Talk about Pop Muzik

Im Mai war ich auf einem Konzert der Band Elysian Fields im Café de la Danse in Paris. Das Café de la Danse liegt in der Nähe der Bastille, ca 15 Minuten Fußweg entfernt vom Bataclan, dem Veranstaltungslokal, in dem IS Terroristen am 13. 11. 2015 während eines Konzerts ein Blutbad angerichtet haben.
Ich weiß nicht, wie es Euch gegangen wäre, aber für mich war es ein beklemmendes Gefühl, durch dieses Viertel zu laufen und ausgerechnet dort, zu einem Konzert zu gehen. Die Band Elysian Fields mit der wunderbaren Sängerin Jennifer Charles, ist eine meiner Lieblingsbands, die ich zweimal im kleinen Rahmen in Dortmund und Düsseldorf live erlebt hatte.
Vor dem Einlass standen wir zusammen mit mehreren anderen Konzertbesuchern  eine halbe Stunde in der Passage Louis Philippe vor dem  Café und warteten auf Einlass. Es nieselte auf das Kopfsteinpflaster und in meinen Jackenkragen, obwohl ich ihn hochgestellt hatte. Warmer, feiner Regen.
Die Passage Louis Philippe  ist ein schmale, unspektakuläre Straße, eher ein Gasse.
In dem ganzen Viertel um die Bastille herrscht ein buntes und erfrischendes Treiben von Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten. Sie wogen durch die engen Straßen mit den kleinen Läden, Lokalen und Cafés. Bunte Menschenblüten, die der Frühlingswind bewegt. Das  hat einen ganz speziellen Zauber. Ich spürte, dass ich den nur halb genießen konnte, dass ich manchmal nervös über die Schulter sah und an den Terroranschlag dachte. Ich hasste diese Gedanken und die Beklemmung, die sie in mir auslösten, aber es gelang mir nicht, sie völlig zu vertreiben. Da blieb so ein unangenehmes Kitzeln im Verstand und im Bauch.
Schließlich wurden die Türen geöffnet. Ich ertappte mich dabei, wie ich einen Platz mit kurzem Fluchtweg ansteuerte. Das ist echter Mist, dachte ich, aber es ist halt so. Und was nützt es, sich zu verbiegen.
Das Konzert begann. Es war verzaubernd.
Die warme, sinnliche Stimme und Gestik von Jennifer Charles, die Gitarrenklänge von Oren Bloedow, das Licht, das die grob gemauerte Bühnenwand in einen goldenen Schimmer tauchte, das begeisterte Publikum und der Rotwein, ließen meine Beklemmung fast verschwinden, aber sie lauerte heimtückisch im Hintergrund und starrte mir verbiestert ins Gesicht, wenn einer der Security Typen oben auf der Galerie erschien und sich über die Brüstung beugte.
Bis zu diesem einen, magischen Moment, in dem Jennifer Charles fragte, ob das Publikum bereit sei für ein kleines Experiment.
„Fühlt ihr Euch an einem guten Ort“, fragte sie.
„Fühlt Ihr Euch sicher?“
„Ja!“
„Fühlt ihr Euch so sicher, dass wir das Licht löschen können?“
„Ja!“
Das Licht ging aus.
Der Raum lag komplett im Dunkeln. Musik erklang. Und dann die Stimme von Jennifer. Sie sang „Pop Muzik, talk about pop pop Muzik.“
Ich hörte die Worte und die Musik und ich verstand. Ich glaube jeder verstand es. Es war trotzig, es war tief und es war frei. Wir machen unsere Musik, hieß das, unsere Pop Musik, und die lassen wir uns von niemandem verbieten oder nehmen. Nicht von Fanatikern, nicht von irgendeinem religiösen Wahn und nicht von der eigenen Angst. Man kann versuchen, uns einzuschüchtern, aber wir werden unsere Musik nicht beenden. Wir werden weiter machen und leben so frei wir können.  Mit Musik. Mit Pop Musik.
Das Lied endete.
Die Tränen liefen mir übers Gesicht. Ich fühlte mich frei von Beklemmung und Ängstlichkeit, fühlte mich wie nach einem warmen Bad, gereinigt und entspannt. Es war eine Initiation, ein sehr eigenes Ritual des Einatmens von Musik und des Ausatmens, Ausdehnens in den Raum hinein.
Wir schienen eins in diesem einen Moment. Alle.  Nahmen den Raum ein, füllten ihn wirklich aus mit uns, mit Gegenwärtigkeit und waren glücklich.
Das war so einer dieser magischen Momente, wie sie Musik erschaffen kann, einer der Momente, die der Grund dafür sind, warum Dikatoren solche Musik hassen, warum radikale Islamisten sie verbieten möchten.
Es war die Kraft der Musik, die Theodorakis ins Gefängnis gebracht hat und die die  Militärjunta in Chile dazu veranlasste, dem Sänger Viktor Jara zuerst die Finger zu brechen, dann die Gitarre zu zerstören und ihn schließlich zu ermorden.
Und trotz all der Gewalt lebte der Geist seiner Musik.
Ich bin Jennifer Charles dankbar für ihre Sensibilität, ihre Intuition und diesen Moment.
Und hier ist das Video, das T. dort gedreht hat. Es ist nicht das beste Material. Ich weiß  nicht, ob für andere spürbar wird, wie es war, aber in mir löst es unmittelbar wieder dieses Gefühl aus.
Ja, wir können frei sein, wenn wir uns dafür entscheiden.

Seufzer Lounge

In der Bar der
gebrochenen Herzen,
klagt der Jemand dem
Niemand sein Leid.
Sie seufzen und
jammern und ahnen,
Herzrisse heilen
nicht durch die Zeit.
Zeit trocknet Tränen,
lässt Kummer verwehen,
doch Heilung bringt
zweifellos nur, diese eine,
sich selbst vergessende
Liebe, die im Inneren
keimt, blüht, verzeiht.

(c) Gabriele Auth

 

Jahrmarkt

Auf dem Jahrmarkt
der Befindlichkeiten
dreht das Riesenrad sich
im vier-achtel-Takt.
Es kreist und dreht
und hebt sich, bis jeder
die Wut, die Angst und
den kleinsten Schmerz
hinaufgespien hat
ins Himmelblau
ins Wolkenweiß
würgend in den
Wellentälern
der Unnahbarkeit.
Wenn dann am Ende
die Juke-Box schweigt,
weil weiß und klar
Wahrheit und Mut sich
in die Gondeln schleichen.
tanzen schweigend sie
nach Haus,
die Umgewandelten.

(c) gabriele auth

Rost

An solchen Tagen
aus Licht und aus
spinnwebfeinem Lachen
sitzt du mit  anderen
beim Wein, glücklich,
freundschaftstrunken.

Und Liebe weht vorbei.

Doch in der Nacht
weinst du die Tränen
der anderen, gehst
stumm und wehrlos
in die Knie, gebeugt
unter dem Schmerz,
den einer tief
in seinem Herzen
eingemauert hat,
fest versiegelt
mit drei Ketten:

Eine aus Blindheit
und Unwissenheit.

Eine aus Angst
vor der Wahrheit.

Und die dritte,
die stärkste,
aus Sehnsucht
nach Liebe.

Du weinst und weinst,
bis deine Tränen
Rost erzeugen und
noch mehr Rost, der
wirkt, der wächst und
der die Ketten sprengt.

 

Wonder Wall

To all, who need a wonder wall
To all, who feel apart and
hidden in a doubtful world,
defeated by a restless heart.

Don’t believe them,
when they say, that
you’re misguided and
a fool, because you
broke their damned
mendacious rules.

One day you’ll find out,
that you are on the path
of the stars, and those,
who blamed you, only
lousy squallers, a nasty,
venomous crowd.

Don’t feel so sad,
don’t try to change it,
just go ahead,
just live what you are,
never ever look back,
the past is too far.

To all, who need a wonder wall
To all, who feel apart and
hidden in a doubtful world
defeated by a restless heart.

 

Weltengesang

Verwirrend ist die Welt.
Ich hab keine Arbeit,
du hast kein Geld,
doch wir haben
Brot und Wein, und
in unseren Augen
spiegelt sich die Sonne.

Vor uns die Straße
ein unendliches Band
trifft am Horizont
den Himmel, vertraut,
und dennoch unbekannt,
aber deine Hände
sind wie Lieder.

Weiter zieht das Leben
uns tief in sein Herz,
ein Kind der Liebe ist
die Sehnsucht, nur
Erinnerung der Schmerz.
Morgen ist weit, und
Lachen fliegt mit Wolken.

Seltsame alte Welt
bleibt hinter uns zurück
wie ein Hund, der bellt,
aber nicht mehr beisst
erschreckt sie uns nicht,
und mit deinen Haaren
vereinen sich die Sterne.

 

das große JA

Ich sitze auf dem
blauen Planeten
im weichen Gras
in der Dunkelheit,
geschmiegt ins Leben,
das mich umweht,
sehe zu wie
Zeit vergeht.

Überm Haus steht Mars
leuchtend kirschrot,
und die Vögel
schweigen im Traum,
darüber der Mond wie
ein gelber Ballon,
und durch die Nacht
zieht Veilchenduft.

JA,
etwas in mir tanzt,
kribbelt und lacht,
reißt sich los,
fliegt einfach davon.

wie will ich leben?

in Freundschaft
sich aneinanderfügen und beschnuppern,
dem anderen Wesen Freiraum schenken
und Respekt,
im offenen Miteinander vom Gift
der Bitterkeit genesen und so
erfahrbar werden füreinander und
begreiflich.

Offen und einfühlsam  Vertrauen leben,
das Staunen und die Freude spüren,
wenn ich entdecke und erkenne,
das Du,
das Ich,
dass Ich und Du
so sein und wachsen dürfen,
wie es das innere Wesen stärkt
in Liebe.

 

Zieh mit dem Fluss

Geh nicht hinaus,
draußen lauern sie,
fahle Gestalten wie
Asche im Nebel,
gebeugt, gescheitert,
verloren in sich.
Sie sehen dich nicht.

Vermeide die Stadt,
den Leierkastenmann.
Mit toten Fingern,
mit knochigem Grinsen
treibt die Orgel er an,
verloren in sich.
Er sieht dich nicht.

Sieh auch nicht hin,
wenn sie rennen,
wenn sie fliehen,
vor ihrer Sinnlosigkeit,
die Münder wie Gräber,
verloren in sich.
Sie spüren dich nicht.

Dreh der Welt
den Rücken zu,
zieh mit dem Fluss
und bleib bei dir,
nur Du und Du.
 

und hey,

Du denkst, das Leben ist eine Schlampe?
Eine verdammte, verkommene Hure?
Was, wenn du einfach damit aufhörst,
es zu ficken?

Was, wenn es dann deine
große Liebe würde?
Und hey,

deine Wahrnehmungen, Ansichten,
dein Blick auf das Leben,

auf die Anderen, auf dich selbst
und deine sture Sicherheit,
dass sie das einzig Richtige sind.

Deine Wahrheit, die alleinige
Wahrheit für Alle und Alles?

Ja, klar,
ich kann dich beinahe schon hören.
Du antwortest und antwortest auf Fragen,
die dir nie gestellt wurden.

Was, wenn du schweigen würdest, bis
all deine Antworten verblasst sind?

Was, wenn du anfangen würdest zu fragen?

Was ist wirklich wahr?