Seufzer Lounge

In der Bar der
gebrochenen Herzen,
klagt der Jemand dem
Niemand sein Leid.
Sie seufzen und
jammern und ahnen,
Herzrisse heilen
nicht durch die Zeit.
Zeit trocknet Tränen,
lässt Kummer verwehen,
doch Heilung bringt
zweifellos nur, diese eine,
sich selbst vergessende
Liebe, die im Inneren
keimt, blüht, verzeiht.

(c) Gabriele Auth

 

Vorfreude

…auf die Frankfurter Buchmesse, wo ich das eine oder andere Interview mit Newcomern führen werde und natürlich Kontakte mit Verlagen, Selfpublishern, Agenturen und  Autoren knüpfen oder einfach nur pflegen will.  Bin selbst gespannt, was es danach darüber zu erzählengibt.  Ganz sicher schreibe ich mindestens eine Rezension. Ich weiß auch schon über welche beiden Bücher.
So, damit es hier nicht gänzlich so unpoetisch wird, ein kleines bißchen Lyrik aus dem Heimatbunker:

Warum mit Engeln reden,
die kühl und ungerührt
im Äther schweben?
Verborgen in den Tiefen
meines Erdenlebens
klingt die Stimme meines
eigenen Schicksals,
das frei gewählt mir

auf dem Fuße folgt.

Mit einem Dreh zur Seite
begegne ich dem Blick,
sitze am klaren Wasser
meiner Möglichkeiten,
und wie Regenbogenlicht
entfaltet sich mein Weg, im
Vorwärtsgehen lausche ich
den Klängen aus der Mitte.

Lasst mich den Engeln
zum Abschied
einen Tango pfeifen.
Lebt wohl, ich brauch
euch gerade nicht bei mir,
mein Leben ist  mehr
als genug.

© gabriele auth

 

Ein Schrei der Entrüstung geht durch die Literaturwelt.
Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis.
Bob Dylan. Ein Musiker.
Wird Reich-Ranicki sich im Grab umdrehen, oder würde er eher lachend in die Hände klatschen? Beifall klatschen?
Ich stelle mir vor, er würde applaudieren.

Wem zu Dylan nur  Blowin In The Wind  einfällt, dem fällt tatsächlich nicht viel ein, und er sollte schweigen, bis er sich mit der Lyrik des Musikers auseinandergesetzt hat.
Lyrik, die so fragil sein kann, und doch so erdig, vielseitig wie das Leben und so wunderbar, dass man fragen könnte: „Hey, warum hat der den Preis nicht schon früher bekommen?“
Ja, er ist ein Musiker, aber seine Musik steht für mich persönlich eher an zweiter Stelle. Manchmal frage ich mich, ob es für Dylan selber vielleicht auch so ist.
Wie auch immer, Musik ist das Transportmittel für das, was er sagen will.
Und er hat viel zu sagen, dieser große alte Mann mit der charakteristischen Stimme.
Er singt vom Leben und Lieben. Er erzählt Geschichten über Menschen, die ihm begegnet sind, über Dinge, die er gesehen hat, über Amerika und darüber wie der amerikanische Traum in Ungerechtigkeit, Rassismus, Gewalt und Stumpfheit versinkt. Und manche seiner Texte aus den sechziger Jahren sind immer noch hochaktuell.
Bob Dylan ist ein Umherziehender, ein fahrender Sänger. Zu allererst ist er jedoch ein großer Geschichtenerzähler. Und genau dafür hat er den Literaturnobelpreis verdient, für seine Geschichten. Für sein Lebenswerk.
Es gibt etliche  Texte von ihm, die ich  gerne hier anfügen würde. Die unerträgliche Geschichte vom Tod des Emmet Till vielleicht, oder das Lied davon, lieber aufrecht zu sterben, wenn der große Atomkrieg kommt, statt sich im Bunker zu verkriechen.
Oder etwas von seiner Liebeslyrik, Love Minus Zerro/ No Limit  zum Beispiel.

Ich beschränke mich darauf, hier zwei seiner Texte vorzustellen, falls Ihr sie nicht schon kennt.
Das bekannte
All Along The Watchtower
und das weniger bekannte
If Dogs Run Free

There must be some way out of here“, said the joker to the thief,
„There’s too much confusion, I can’t get no relief.
Businessmen, they drink my wine, plowmen dig my earth,
None of them along the line know what any of it is worth.“

„No reason to get excited,“ the thief, he kindly spoke,
„There are many here among us, who feel that life is
but a joke.
But you and I, we’ve been through that, and this is not our fate,
So let us not talk falsely now, the hour is getting late.“

All along the watchtower, princes kept the view
While all the women came and went, barefoot servants, too.

Outside in the distance a wildcat did growl,
Two riders were approaching, the wind began to howl.

 

If dogs run free, then why not we
Across the swooping plain?
My ears hear a symphony
Of two mules, trains and rain
The best is always yet to come
That’s what they explain to me
Just do your thing, you’ll be king
If dogs run free.
If dogs run free, why not me
Across the swamp of time?
My mind weaves a symphony
And tapestry of rhyme
Oh, winds which rush my tale to thee
So it may flow and be
To each his own, it’s all unknown
If dogs run free.
If dogs run free, then what must be
Must be, and that is all
True love can make a blade of grass
Stand up straight and tall
In harmony with the cosmic sea
True love needs no company
It can cure the soul, it can make it whole
If dogs run free. 

Und beim nächsten Mal erzähle ich vielleicht von einer Musikerin, die den Literaturnobelpreis nicht bekommen hat, die aber auch wunderschöne Lyrik schreibt und singt.

 

Jahrmarkt

Auf dem Jahrmarkt
der Befindlichkeiten
dreht das Riesenrad sich
im vier-achtel-Takt.
Es kreist und dreht
und hebt sich, bis jeder
die Wut, die Angst und
den kleinsten Schmerz
hinaufgespien hat
ins Himmelblau
ins Wolkenweiß
würgend in den
Wellentälern
der Unnahbarkeit.
Wenn dann am Ende
die Juke-Box schweigt,
weil weiß und klar
Wahrheit und Mut sich
in die Gondeln schleichen.
tanzen schweigend sie
nach Haus,
die Umgewandelten.

(c) gabriele auth

Bild einer Liebe

Federleicht ist mir
noch immer, wenn
ich dieses Lächeln seh’
auf einem alten Foto,
das ich in meinem
Schreibtisch fand.
unbeschwerte Erinnerung,
Rufe aus einem alten,
einem leuchtenden Land.

Wo ist es hin, all das,
was mit uns war,
das Lachen, das Reden,
das Staunen, das Erleben?
Ich seh’ im Spiegel
mein wehrloses Gesicht.
Da ist niemand, nur ich.
und das Bild einer Liebe.
Dich finde ich nicht.

(c) Gabriele Auth