Seidelbast

Die Beeren des Seidelbast rot leuchtend
und giftig wie unechte Freundschaft.

Haiku für eine ehemalige Freundin, die Haikus liebt

Struktur

Im Uhrzeigersinn
dreht es sich,
bewegt es sich,
im Rahmen, den
das Leben steckt.

Breche ich aus,
fließt um mich
die Zeit in
jede Richtung
im eigenen Sinn.

Stehe staunend
am Ufer,
frag mich wohin.
Drehe und wende
das chaotische Herz.

Hier hin und
dort her, doch
immer weiter
im Rahmen, den
das Leben steckt.

Es tanzt in mir
die Lebensmusik
und ich tanze mit
in ihrem Rythmus
im ureigenen Sinn.

© gabriele auth

Verlockend rot leuchtet der Wein

Da sitze ich
allein mit mir
verlockend rot
leuchtet der Wein
in meinem Glas.

Fühle mich quer,
verliere mich,
fixiere mich
so tief in mir
und find mich nicht.

Mit der Gitarre
setzt er sich zu mir
lacht, spielt und singt
vertrauter Blick
verheißungsvoller Klang.

Ich lausche,
schließ die Augen,
mich zieht das Lied,
ich finde mich
in seinem Rythmus.

Zwei sind wir
er und ich
verlockend rot
leuchtet der Wein
in meinem Glas

Wind

Am Anfang
war der Wind,
formloser Atem
des Ursprungs,
strich über
dunkles Nichts
und Alles,
war Klang, war
schöpferisches
Wort,
es werde
Licht und Form
und Wesen
ohne Zahl.
Im letzten
Hauch erwacht
der Mensch
hilflos und nackt
zum Aufstieg
oder Fall.
© gabriele auth

Feind

Da draußen
ist immer
ein anderer
zum hassen.

Ihr lamentiert.
malt es aus,
das Feindbild,
bunt oder düster.

Spürt die Wut.
Sie flammt in euch.
Ein Feuer.
Ein Flächenbrand

Ihr lamentiert,
fühlt euch stark,
so stark.
Hass ist Energie.

Ihr lamentiert,
schreit in die Welt
dumpfe Gedanken,
brennende Worte.

Angstschweiß
tropft
von
eurer Stirn.

Ihr lamentiert,
spuckt dem
Feindbild
ins Gesicht.

Bereit zu töten?

Krieg marschiert.
Feuer lodert.
Zurück bleibt
Asche und
verbrannte Erde.

Keine Liebe
Keine Gnade
Kein Schutz
Kein Leben

nur,

In der Stille,
nach dem Sturm,
im Spiegel,
der Feind.

Und ihr ruft
nach Gott.
Da ist
keine Antwort.

Verbrannte
Herzen
singen
nicht.

Teile
und herrsche
sagt
der Teufel.

Heute ist eben manchmal

Heute ist eben manchmal.
Da nehm ich mir die Zeit.
Ich pflege meine Träume,
dein Lächeln noch in mir,
erforsche neue Räume,
und bin zum Flug bereit.

Ich singe in den Sturm,
lass den Dingen ihren Lauf.
Und wirft es mich zu Boden,
dann steh ich wieder auf.

Heute ist eben manchmal.
Da sitz ich nur so rum.
Ich lass das Leben fließen
und treibe einfach mit.
Stundenblumen sprießen.
Frag mich nicht warum.

Ich singe in den Sturm,
lass den Dingen ihren Lauf.
Und wirft es mich zu Boden,
dann steh ich wieder auf.

Heute ist eben manchmal,
ich nehm mich bei der Hand,
muss nirgendwo ankommen,
bin ja schon immer hier,
hab mir das Recht genommen,
Herz über Verstand.

Ich singe in den Sturm,
lass den Dingen ihren Lauf.
Und wirft es mich zu Boden,
dann steh ich wieder auf.

Heute ist eben manchmal,
da schreibe ich ein Lied.
Ich schick es auf die Reise.
Nimms dir wenn du es triffst.
Ob laut oder nur leise,
komm und sing es mit.

Wir singen in den Sturm
lassen den Dingen ihren Lauf
und wirft es uns zu Boden
dann stehn wir wieder auf.

Erreichen

Manchmal,
wenn das Leben dir
auf die Füße fällt,
sind sie schwer,
so schwer,
und Erschöpfung
wird Heimat und Halt.

Und dann
erinnerst du dich
an dein Ziel
Gedanken und Bilder
fließen zusammen,
wie Bruchstücke
von Leben.

Mal schnell,
mal langsam,
ein vibrierendes
Kaleidoskop.
Der Puls jagt
im Rhythmus
deines Traumes.

Du stellst
es dir vor,
das Erreichen.
Ausdauer, Kraft,
Mut zum Durchhalten,
das ist der Fluss.
Energie strömt neu.

Dieses Gefühl
am Ziel zu sein,
angekommen sein
Da ist Erinnerung
an den Weg,
an jede Etappe.
Und Lachen.

Ja, lachen,
so laut.
Und Staunen.
Prickelnde
Freiheit des Sieges.
Fantasie?
Vielleicht.

Träumen,
laufen,
alles geben,
träumen.
Loslegen,
kämpfen.
Selbstvertrauen.
Einfach so. Alles geht.
©gabriele auth

Meine Zelle

Meine Zelle ist ein Labyrinth,
verschlungen, verwirrend,
atemberaubend und grau.
oder
Meine Zelle ist eine Wüste,
fieberheiß, grenzenlos
bis zum Horizont.
oder
Meine Zelle ist ein Garten
blühend, erfrischend
nährend und voll von Düften.
oder
Meine Zelle ist eine Höhle
heimelig, liebespendend
verborgen und Trost.
oder
Meine Zelle ist der Himmel
endlos, voller Möglichkeiten
sternentrunken und Ewigkeit.
Meine Zelle ist in mir.

Wüstenwind

Manchmal,
wenn der Wind
aus der Wüste
durch mein
Wesen zieht,
bringt er die
Erinnerung
an jene Zeit,
als mein Herz
zerbrach.

Versunken
trieb es in
Leere und
Dunkelheit,
bis einer es
neu belebte
und es erwachte,
eingeschnürt
in ein Korsett
aus Tränen.

Ziellos
umhertaumelnd
in Lust und
Leidenschaft,
gierig nach Leben,
liebesdurstig.
Einer kam,
hob es auf und
hütete es wie
einen Schatz.

Allmählich
heilte es,
schwanden Tränen
und Scham, und
der Wüstenwind
ist nur ein
freundlicher,
alter Mann,
dem ich lächelnd
mein Wesen öffne.