Kaddisch

Wer aber
spricht das Kaddisch
für sechs Millionen?

Ihre Namen, die Gesichter,
wer erinnert sich an sie?

Und
wenn es einer könnte
und er
erhöbe seine Stimme

jit’gadal wejitkadasch
sch’me rabba…
erhoben und geheiligt werde
sein großer Name…

elf Jahre lang
dreimal am Tag.
Sechs Millionen Jahre.

Nicht Schuld ist es,
es ist die Wahrheit,
die sie fürchten.

Wer aber
spricht das Kaddisch
für die Wahrheit?

(c)  Gabriele Auth

Feind

Da draußen
ist immer
ein anderer
zum hassen.

Ihr lamentiert.
malt es aus,
das Feindbild,
bunt oder düster.

Spürt die Wut.
Sie flammt in euch.
Ein Feuer.
Ein Flächenbrand

Ihr lamentiert,
fühlt euch stark,
so stark.
Hass ist Energie.

Ihr lamentiert,
schreit in die Welt
dumpfe Gedanken,
brennende Worte.

Angstschweiß
tropft
von
eurer Stirn.

Ihr lamentiert,
spuckt dem
Feindbild
ins Gesicht.

Bereit zu töten?

Krieg marschiert.
Feuer lodert.
Zurück bleibt
Asche und
verbrannte Erde.

Keine Liebe
Keine Gnade
Kein Schutz
Kein Leben

nur,

In der Stille,
nach dem Sturm,
im Spiegel,
der Feind.

Und ihr ruft
nach Gott.
Da ist
keine Antwort.

Verbrannte
Herzen
singen
nicht.

Teile
und herrsche
sagt
der Teufel.

Ostern – Nachdenken über Gott Teil 2

Ist Gott ein Hoax, eine
Fehlermeldung, mit der wir uns
in die Irre führen lassen?
Äonenlang.
Oder führen wir uns selbst?
Religion, ein Denkfehler?
Einer, der uns die Unschuld raubt
und uns abtrennt von uns selbst,
vom Bewusst-Sein und
von der Erkenntnis des Lebens.
Bewegungslos,
in Fesseln vergehend,
vertrocknende Seitenarme
des ewigen Flusses.
Religion lässt genug Wasser,
um nicht zu verdursten,
doch nie genug,
um ohne Durst zu sein.
Durst, den es nicht gäbe
ohne Religion, und,
ohne Gottesidee.
Gott los sein, das Leben
annehmen in seiner Fülle,
in seinem Nichts und Alles.
Vorletzter Satz,
des Nazareners am Kreuz,
Mein Gott, warum
hast Du mich verlassen?
Oder in anderer Übersetzung,
Mein Gott,
wie hast Du mich erleuchtet.
Sie schließen einander nicht aus.
Im Loslassen der Religion,
und der Gottesidee,
in der Verlassenheit, ruhen
Erlösung und Erleuchtung.
Und unabwendbar
klingt der letzte Satz
Es ist vollbracht.
Die Gottverlassenheit,
ein Fluch, oder der
Keim der Auferstehung?
© gabi m. auth