jetzt durcheinander wie Schneeflocken.
So, wie die Natur auf das Licht wartet, so warten die Menschen auf die Geburt des Lichtes in sich selber, und so, wie es in der Natur wiedergeboren wird, kann es auch in ihnen geboren werden, ein leuchtender Stern.

Wieso wiedergeboren?

Wenn es wiedergeboren werden kann, dann muss es ja vorher schon einmal da gewesen sein. Es geht vielleicht nicht nur um dieses eine Mal vor zweitausend Jahren. Aber mit diesem einen Mal hat etwas angefangen, etwas, das vielleicht nicht aufhören wird, ob man es feiert oder nicht.

Ein kleiner Same aus Licht, der in der Winternacht des Herzens Kraft sammelt und wächst.

Könnte dies das Geheimnis von Weihnachten sein?
Jenseits aller religiösen Lehren, Regeln und Dogmen. In Freiheit. Unberührt von menschlicher Kontrolle?
Dass es immer wieder geschehen kann, in jeder Minute?
Immer wieder jetzt?
Könnte Weihnachten immer sein?

© gabriele auth

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Foto: cocoparisienne at Pixabay

Vorfreude

Heute ist der erste Advent. Viele Menschen freuen sich schon auf Weihnachten, auf Liebe, Freunde, gutes Essen, Geschenke, viele Lichter und vielleicht sogar Schnee in einer dunklen Zeit.
Klar, ich freue mich auch darauf. Aber, wenn ich den ganzen Konsum und Kaufrausch mal wegstreiche, kann ich doch das ganze Jahre versuchen, Liebe, Freundschaft, Licht und gutes Essen zu genießen.  Ich kann liebevoll mit Anderen und mit mir selber sein. Und Geschenke?
Die müssen nicht aus dem Kaufhaus, vom Weihnachtsmarkt oder von Amazon kommen.  Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber was meine Augen nachhaltiger zum Leuchten bringen kann als eine goldene Kette, ist zum Beispiel ein schöner Abend mit guten Freunden. Das ist ein Geschenk für jeden Tag im Jahr, natürlich auch für Weihnachten. Oder ein Tag am Meer, die Umarmung eines geliebten Menschen, das Schnurren einer Katze, Sonnenlicht hinter Baumkronen,  ganz mit sich im Reinen ein gutes Buch zu lesen, Musik  hören …
Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Nur den Schnee, den kann es nicht jeden Tag geben.
Was das mit dem Sinn von Weihnachten zu tun hat?
Ich weiß es nicht, aber ich denke, wenn jeder Tag ein Geschenk ist, immer wieder jetzt und jetzt, dann kann Weihnachten immer sein. Und mal so aus religiöser Sicht, das Kind in der Krippe ist ja nicht nur  am 24. Dezember da. Oder?
Bei mir ist es aktuell so, dass ich mich nicht nur auf Weihnachten, sondern auch schon auf ein paar andere Tage freue, etwas weiter voraus.
Ich freue mich auf  den nächsten  März.
Warum?
Vom 21.März bis zum 24. März gibt es die Leipziger Buchmesse, „Leipzig liest“. Und ich möchte wieder dabei sein.
Also in diesem Sinne, eine tolle Adventszeit, (Weihnachts)Glück das ganze Jahr und vielleicht sehen wir uns in Leipzig. Wenn nicht, lesen wir uns hier. Natürlich nicht erst im März.

Status Quo

Goldener Oktober verglüht
unentschlossen am Horizont.
Nebelverhangen streunt
November über Dächer,
nimmt dem Tag die Farben.
Nur zwischen Wolkenfetzen
blitzt noch kühnes Himmelblau.
Das Echo eines Jugendlachens
schwebt trotzig um die Köpfe,
ehe Winterluft  spröde
über das Leben streicht.

© gabriele auth

Möglichkeiten

Über den Klimawandel wollte ich schreiben, vom Anblick verdorrender Bäume, brennender Wälder und braungelber Wiesen. Von der weiß glühenden Nachmittagssonne, die Träume von Regen weckt und Sehnsucht nach kühlen Wassertropfen auf heißem Asphalt.

Von Baumhäusern und vom Sterben im umkämpften Forst.
Oder von Düsterland, von der Grimasse des Faschismus, von dem verbotenen Gruß und dem Geruch nach viel zu vielen Toden.

Von Menschen, die sich unsichtbar fühlen, ungesehen, die, verstört vom Wandel ihres Lebensraumes, dem Zischeln brauner Schlangen lauschen und den alten Parolen glauben. Jene, die Schuld beim Fremden suchen, der nicht in ihrer Mitte wurzelt.

Blut und Boden
Blut und
Blut

Schreiben über die Anderen.
Die, die ihre Heimat verlassen, mit einem Rucksack und einem Smartphone voller Fotos von vertrauten Räumen und Gesichtern.
Eine zerbrechliche Schnur zwischen Herz und Heimat.
Bewahrer der Vergangenheit und Navigator in die Zukunft.

So groß die Verlorenheit, wenn die Schnur zerreißt.
Heimat.
Nicht nur Ort,
auch Erinnerung an gelebtes Leben,
auch Glaube an eine bessere Gegenwart.

Marode Boote. Der Todesbiss des Meeres.
Das Salz der Tränen, das sich mit dem Salz des Ozeans vereint.
Träume vom Ankommen.
Vom Erreichen des sicheren Ufers.
Sicher?

Wollte erzählen von den Bildern.
Immer wieder Bilder.
Eine Bilderflut, die den Atem raubt.
Zeitung. TV. Internet.
Bilder
Bilder
Bilder
Menschengesichter. Verzweiflung. Sorge. Angst.

Sekundenlang flackert Hoffnung im Klang eines Kinderlachens über schlammigem Grund.

Ach, warum nicht erzählen von einem Mann, der am Fenster steht?
Im Haus gegenüber auf dem Balkon sitzt eine Frau, ein Buch in der Hand, liest und lächelt dabei.
Ihr rotes Kleid leuchtet im Licht.
Ihre Haut ist dunkel, die Augen schokoladenbraun.
Vielleicht schaut sie auf,
Vielleicht sieht sie den Mann.
Vielleicht sehen sie sich an.

Eine Brücke aus Blicken.
Behutsam.
Eine Welt im Entstehen.
Die Möglichkeit von Liebe.

© gabriele auth

 

 

 

Die alte Uhr

Wenn sich Wasser sammelt in den Schlaglöchern des Lebens,
wenn der Wind der Langeweile um ungelebte Träume streicht,
die Wölfe des Scheiterns die unerfüllte Zukunft wittern,
öffne ich meine Fenster weit, seh‘ unter mir den Sumpf der
Mittelmäßigkeit. Die gelben Schwaden aufgestauter Wut.
Ich achte auf die Zeichen,
hol‘ die fast vergess’ne Uhr aus dem Versteck,
breite die Arme aus
falle
fliege.

Frauen

Jede Frau, ob jung
oder alt, will ihre
eigene Schönheit feiern.
Auf ihre eigene Art.
Jeden Tag im Jahr.
Bewusst oder unbewusst.
Mit sich selbst.
Mit Männern.
Mit anderen Frauen.
Geschminkt.
Ungeschminkt.
Im Minirock.
In Jogginghosen.
Im Schlabberpulli.
Mit Dekolleté.
Laut oder leise.
Mit Champagner
oder Apfelschorle.
Tanzend.
Singend.
Lachend.
Weinend.
Nachdenklich.
Überschäumend vor Gefühl.
Ganz gleich wie,
wesentlich ist nur,
sie weiß,
ihre Schönheit
liegt in ihrer
Einzigartigkeit.
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Foto/Pixabay