Leben ist Traum

Auf Straßen
sterben
Schmetterlinge,
taumeln mit
staubigen Flügeln
in die Gosse.
Wer hört ihr
tonloses Weinen
außer denen,
die folgen wollen.
Wohin gehen
die Schmetterlinge,
wenn sie tot sind?
© gabriele auth

Regen

Wunderzaubertropfenküsse
kosen, krabbeln, kitzeln mich
Plusterwirbelzausewind
pustet mir durchs Haar
hüpft neben, über, hinter mir
hüpft durch mich durch
sogar,
Wolken tanzen im
Walzerschritt.
Der Himmel lacht Tränen
mein Herz lacht mit.
© gabriele auth

Manchmal Mai

Manchmal ist es zum Weinen schön
Ein Schmetterling auf einer Blüte
leuchtend in der Frühlingssonne.

Ein Kind, so klein,
viel kleiner als das Pferd,
vor dem es steht,
staunend zu weichen Nüstern
empor gesprochen
da
den kleinen Finger hochgereckt.

Ein Kinderrad
mit Schwung auf einen Hof geworfen,
Lachen unter wirrem Haar
blitzende Augen
im Schatten einer Scheune.
die Bremsen sind kaputt,
ich musste springen.

Ein Kreis von Menschen
geliebt, vertraut,
unter dem Maimond,
ein vergessener Schlüssel
auf einer Gartenbank.
Ein Brot zu viel
und die erstaunte Stimme
am neuen Telefon.

Manchmal ist es zum Weinen schön.
Und zum Danken.
Immer zum Danken.

© gabriele auth

Nachtmahr

Die Treppe hinauf, in die Dachkammer geflüchtet,
höre ich sie ums Haus schleichen.
Blutunterlaufenes Heulen begleitet ihr rasendes Rütteln
an den verschlossenen Türen.
Sie alle sind versammelt.
Der Rattenfüßige, der den Kopf in jedes Erdloch bohrt,
um meinem Herzschlag durch die Erde aufzuspüren.
Eis ist sein Atem.
Die graugesichtige Alte mit den Fledermausflügeln,  die nach meiner Wärme giert.
Sie frisst die Feuer der Herzen.
Der Schlimmste, der mit der Löwenmähne,
der mit Schlangenaugen durch mein Fenster späht.
Mit sanfter Stimme ruft er meinen Namen und
behauptet, mein verlorener Geliebter zu sein.
Er lügt.
Er ruft den falschen Namen.
Mein Geliebter hatte nie Schlangenaugen.
Banges Warten auf den Morgen.
Beim ersten Strahl der Sonne verweht der Spuk.
Das Gelichter verschwindet in seinen Löchern.
Ich überprüfe die Schlösser.
Rüste mich  für den Ansturm der kommenden Nacht.
© gabi m. auth

Komm

Komm
Nimm die Welt mir
von den Schultern
den Krieg, das Morden,
Hunger, Leid und
das falsche Lächeln
der Mächtigen.

Den Fernseher aus,
die Zeitung ins Feuer,
nimm die Gitarre
und spiel unser Lied,
das sanfte, vertraute
von Liebe und Glück.

Um unsere Hände
lass Bänder uns winden,
und lass unsere Herzen
im Gleichklang fliegen
hinaus zu den Sternen
den schweigenden.

(c) Gabriele Auth

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Das war das Schönste

Du warst hinausgeschwommen
und ich sah deinen Kopf
mit nassen Wuschelhaaren,
bloß so,
über den Wellen,
als ob du tanzen würdest.
Und wie du mir gewunken hast.
Ich konnte dein Lachen nicht hören,
wusste aber, es ist da.
Schön war das.
Ich schrieb in den Sand:
ich liebe dich.
Als du aus dem Wasser kamst,
hatte es der Wind verweht.
Macht ja nichts.

Jetzt schreib ich es
in meine Augen,
da kannst du es
jeden Tag lesen.

Und nächste Woche,
geh ich zum Copyshop,
und lass es auf
ein T-Shirt drucken
in Feuerrot auf rosa
„ich liebe dich“
Das ziehe ich an,
wenn du kommst,
du wirst lachen,
und ich finde das schön.
Schöner als den Vollmond
über den Bäumen am Kreidefelsen.
Als wir draußen geschlafen haben.
Unter den Sternen.
Das war das Schönste.
© gabi m. auth

Villa Arcangela

Leben,
so zerbrechlich,
dreißig Jahre ein Flügelschlag.
Wind in schlafenden Räumen,
wilder Wein kitzelt behutsam
sterbende Mauern.
Das Echo eines Kinderlachens
gefangen im Spiel der Sonne.
Auf der Terrasse ein gekippter Stuhl,
den niemand mehr aufhebt
und die Erinnerung
an den Duft von Rosmarin.
Kein Name am Tor
stört den Traum.
Das Herz hütet die Namen.
Leben
© gabriele auth

Ein Jahr

Ein Jahr
vorbeigeweht wie altes Laub,
raschelnd, zerfallend
wenn der Regen kommt.
Ich geh in meinen Spuren
Schritt für Schritt
Und halte inne,
wage einen Blick zurück,
um mich nach vorn zu wenden,
hinter mir all die Tränen
geweint und ungeweint
und Trauer, Freude,
Zorn, Versöhnung.
Ich lass zurück,
was Last mir wäre.
Wegmarken
am Straßenrand des Lebens.
Und nehme mit,
was mir das Herz geöffnet hat.
Wegweiser in die Zukunft
Zugvogel bin ich,
verbunden
und doch frei.
Ein Jahr
© gabi m. auth