Radikal –
der Lauf der Zeit.
Bist du bereit?
Weggeknallt und abgestellt
lauscht du dem Schrei
der Krähen,
die ohne Scham und gierig
sich um das fahle Fleisch
der Toten scharen.
In der Mitte des Orkans
ist Stille.
Zeit nichts als der Wahn
des letzten Demiurgen.
Vergiss und staune.
Momente
Angst vorm Fliegen
Lasse das Messer in der Tasche.
Obwohl,
es könnte mich beschützen,
wenn ich ohne Halt
in mir verloren steh.
Okay,
trag es nun ungeöffnet in der Hand.
Vielleicht kann es mich stärken,
wo ich mich hilflos in den
Fesseln meines Lebens seh’.
Ja,
ich öffne es und halte es wie
Schild und Schwert zugleich.
Blassgrauer Stahl
schluckt alles Licht.
Ich stehe, atme,
warte auf ein Signal,
das mir Beruhigung schenkt.
Endlich sinkt der Arm,
schließt sich das Messer
und der Kreis.
Unbeschwert lass ich
das unbrauchbare
zu Boden trudeln,
gehe meinen Weg
unbeeindruckt von
Unwägbarkeit.
© Gabriele Auth
furchtlos
Ernüchterung, die kranke Blässe nach dem Tag der Pauken und Trompeten.
Das klirrend klare Drehmoment des Denkens, wenn schwer und lahm das Herz sich in der Mäßigkeit verliert. Ernüchterung, wenn alle Türen fast geschlossen und nur die eine weit geöffnet steht, die giftig leuchtend in die Steppe führt. Wo Hände ziellos in den Niemandshimmel greifen und Blicke mutverloren stolpern über dürres Gras. In einem Atemzug vergeht die Welt und am Horizont verhallt der Jubel der Chimären. Furchtlos schleicht ein Sonnenstrahl ins Grau.
Nicht Supergirl oder Das Ende der Verfügbarkeit
Immer wieder raten, was Einer will. Es aus Augen lesen bevor es ausgesprochen ist. Die verdammte Verantwortung spüren für Alles und Jeden. Für jeden Klecks an der Wand, jede Träne und jedes mürrische Zischen im Umkreis von tausend Kilometern. Wer wird sich verantwortlich fühlen, wer das Fenster schließen, wenn der Sturm mich an die Wand drückt, wenn Furcht mein Rückrat fast verdreht? Ist da wer? Im Sturm? Ausser mir? Ich knalle das Fenster selber zu. Stemme mich mit aller Kraft dagegen, begegne dem Tosen. Ich für mich. Verantwortlich. Das Ende der Verfügbarkeit. Everybodies darling is not everybodies friend. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, werde ich da sein, wenn deine Welt aus Mauern besteht, eine offene Tür sein zwischen Wänden aus Stahl, zu dem Raum, in dem du dich selber triffst. Da sein. Mehr nicht. Berührbar, nicht verfügbar.
Zeugung
Dunkelheit. Stufenloses Blau. Sanft. Warm. Zärtlich. Wasserweich. Feuergleich. Tanzendes Licht. Eine Stimme. Liebevoll lockend. Ruft dich auf, einzutauchen. Geschlossene Augen. Singender Geist. Traum. Leben, das war. Leben, das kommt. Die Aufgabe. Vorbei. Zieht vorbei. Nirgends hinzugehen. Sein.
Was wirst du tun? Sterngeborener.
Sterngeborener. Wer rief ?
Verblassen des Traumes. Fort. Fort. Augen öffnen sich. Sternenstaub flieht von den Lidern. Pures Leben. Die Stimme ruft, sanft ziehend. Eine Spirale, magisch, unwiderruflich, hinein, hinunter, in großen Kreisen, kleiner werdend. Spiralenfall. Einsenken aus unendlichem Blau in endliches rotbraunes Dämmern, Wasser statt Luft. Fließen statt sein.
Wandel
Mit der Zeit kommt Einsamkeit.
Etwas zerbricht.
Mit der Zeit kommt Traurigkeit.
Lachen fällt aus dem Gesicht.
Das Reden leerer Klang
vom Geben und Nehmen,
vom Halten und Lassen,
ein falscher Gesang.
Mit der Zeit verstehst du
wer du bist.
Mit der Zeit nimmst du
alles wie es ist
bist dein eigener Freund,
bist Lachen und Lieben,
Sehen und Verstehen
dem Leben vereint.
Mit der Einheit die Leichtigkeit.
Das Herz versteht.
Mit der Einheit die Freundlichkeit.
In dir klingt ein Lied.
Jedes Wort ein großer Gesang
vom Geben und Nehmen
vom Halten und Lassen
ein Seelenklang.
Zeit für Prinzen
Der, auf den sie lange schon wartet. Der, der mit ihr in den Sonnenaufgang reiten soll. Jetzt, wo er vor ihr steht, ist da eine seltsame Wundheit in ihrer Seele und ihr Herz hüpft eine Million Mal. So als hätte es Schluckauf. Bis es weh tut. Aber, selbst wenn sie die Luft anhält, hört es nicht auf. Er fordert sie zum Tanz. Sie lächelt wie betrunken. Wenn das Herz so ungestüm hüpft, setzt die Wahrnehmung aus. Der Traum fängt an. Sie tanzen. Und tanzen. Sie dreht sich, bis ihre Füße wund sind. Sie tanzt, bis ihre Beine schmerzen. Sie muss weiter tanzen. Immer weiter. Wie in dem Märchen mit den roten Schuhen. Ihr Prinz schleift sie im Kreis und rund und herum. Sein Lachen klingt wie Rasierklingen. Sein Blick hat jede Sanftheit verloren. Bis sie am Boden liegt. Wie tot. Das Herz so müde, schwer wie rostiges Eisen. Sag, wo ist jetzt der Zauber? Ihr Prinz flieht in den Sonnenuntergang. Die Nacht zieht herauf. Und beim nächsten Prinzen wird gar nichts besser. Der, auf den sie wirklich wartet, kommt nicht auf einem weißen Pferd. Vielleicht kommt er mit dem Bus, mit dem Rad oder zu Fuß. Seine Krone verstaubt in irgendeiner Ecke seiner Zweizimmerwohnung. Wenn er vor ihr steht, hüpft ihr Herz nicht. Es dehnt sich aus. Sie sehen sich an. Ruhig. Die Wundheit der Seele löst sich . Sie nehmen sich bei der Hand. Ihr Herz lehnt sich an seines. Der erste Schritt. Und noch einer. Am Nachthimmel blühen Sterne. Sie gehen, teilen sich miteinander, ihr Licht, ihre Dunkelheit. Es ist der Moment. Sie weiß es und sie pfeift auf den Sonnenaufgang.
Der Staub der Zeit
Die unerfüllte Liebe altert nicht. Die Last der Jahre zwingt sie niemals in die Knie. Sie leuchtet umso schöner, je länger sie vergangen ist. Und der Staub der Zeit glänzt im Rückblick wie Sternenstaub aus einer anderen Welt.
Nostalgie hat einen weichen Klang.
Dann plötzlich steht ihr voreinander. Und eure Stimmen sprechen nicht die lang gehegten Worte. Der Schimmer der Erinnerung verblasst im Licht der Wirklichkeit. Nichts gibt es, was ihr euch zu sagen hättet, ausser:
„Weisst Du noch?“ und „Ist lange her“.
Im Leben verorten
Dieser schrille Ton, der das Gehirn fast zersprengt. Aufwachen, den Kopf drehen, die Geräuschquelle suchen. Neben mir auf dem Tisch, ein schwarzes Ding. Den Schalter drücken. – Stille – Die Hirnhaut kommt zur Ruhe, eine sanft ausschwingende Membran. Ich fühle mich wie ein verstimmtes Klavier in der Wüste. Sperrig, nutzlos, fehl am Platz. Zögernd steige ich aus dem Bett. Die nackten Füße berühren den Boden. Holz auf Holz, denke ich. Vor dem Fenster schreien Krähen ein misstönendes Lied in den grauen Himmel. Ein Montagmorgen im Februar. Verorten im Leben.
Im Lächeln einer Katze
Leben pur und ohne Limit, im Maßstab Eins zu Eins, ohne zu zögern den Rausch des Urknalls leben und Mensch und Schöpfung im Einklang fühlen. Jedes für sich ohne Verlassenheit im Teilchenbeschleuniger der Wahrheit, im Licht und frei.
Im Lächeln einer Katze schwingt der ganze Kosmos.
