Wie bist du

Wie bist du, Mann,
so nach außen, nach vorn,
gespannt und erhärtet
wie Seile aus Stahl,
die singen im Sturm.

Wie bist du, Frau
so nach innen, zurück,
weich und zerfließend,
betört und klar,
ein Fluss ohne Ufer.

Wie bist du, Mensch,
so Mann, so Frau,
fließend und stark
aufgehend im Leben,
ein großer Gesang.

Geborgen im Leben,
befreit im Tod,
Saat der Götter,
Ernte der Erde.
Hingabe und Verborgenheit.
© gabi m.auth

Mon Santo

Schmelzkäse markiert
den Niedergang
unserer Kultur.
Tausend Zusatzstoffe
leuchten in der Nahrung.
Ein Molekül schöner
als das andere, konservieren
sie uns und öffnen Türen
für den Krebs, während
wir runde, makellose
Tomaten verschlingen,
grellrote Genperlen,
eine genau wie die andere,
die sich nicht mehr selbst
vermehren können.

When the saints go marching in,
gibt die Hölle uns die Hand.
Mon Santo, heiliger Bimbam,
Schutzpatron der Klone,
Diebstahl und Betrug.
Lüge modert in deinen Genen.
Du hattest niemals vor,
die Welt zu nähren,
nährst allein dich selbst,
vervielfältigst die Gier,
den Hunger nach Macht und Geld.
Wir schließen dich nicht ein
in unser letztes Gebet.
Wenn wir gehen, gehen wir leise.
Lüge bleibt, tausend Jahre haltbar.
© gabi m. auth

Elegie und Freude

Sonnenlicht hinter Wolken,
so ein weißgoldenes Strahlen.
Wind, der flüsternd die Blätter
der Birke zum Tanz auffordert,
zart und zerbrechlich grün.
Tagtrunkene Vögel, singend,
Kreise ziehend im freien Flug.
Ein großer Gesang.

Poesie der Schöpfung
mit luftiger Hand ins
Menschenleben gezeichnet.
Und ich stehe am Fenster
sehe, staune, halte
mein Herz mit beiden Händen,
damit es nicht stolpert, das
überschwängliche Ding.
© gabi m. auth

vor dem Sommer

Deine Honighaut
warm und süß,Vorahnung eines
strahlenden Sommers.

Dein Lächeln kitzelt
im Herzen wie
Schmetterlingsflügel
weckt das träumende Sein.
© gabi m. auth

Raum

Leere schafft Raum
für Musik, für Klang
das Strömen von Licht
Partikel des Glücks.

Entfesselter Raum
träumendes Sein,
die Wahrheit ist Jetzt
nie einsam, nur allein.

Atmender Raum,
entschlüsseln des Ich
versiegeln der Angst,
ganz ich für mich.

Klingender Raum,
verhallender Ton, ganz
gebunden und frei
das Leben ein Tanz.
© gabriele auth

Tiefgräberin

Erleuchtung ist hip.
Doch, ist wirklich wahr. Es ist total angesagt, sich damit zu beschäftigen, über sie zu reden, zu schreiben, oder sie im besten Fall schon einmal real erfahren zu haben, und wenn es nur ein klitzekleines bisschen war.
Es gibt so viele Vordenker, Gurus, die es anscheinend schon erlebt haben und mit leuchtendem Blick davon erzählen.
Da sitze ich nun und fühle mich so gänzlich unerleuchtet, fremdplatziert, eine völlige Fehlbesetzung. Alle sind bedeutend und sagen bedeutungsvolle Dinge. Und ich habe keine Ahnung und sowieso die falschen Klamotten an.
Was soll’s, denke ich, strecke meine Schultern und Arme, spüre meinen Körper, die Anspannung der Muskeln,  den gleichmäßigen Rhythmus des Herzschlags.
Ich atme ein und aus, schließe die Augen, vergesse alles, was andere reden,  tauche nach innen, bin Tiefgräberin und Fährtenleserin in mir selbst.
Eine Minute für ein Leben.
Als ich die Augen wieder öffne, fällt mein Blick auf den Kater neben mir. Er leckt sich das Fell. Sein Schnurren flutet den Raum, ein Klang aus den Tiefen seines Katzenwesens.
Wohlig, zufrieden, glücklich machend.
Wir sehen uns an. Ein grün-grauer und ein blau-grauer Blick begegnen sich. Sein Blick ist geheimnisvoll und beruhigend wie immer.
Ich bin sicher, der Kater ist erleuchtet.
© gabi m. auth

Denken

Gedanken.
Ungebärdige, fremdartige Kinder.
Laufen davon in alle Richtungen.
Kichern und spotten.
Zeigen den Mittelfinger.
Bilder türmen sich auf.
Dunkel.
Die Zukunft hat keine Farben.
Alles scheint verloren.
Liebe. Freude. Leben.
Selbst die Gegenwart,
in der eben noch
die Sonne leuchtete,
ist nun grau,
neblig, düster.
Ich laufe los,
hastig,
ungeschickt zunächst,
ehe der Nebel alles frisst,
was Schönheit atmet.
Ich stolpere,
finde das Gleichgewicht,
nehme Fahrt auf und renne.
Renne, bis die wilden Gedanken
eingefangen und in der
Wirklichkeit verankert sind,
koche Tee, beobachte,
wie die Sonne hervorbricht.
Hinter den Wolken,
dieses große Strahlen.
Es füllt den Innenraum.
Am Grunde des Verstandes
verblassen die düsteren Bilder.
Schweigend und spurlos.
Gedanken.
© gabi m. auth

Wachsen

Wenn meine Füße Wurzeln wären,
ich bohrte sie in die Erde,
tief, so tief als könnte ich
den Erdball vollständig durchwurzeln.
Von einem Ende bis zum anderen.
Ich atmete ein, und ich wüchse,
reckte meine Zweige zum Himmel,
als könnte ich die Sonne küssen
und den Kosmos durchdringen.

Meine Krone überspannte
die Milchstraße vom Anfang
bis in die Unendlichkeit.
Ich wüchse und atmete aus
und würde mitfließen im Strom
wie ein Fisch. Bis zum Meer.
Und hinab in die Tiefe.
Fisch wäre ich und Schwarm und Meer.
In den Ozean würde ich wachsen.

Und wüchse über die Meere hinaus,
in die Wolken wie ein Vogel.
So hoch flöge ich. Und höher.
Bis hinauf zu den Sternen.
Ich wäre die, die ich bin. Immer.
Liebe ist, was mich wachsen lässt.
Liebe ist, was alles wachsen lässt
wie es seiner eigenen Art entspricht.
Was uns nicht wachsen lässt ist keine Liebe.
©gabi m. auth

Ins Herz gefallen

Deine roten Jeans und die Gitarre, die du spieltest.
Auf dem Teppich saßen wir. Ein Kelim oder so.
Der Duft deiner Haare, so nah, verwirrte mich.
Ich hatte Gründe, mich nicht zu verlieben,
so kluge, wo waren die?

Später pflücktest du Blumen. Aus einem Betonkasten am Straßenrand,
gabst sie mir und lachtest, deine Augen
grün irgendwie, oder grau.
Unsere Finger berührten sich. Kurz nur. Zu lang.
Die Hitze in meinem Gesicht. Ich verbarg sie hinter Haaren.
Fühlte mich seltsam. Eine Königin ohne Land.

Unsere Körper erforschten wir. So neu. Und Haut.
So köstlich sanft. Und wir küssten uns. Wieder und wieder.
Liebten die Dunkelheit ins Licht. Dein Herz neben mir.
Haut an Haut ist Leidenschaft und Lust wie unzerbrechlich. Irgendwie.
Und die Gründe, die klugen. Ins Herz gefallen,
Sehnsucht geworden.

L’oiseau noir

L´oiseau noir,
tiny blackbird,
dark feathers
like silk.
wings and eyes
softly glowing,
banned me
on my seat.

L´oiseau noir,
magic blackbird,
dark feathers
like silk.
her voice strucked
my mind,
softly floating,
bittersweet honey.

L´oiseau noir,
mystic blackbird,
dark feathers
like silk.
And wings,oh
so soft were
touching my soul,
when stardust
she trew.

L´oiseau noir,
shiny blackbird,
dark feathers
like silk,
softly turning
all that red
into blue,
stardust
in my wine.

L´oiseau noir,
heavy blackbird,
dark feathers
like silk,
so sensitive,
and powerful;
if ever an angel
is born in hell,
must be like her.

© gabi m. auth