Die unerfüllte Liebe altert nicht. Die Last der Jahre zwingt sie niemals in die Knie. Sie leuchtet umso schöner, je länger sie vergangen ist. Und der Staub der Zeit glänzt im Rückblick wie Sternenstaub aus einer anderen Welt.
Nostalgie hat einen weichen Klang.
Dann plötzlich steht ihr voreinander. Und eure Stimmen sprechen nicht die lang gehegten Worte. Der Schimmer der Erinnerung verblasst im Licht der Wirklichkeit. Nichts gibt es, was ihr euch zu sagen hättet, ausser:
„Weisst Du noch?“ und „Ist lange her“.
Gedanken
Im Leben verorten
Dieser schrille Ton, der das Gehirn fast zersprengt. Aufwachen, den Kopf drehen, die Geräuschquelle suchen. Neben mir auf dem Tisch, ein schwarzes Ding. Den Schalter drücken. – Stille – Die Hirnhaut kommt zur Ruhe, eine sanft ausschwingende Membran. Ich fühle mich wie ein verstimmtes Klavier in der Wüste. Sperrig, nutzlos, fehl am Platz. Zögernd steige ich aus dem Bett. Die nackten Füße berühren den Boden. Holz auf Holz, denke ich. Vor dem Fenster schreien Krähen ein misstönendes Lied in den grauen Himmel. Ein Montagmorgen im Februar. Verorten im Leben.
Im Lächeln einer Katze
Leben pur und ohne Limit, im Maßstab Eins zu Eins, ohne zu zögern den Rausch des Urknalls leben und Mensch und Schöpfung im Einklang fühlen. Jedes für sich ohne Verlassenheit im Teilchenbeschleuniger der Wahrheit, im Licht und frei.
Im Lächeln einer Katze schwingt der ganze Kosmos.
Brausepulver
Mein Denken ist Ahoi-Brause, Himbeer und Waldmeister, prickelnd auf der Zunge, künstliche Aromen in die Synapsen knallend, wild sprudelnd, Himmelblaugrün und Rosa. Mein Herz sieht dem Verstand beim Schäumen zu und lächelt, weiß schon längst, was ich im Himbeerschaum nicht finden kann, weiß immer alles und hat uns trotzdem lieb, mein übersprudelndes Denken und mich.
Wirklichkeit
Lass uns wirklich sein,
so
Herz bei Kopf eintauchen
in den zeitlosen Moment,
jeder auf seine Weise,
jeder sein eigenes im wir,
ohne Urteil wahrnehmend.
Im Gleichgewicht.
In der Wahrung
des Gegensatzes.
In vollkommener
Gleichwertigkeit,
so
lass uns wirklich sein.
Das lyrische Ich
Es tänzelt und biegt sich, lacht dir breit ins Gesicht, scheint nah, real und sehr greifbar. Willst du es fassen, entwindet es sich, verbirgt sich in fliehenden Versen, schleicht hinter Wänden aus prosaischer Lust, unsichtbar gegen den Rhythmus. Verknotet den Duktus, verspottet den Jambus und zeigt frech die Zunge dem Daktylus. Ach, selten bleibt es sich treu, es gleitet stets wandelbar von Hass zu Liebe durch gleich Gültigkeit, paraphrasiert und projiziert, haucht Gefühle wie Seifenblasen in den luftleeren Raum und verteilt Sonnen am Vollmondhimmel. Es leidet und liebt. Es seufzt und lacht. Bis du denkst es wäre du, und es macht sich davon wie ein Dieb in der Nacht als wär’s weder ich, noch wär es je du, als wäre es nie gewesen.
Die Andere
Die andere ist immer da, stets schöner, klüger, liebenswerter. Die, die meiner Mutter Freude macht, die meinen Mann beglückt. die niemals zweifelt, scheitert oder stürzt. Das Bild in mir, das mir den Blick verwehrt auf mich. Die dunkle Königin, wer hat sie auf den Thron gesetzt? Ich wollte sein wie sie, mein ganzes Leben schon und hasste sie, weil es mir nicht gelang. Der Schatten ist sie, der das Wesen hemmt. Millionen Mal hab ich gekämpft. Millionen Mal schloss ich die Tür und hör ihr Rufen noch und noch. Ich werde zu ihr gehen, sie umarmen, die Hand ihr reichen und den dunklen Spiegel schleifen.
Wenn der Geist der Weihnacht….
Bei Facebook tobt der Christmasstorm. Alle wünschen allen frohe Weihnachten und alles scheint so friedlich, hell und schön. Syrien ist weit, der Krieg ein kleiner Schatten nur im großen Licht. Wir feiern unsere eigene Kultur selten so einig wie zu Weihnachten. Und hinter all dem Glitter, dem Gesang über das Christuskind, den Bildern von Engeln, Ochs und Eselein, schwingt eine Ahnung, dass es mehr zu feiern gibt als ein Kind in einer Krippe, mehr als Süßer die Glocken nie klingen und mehr als Stille Nacht, heilige Nacht. Und immer schon sucht Mensch nach Worten für dieses Wunder, für die eine große Liebe, die leuchtende, erfüllende, für die es keine großen Worte gibt, nur eine tiefe Stille zwischen allen Zeilen. Liebe Licht und Wahrheit, ein gleichschenkeliges Dreieck, die Sterne stumme Zeugen. Schweigend staune ich und ahne, dass hinter den Kulissen die Dunkelheit sich vorbereitet auf ihren nächsten Auftritt und erst verschwinden wird, wenn der Geist der Weihnacht immer ist.
Kulissen
Die Bühne ist bereitet, ein ganzes Leben schon. Aus den Kulissen klingt der Chor der Nornen und tausendfach durchbohren Blicke mir die Haut. Ich trage keinen Blickschutzfaktor, nur mein Herz. Und Liebe.
Das Lied der Nornen hat die Düsternis verloren und auch das Augenpaar der ersten Stunde, es macht mir keine Angst mehr. Ich muss nicht mehr agieren, steh einfach still erwartungslos, öffne die Arme weit und auch der Tod ist nur ein neues Bühnenbild.
Zeichen aus dem Heimatbunker
Begegnungen wie frisch gefallener Schnee. Der Raum zwischen uns, eine unberührte Fläche. Behutsam setzen wir unsere Spuren ins Weiß. Manchmal mit einer ungestümen Bewegung, immer wieder scheu zurückweichend und leise die harte Spur verwischend. So entstehen Zeichen und Muster. Sie glitzern im Licht. Wir erfreuen uns an ihnen. Unter dem Schnee, die Erde bereitet sich vor auf Frühlingsblühen.
