Erevós

Wiege Europas
Du
Schöne, Leuchtende
Blutige Tränen im Meer
Jahrtausende alte Kultur
geopfert auf den Altären
der verhärteten Herzen.
Deine Götter schweigen
Unheilvolle, Verratene
Du
Totenbett Europas

(c) Gabriele Auth
pasture-fence-1995820_1280 Foto/Pixel2013 on Pixabay

 

 

Thad the real

Wer kann sich noch an die Ideale und Idole erinnern, die er mit vierzehn hatte?

Wenn ich es versuche, bewege ich mich in einem seltsam blassbunten Nebel aus Situationen und Gesichtern.  Ich weiß nicht, ob ich Ideale hatte. Meine Idole stammten damals jedenfalls überwiegend aus Büchern,
Fünf Freunde, Pippi Langstrumpf, Huckleberry Finn. Am nächsten war mir Huck Finn, nur dass es ihm schlechter ging als mir. Viel schlechter.
Meine eigene Familie war, ich sag mal, suboptimal.
Huck’s Familie existierte nicht. Da war Niemand.
Er kam damit klar. Irgendwie. Allein das sicherte ihm meine maximale Bewunderung und mir selber später -möglicherweise- jene Reihe liebloser Beziehungen mit Männern, die wie Huck, alle irgendwie damit klar kommen mussten, dass ihnen im Leben etwas Wesentliches fehlte.
Ich war leider nie das fehlende Element.
Welche Idole haben Vierzehnjährige von heute?
Fußballspieler? Popstars? Rapper oder vielleicht Helden aus Computerspielen?
Ich kenne nur einen Vierzehnjährigen, einen Jungen aus der Nachbarschaft.
Thaddeus.
Thad the real, so nennt er sich selber. Wer will mit vierzehn schon Thaddeus heißen? Und ja, auch er ist Einer, der irgendwie klar kommen muss.
Seinen Vater sieht er selten. Manchmal verspricht der ihm, er würde ihn abholen, aber dann kommt er doch nicht. Eigentlich öfter als manchmal.
Als er klein war, liebte er den Baba sehr, bedingungslos gewissermaßen. Jetzt ist er schon groß und hat gelernt, es ist manchmal besser, nicht so sehr zu lieben. Papa gibt ihm Geld, kauft ihm stylische Klamotten und sogar die neuste Playstation. Das findet Thad super. Irgendwie.
Ein paar Mal sind sie zusammen in den Urlaub gefahren, nach Kroatien oder in die Türkei, Papa und er und Papas neue Freundin.  Thad findet sie ganz okay.
Trotzdem hat er auf so einen Urlaub keine Lust mehr. Er bleibt in den Sommerferien inzwischen lieber Zuhause. Sechs Wochen Zeit für Playstation mit den Kumpels, den Bros, wie er sie nennt, im Gruppen-Chat bei Fortnite, sind schwer zu toppen. Klar, seinen Papa findet er zwar „nice“, aber hey, der ist kein Vorbild für ihn.
„Ich will Youtuber, werden“, sagt Thad the real , „ Ein Streamer oder ein krasser Influencer. Whalla!“ Seine braunen Augen leuchten.
„So wie Rezo, der Typ mit den blauen Haaren, der in seinem YouTube Video, Die Zerstörung der CDU,  so richtig Klartext gesprochen hat?“ frage ich.
Er lacht.  „Rezo,  auf jeden Fall ein Ehrenmann.“, sagt er,  „aber, ich weiß nicht, ich will andere Sachen machen.“
Thad’s liebstes Idol ist zur Zeit ein deutscher Rapper mit türkischen Wurzeln, einer, der wahrscheinlich auch sein Leben lang mit irgendetwas klar kommen musste. Ein großes Banner von dessen Crew, den Bela Boyz, hängt an der Wand über Thad  the real’s  Bett. Wenn man vierzehn ist, können solche Banner mächtige Schutzzauber sein, vielleicht mächtiger, als die Traumfänger, die Mütter ihren kleinen Kindern über die Bettchen hängen.

Was wäre, wenn wir weder Idole, noch Ideale bräuchten? Wenn wir nur eine Idee davon brauchen, wer wir sind und wer wir werden können?
Die beste Version unserer selbst.
Influencer für das eigene Leben?
Thad the real hätte das Zeug dazu.
Er ist nicht der Einzige. Zum Glück. Doch sie müssen es wollen, diese Kids in den Whats App und Fortnite Gruppenchats, bei Snapchat, auf Instagram und vor den TV Bildschirmen.
In einer Welt, die ihnen kaum Vorbilder bietet, wo Mütter intensiv auf ihren Smartphones daddeln und Väter verschwunden scheinen, selbst wenn sie manchmal anwesend sind. Wo Erwachsene darüber reden, was richtig ist und es dann oft selber nicht tun.
Was Thaddeus wohl von Greta Thunberg hält? Ich denke, ich sollte ihn  ab und zu zum plaudern auf eine Cola einladen, oder besser ein Malzbier. Thad the real  liebt Malzbier, da ist er nicht anders, als ich mit vierzehn war.
Tut gut geht anscheinend immer.
Verrückt.

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Foto/ Pexels on Pixabay

Heilsarmeekapellenmädchen (vielleicht ein Liebeslied)

Heilsarmeekapellenmädchen
ohne Schuhe am Strand
Möwen schreien über ihr.
Wolken ziehen ihre Bahn,
sehn Heilsarmeekapellen –
Mädchen  gar nicht an.

Hilfsmatrose mit rotem Schal,
den Kopf voll Unsinn
kommt durch den Sand.
Sein Blick folgt den Wolken
übers Meer, er träumt von
Timbuktu und Samarkand.

Und der Wind ruft Marie
Der Wind schweigt nie.

Sie dreht sich um
es berührt ihn ihr Blick
holt ihn aus der Ferne zurück.
Zögernd hebt sie die Hand
stumm sieht er sie an
sein Schal weht im Wind,

Und der Wind ruft Marie
Der Wind schweigt nie.

Wo Meer und Möwen
ein roter Schal und Blicke
sich begegnen im Wind
Hände sprechen, Lippen sehn’
zwei paar Füße
im Tanz sich drehen.

Und der Wind ruft Marie
Nur der Wind schweigt nie

(c) Text: Gabriele Auth – Musik: Thomas Auth
inspiriert von Tom Waits und Jimmi Hendrix

 

 

Nur ein Märchen

Königin im dunklen Schloss
spricht mit tausend Katzen
weiß nicht mehr, wer sie ist.

Hüterin der Schlüssel dreht
das Glücksrad jeden Tag
fragt niemals nach dem Sinn.

Wer sieht, was er nicht
sehen darf, den holt
der Reißwolf bei Nacht,
heult ein Blutlied aus Stahl.

Kleines Mädchen Namenlos
trägt den Schlüssel aus Glas
verborgen im hellen Kleid.

Vasallen erstarrt beim Tanz
im Thronsaal ohne Licht
kichern tonlos und dumm.

Tag des Erinnerns
der Spuk vorbei
sie öffnen die Augen
sind endlich frei.

Katzenkind im Silberturm
kennt das geheime Wort
schweigt hundert Jahre lang.

Fahrstuhlführer ohne Ziel sucht
auf und ab den siebten Stock
im Dornbusch rostet sein Schwert.

Tag des Erinnerns
Licht flutet den Raum
Herzen erblühen
vergessen den Traum.

(c) Gabriele Auth

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Bild on Pixabay

Mut

lass uns zusammen
traurig sein
Melancholie durch
unsere Adern ziehen
und Wahrheit

lass das Lachen
uns verbannen
das brüllt wir
wären stark und
unbeschwert

stark ist der Mut
zur Traurigkeit
in einer Welt
voll Pixelglanz
und Einhornstaub

lass uns zusammen
traurig sein
Wahrhaftigkeit aus
unseren Körpern
leuchten

(c) Gabriele Auth
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Foto/Pixabay

Schöpfung

Einer gibt mehr
als ein Scherflein
Einer wirft immer
den ersten Stein
Einer gibt den
Verräterkuss
Und
Einer hält nie durch
bis zum Schluss.

Der Mörder ist manchmal
dem Himmel  nah
Der Gerechte gefangen
in Selbstgerechtigkeit
Mensch dem Menschen
ein Unmensch oft
Doch
erschaffen für Liebe,
Freundschaft, Wahrhaftigkeit.

(c) Gabriele Auth

 

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Foto/Pixabay