Tiefgräberin

Erleuchtung ist hip.
Doch, ist wirklich wahr. Es ist total angesagt, sich damit zu beschäftigen, über sie zu reden, zu schreiben, oder sie im besten Fall schon einmal real erfahren zu haben, und wenn es nur ein klitzekleines bisschen war.
Es gibt so viele Vordenker, Gurus, die es anscheinend schon erlebt haben und mit leuchtendem Blick davon erzählen.
Da sitze ich nun und fühle mich so gänzlich unerleuchtet, fremdplatziert, eine völlige Fehlbesetzung. Alle sind bedeutend und sagen bedeutungsvolle Dinge. Und ich habe keine Ahnung und sowieso die falschen Klamotten an.
Was soll’s, denke ich, strecke meine Schultern und Arme, spüre meinen Körper, die Anspannung der Muskeln,  den gleichmäßigen Rhythmus des Herzschlags.
Ich atme ein und aus, schließe die Augen, vergesse alles, was andere reden,  tauche nach innen, bin Tiefgräberin und Fährtenleserin in mir selbst.
Eine Minute für ein Leben.
Als ich die Augen wieder öffne, fällt mein Blick auf den Kater neben mir. Er leckt sich das Fell. Sein Schnurren flutet den Raum, ein Klang aus den Tiefen seines Katzenwesens.
Wohlig, zufrieden, glücklich machend.
Wir sehen uns an. Ein grün-grauer und ein blau-grauer Blick begegnen sich. Sein Blick ist geheimnisvoll und beruhigend wie immer.
Ich bin sicher, der Kater ist erleuchtet.
© gabi m. auth

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