Ist Gott ein Hoax, eine
Fehlermeldung, mit der wir uns
in die Irre führen lassen?
Äonenlang.
Oder führen wir uns selbst?
Religion, ein Denkfehler?
Einer, der uns die Unschuld raubt
und uns abtrennt von uns selbst,
vom Bewusst-Sein und
von der Erkenntnis des Lebens.
Bewegungslos,
in Fesseln vergehend,
vertrocknende Seitenarme
des ewigen Flusses.
Religion lässt genug Wasser,
um nicht zu verdursten,
doch nie genug,
um ohne Durst zu sein.
Durst, den es nicht gäbe
ohne Religion, und,
ohne Gottesidee.
Gott los sein, das Leben
annehmen in seiner Fülle,
in seinem Nichts und Alles.
Vorletzter Satz,
des Nazareners am Kreuz,
Mein Gott, warum
hast Du mich verlassen?
Oder in anderer Übersetzung,
Mein Gott,
wie hast Du mich erleuchtet.
Sie schließen einander nicht aus.
Im Loslassen der Religion,
und der Gottesidee,
in der Verlassenheit, ruhen
Erlösung und Erleuchtung.
Und unabwendbar
klingt der letzte Satz
Es ist vollbracht.
Die Gottverlassenheit,
ein Fluch, oder der
Keim der Auferstehung?
© gabi m. auth
lyrik
Isola Sicilia
Kann dich nicht verlieren,
dein Name unvergänglich
in mein Herz gebrannt,
ein süßes Feuermal.
Mit heißen Fingern wühlte
der Scirocco sich
in meine Augen, bis sie
halb blind und starr
schemenhafte Kräfte
auf den Feldern ahnten.
Die tanzten silbern dort
und schön.
Betörend und kühl salbte
Tramontana die Wunden
meiner Nacht, wehte in
mein glühendes Hirn,
bezwang die Geister,
und lehrte mich sehen.
Unbegreifliche Schönheit
der Vergänglichkeit.
Abblätternde Farbe
auf einer alten Tür,
sanft verwitternd
wie das Leben.
Wie ich dich hasste, als
in der Glut des Sommers,
Schmetterlinge starben,
zerbrechliche Flügel
betäubt im Straßenstaub,
einer für jeden meiner Träume.
Und wie liebte ich dich, wenn
Abendsonne das Leben färbte,
ein graublaues Meer aus
Zärtlichkeit und Gier nach Leben
mich in den Armen wiegte,
unbegreiflich still.
Leuchtende Insel, du
schöne, stolze Königin,
geschändet, verraten ,
tausendfach geschmäht.
Offenbartest, was ich bin
und heiltest den Schmerz
einer Leidenschaft, der
unheilvollen, vergifteten,
die niemals atmete.
Als die Trauer zerrann,
wurde Freiheit geboren,
das Kind der Liebe.
© gabriele auth
Um drei ist Kaffeezeit
Um drei ist Kaffeezeit,
sie tanzen dumpf den Reigen,
unberührt von Herz oder Verstand,
rechts-seit-schritt-seit.
und rundherum im Kreise,
brav auf den Teller blickend,
niemals über seinen Rand.
Um drei ist Kaffeezeit,
sie ducken sich, wo sie nicht
treten können und treten,
wo ein anderer sich duckt
und grölen Abendland und beten,
und haben Schaum vorm Mund,
wenn sich ein Moslem muckt.
Um drei ist Kaffeezeit,
man trinkt jetzt Cappuccino.
Man ist modern, und findet Hellas toll.
Dem faulen Griechen allerdings,
dem würde man gern sagen,
von nichts kommt nichts, und
dass er sich am Riemen reißen soll.
Um drei ist Kaffeezeit,
ich danke und verzichte
nehmt’s mir nicht übel,
mit eurer Zeit habe ich
nichts am Hut, und allen
Griechen sei gesagt, ich
danke Euch für Mikis, für
seine Lieder, wie für euren Mut
Um drei ist Kaffezeit,
es lebe hoch der Stinkefinger,
den die verdienen, die voll Wut
nur lamentieren laut und schrill.
Am Un-Wesen wird nicht
die Welt genesen, hätt einen Wunsch ich,
ich wüsste, was ich will.
Um drei ist Kaffeezeit
Zur Hölle mit dem Stumpfsinn.
Ich wünschte Freiheit uns,
und einen wachen Geist,
der Piefigkeit und Hochmut
von der Erde wehte, mal hier
mal dort, mal laut, mal leis.
Um drei ist Kaffeezeit,
ich wünschte er würd wehen,
im nahen und im fernen Osten,
in Europa, in Russland, USA.
Rund um den Globus soll er toben,
bis alle Hirne endlich sauber,
die Augen offen und die Herzen klar.
Und Liebe, als ein Kind der Freiheit,
umfange jeden, ohne Ansehen
seiner Haut und seiner Religion.
Wenn wir uns so die Hände reichten,
schlöss um die Erde sich der Kreis,
Leben kann ein wunderbarer Ort sein,
für den, der es zu schätzen weiß.
© gabi m. auth
Danke an Thomas Sonnabend und seinen Blog für die Anregung.
Wie bist du
Wie bist du, Mann,
so nach außen, nach vorn,
gespannt und erhärtet
wie Seile aus Stahl,
die singen im Sturm.
Wie bist du, Frau
so nach innen, zurück,
weich und zerfließend,
betört und klar,
ein Fluss ohne Ufer.
Wie bist du, Mensch,
so Mann, so Frau,
fließend und stark
aufgehend im Leben,
ein großer Gesang.
Geborgen im Leben,
befreit im Tod,
Saat der Götter,
Ernte der Erde.
Hingabe und Verborgenheit.
© gabi m.auth
Mon Santo
Schmelzkäse markiert
den Niedergang
unserer Kultur.
Tausend Zusatzstoffe
leuchten in der Nahrung.
Ein Molekül schöner
als das andere, konservieren
sie uns und öffnen Türen
für den Krebs, während
wir runde, makellose
Tomaten verschlingen,
grellrote Genperlen,
eine genau wie die andere,
die sich nicht mehr selbst
vermehren können.
When the saints go marching in,
gibt die Hölle uns die Hand.
Mon Santo, heiliger Bimbam,
Schutzpatron der Klone,
Diebstahl und Betrug.
Lüge modert in deinen Genen.
Du hattest niemals vor,
die Welt zu nähren,
nährst allein dich selbst,
vervielfältigst die Gier,
den Hunger nach Macht und Geld.
Wir schließen dich nicht ein
in unser letztes Gebet.
Wenn wir gehen, gehen wir leise.
Lüge bleibt, tausend Jahre haltbar.
© gabi m. auth
Elegie und Freude
Sonnenlicht hinter Wolken,
so ein weißgoldenes Strahlen.
Wind, der flüsternd die Blätter
der Birke zum Tanz auffordert,
zart und zerbrechlich grün.
Tagtrunkene Vögel, singend,
Kreise ziehend im freien Flug.
Ein großer Gesang.
Poesie der Schöpfung
mit luftiger Hand ins
Menschenleben gezeichnet.
Und ich stehe am Fenster
sehe, staune, halte
mein Herz mit beiden Händen,
damit es nicht stolpert, das
überschwängliche Ding.
© gabi m. auth
Für den Koraspieler und für Frank und Gina
Vor dem Sirtaki konnte ich
tanzen, ehrlich. Mit Worten.
Rundherum schwirrten sie
in meinem Kopf, bis
ich mein Tuch verlor.
Zu Boden fiel es,
verschämt ihr zu Füßen.
So stolz war sie
mit Augen, schwarz
wie Feuer ohne Glut.
Sie nahm das Tuch
und gab es mir, und
es schwiegen die Worte,
erstarrt im Moment.
Mein Kopf, eine Blume,
erblüht am fremden Strauch.
Vor dem Sirtaki wusste ich
nichts von Delfinen.
Dann verstummte die Musik
und die große Schweigerin
fegte die Worte aus meinem Kopf.
Sie tauchte sie in den Strom.
Odysseus war ich
und Jason, und weit
entfernt am Horizont
versank Kreta im Dunst,
Echo der Vergangenheit,
eine unbeweinte Insel.
© gabi m. auth
vor dem Sommer
Deine Honighaut
warm und süß,Vorahnung eines
strahlenden Sommers.
Dein Lächeln kitzelt
im Herzen wie
Schmetterlingsflügel
weckt das träumende Sein.
© gabi m. auth
Raum
Leere schafft Raum
für Musik, für Klang
das Strömen von Licht
Partikel des Glücks.
Entfesselter Raum
träumendes Sein,
die Wahrheit ist Jetzt
nie einsam, nur allein.
Atmender Raum,
entschlüsseln des Ich
versiegeln der Angst,
ganz ich für mich.
Klingender Raum,
verhallender Ton, ganz
gebunden und frei
das Leben ein Tanz.
© gabriele auth
Denken
Gedanken.
Ungebärdige, fremdartige Kinder.
Laufen davon in alle Richtungen.
Kichern und spotten.
Zeigen den Mittelfinger.
Bilder türmen sich auf.
Dunkel.
Die Zukunft hat keine Farben.
Alles scheint verloren.
Liebe. Freude. Leben.
Selbst die Gegenwart,
in der eben noch
die Sonne leuchtete,
ist nun grau,
neblig, düster.
Ich laufe los,
hastig,
ungeschickt zunächst,
ehe der Nebel alles frisst,
was Schönheit atmet.
Ich stolpere,
finde das Gleichgewicht,
nehme Fahrt auf und renne.
Renne, bis die wilden Gedanken
eingefangen und in der
Wirklichkeit verankert sind,
koche Tee, beobachte,
wie die Sonne hervorbricht.
Hinter den Wolken,
dieses große Strahlen.
Es füllt den Innenraum.
Am Grunde des Verstandes
verblassen die düsteren Bilder.
Schweigend und spurlos.
Gedanken.
© gabi m. auth
