Englisches Tagebuch Teil 4: Glockenklang

Katholische Kirchenglocken haben für meine Ohren etwas Alttestamentarisches.
Dieses tiefe Bum Bom Bom Bum Bum Bom.
Das erinnert mich an Gott, wie er erhobenem Zeigefinger im brennenden Dornbusch erscheint, eine Steintafel in der Hand, eine Augenbraue leicht hochgezogen, im Gesicht diesen Ausdruck von du-sollst-keine-anderen-Götter-neben-mir-haben.
Ein Klang, in dem eine düstere Vorahnung des unendlichen ora et labora schwingt. Scharen von Gläubigen ziehen am inneren Auge vorbei zum Gottesdienst. Manche freiwillig, andere zwangsverpflichtet, sich unwürdig fühlende Diener der zehn Gebote, die sie sich kaum alle merken, geschweige denn ständig befolgen können.
Ganz anders das Geläut anglikanischer Glocken mit ihrem fast jazzigen Dam Da Dam Da Da Dam Dam Da Dam Da Da Dam.
Sie scheinen eher zum Spiel zu rufen, statt zur Arbeit. Neutestamentarisch.  Ein lasset-die-Kindlein-zu-mir-kommen swingt in ihrem Klang, und ein -kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid – oder so etwas Ähnliches.
Ein kluger Gott, der das Dienen zum Spiel macht für seine Anhänger , die gebunden werden mit leuchtenden Seidenbändern, so zart, kein Gramm leichter als rasselnde Ketten, aber so unendlich viel hipper.

2 Gedanken zu “Englisches Tagebuch Teil 4: Glockenklang

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