Der letzte Demiurg

Radikal –
der Lauf der Zeit.
Bist du bereit?
Weggeknallt und abgestellt
lauscht du dem Schrei
der Krähen,
die ohne Scham und gierig
sich um das fahle Fleisch
der Toten scharen.
In der Mitte des Orkans
ist Stille.
Zeit nichts als der Wahn
des letzten Demiurgen.
Vergiss und staune.

Das lyrische Ich

Es tänzelt und biegt sich, lacht dir breit ins Gesicht, scheint nah, real und sehr greifbar. Willst du es fassen, entwindet es sich, verbirgt sich in fliehenden Versen, schleicht hinter Wänden aus prosaischer Lust, unsichtbar gegen den Rhythmus. Verknotet den Duktus, verspottet den Jambus und zeigt frech die Zunge dem Daktylus. Ach, selten bleibt es  sich treu,  es gleitet stets wandelbar von Hass zu Liebe durch gleich Gültigkeit, paraphrasiert und projiziert, haucht Gefühle wie Seifenblasen in den luftleeren Raum und verteilt Sonnen am Vollmondhimmel. Es leidet und liebt. Es seufzt und lacht. Bis du denkst es wäre du, und es macht sich davon wie ein Dieb in der Nacht als wär’s weder ich, noch wär es je du, als wäre es nie gewesen.

müde

Müde schleicht,
müde erreicht
langsam das Ziel.

Müde gelingt,
müde gewinnt
manchmal das Spiel.

Müde erlebt,
müde verwebt,
Liebe mit Licht.

Müde steht auf,
ändert den Lauf,
wandelt die Welt.

Müde erwacht,
leuchtet und lacht
ins Leben gestellt.

Für den Koraspieler und für Frank und Gina

Vor dem Sirtaki konnte ich
tanzen, ehrlich. Mit Worten.
Rundherum schwirrten sie
in meinem Kopf, bis
ich mein Tuch verlor.
Zu Boden fiel es,
verschämt ihr zu Füßen.

So stolz war sie
mit Augen, schwarz
wie Feuer ohne Glut.
Sie nahm das Tuch
und gab es mir, und
es schwiegen die Worte,
erstarrt im Moment.

Mein Kopf, eine Blume,
erblüht am fremden Strauch.
Vor dem Sirtaki wusste ich
nichts von Delfinen.
Dann verstummte die Musik
und die große Schweigerin
fegte die Worte aus meinem Kopf.

Sie tauchte sie in den Strom.
Odysseus war ich
und Jason, und  weit
entfernt am Horizont
versank Kreta im Dunst,
Echo der Vergangenheit,
eine unbeweinte Insel.
© gabi m. auth

Raum

Leere schafft Raum
für Musik, für Klang,
für Strömen von Licht,
Partikel des Glücks.

Entfesselter Raum,
träumendes Sein,
die Wahrheit ist Jetzt,
nie einsam, nur allein.

Atmender Raum,
entschlüsseln des Ich,
versiegeln der Angst,
ganz ich für mich.

Klingender Raum,
verhallender Ton, ganz
gebunden und frei,
das Leben ein Tanz
© gabi m. auth