Rost

An solchen Tagen
aus Licht und aus
spinnwebfeinem Lachen
sitzt du mit  anderen
beim Wein, glücklich,
freundschaftstrunken.

Und Liebe weht vorbei.

Doch in der Nacht
weinst du die Tränen
der anderen, gehst
stumm und wehrlos
in die Knie, gebeugt
unter dem Schmerz,
den einer tief
in seinem Herzen
eingemauert hat,
fest versiegelt
mit drei Ketten:

Eine aus Blindheit
und Unwissenheit.

Eine aus Angst
vor der Wahrheit.

Und die dritte,
die stärkste,
aus Sehnsucht
nach Liebe.

Du weinst und weinst,
bis deine Tränen
Rost erzeugen und
noch mehr Rost, der
wirkt, der wächst und
der die Ketten sprengt.

 

Ach

Ach. Barbie,
Pyramidenbrüste,
zerbrechliche Taille,
mit zwei Händen
zu umfassen.
Hände, wie die von Ken.

Ach. Ken,
der starke, der aufrechte,
der über alle Köpfe ragte.
und seine Haut wie
Barbies , so glatt,
so glänzend .

Barbies Haare, lang bis zu
den  Schulterblättern,
nur etwas strohig
mit der Zeit,
heillos verworren
und stumpf.

Schön war sie trotzdem,
Füße in High-Heels, und
Beine, ach Beine,
fast endlos, ein
feuchter Puppentraum.
Doch nicht für Ken.

Ken hatte nie
feuchte Träume,
nur eine glatte
Fläche zwischen
seinen Schenkeln
geschlechtsneutral.

Genauso wie Barbie.
Untenherum so
verstörend gleich.
Liebten sie sich?
Oder,
wenigstens Sex?

Verstohlen lautlos,
wenn wir schliefen?
Bloß wie?

Weltengesang

Verwirrend ist die Welt.
Ich hab keine Arbeit,
du hast kein Geld,
doch wir haben
Brot und Wein, und
in unseren Augen
spiegelt sich die Sonne.

Vor uns die Straße
ein unendliches Band
trifft am Horizont
den Himmel, vertraut,
und dennoch unbekannt,
aber deine Hände
sind wie Lieder.

Weiter zieht das Leben
uns tief in sein Herz,
ein Kind der Liebe ist
die Sehnsucht, nur
Erinnerung der Schmerz.
Morgen ist weit, und
Lachen fliegt mit Wolken.

Seltsame alte Welt
bleibt hinter uns zurück
wie ein Hund, der bellt,
aber nicht mehr beisst
erschreckt sie uns nicht,
und mit deinen Haaren
vereinen sich die Sterne.

 

wie will ich leben?

in Freundschaft
sich aneinanderfügen und beschnuppern,
dem anderen Wesen Freiraum schenken
und Respekt,
im offenen Miteinander vom Gift
der Bitterkeit genesen und so
erfahrbar werden füreinander und
begreiflich.

Offen und einfühlsam  Vertrauen leben,
das Staunen und die Freude spüren,
wenn ich entdecke und erkenne,
das Du,
das Ich,
dass Ich und Du
so sein und wachsen dürfen,
wie es das innere Wesen stärkt
in Liebe.

 

Kein Liebesgedicht

Ein fremdartiges Gefühl,
beängstigend, aufregend,
hoffnungsvoll zugleich,
wenn er mich ansieht.
Mit Bernsteinaugen wie
Scherben von Bierflaschen,
die man in die Sonne hält.

Wie könnte ich ihm trauen?

Trotzdem, tief innen,
ein Kribbeln, ein Bersten.
Mein Herz fließt fort.
Kernschmelze.
Es wird weh tun.
Und dann?

Vergessen (für eine Liebe)

Will vergessen, wie du aussiehst,
dein Blick, dein Haar, das ganze Du,
doch dieses Kribbeln, wenn wir lachten
ist immer noch hier, summt weiter in mir.

Seltsam, wie der Wind das Leben
auseinanderfegt, wie dürres Herbstlaub,
wie feiner Sand, der sich auf alles legt,
auch auf die Erinnerung.

Werd vergessen, wie ich weinte,
bin darüber beinahe froh, deine Finger
in meinem Haar, ein leiser Gesang
zartherber, erlöschender Klang.

Seltsam, wie der Wind das Leben
um die Häuser fegt, wie dürres Herbstlaub,
wie feiner Sand, der sich auf alles legt,
auch auf die Erinnerung.

Hab vergessen, wie du fortgingst
will es auch nie wieder sehn,
deine stumme Gestalt, geschlossene Tür,
ich blieb hier,alleine bei mir.

Seltsam, wie der Wind das Leben
durcheinanderweht, wie dürres Herbstlaub,
wie feiner Sand, der sich auf alles legt,
auch auf die Erinnerung.

Lillith

Hell war ich, als man mich schuf. Und aufrecht. Meine Lippen wie Blätter einer Rose. Sanft.
Meine Flügel leuchteten im Licht des ersten Tages.
Ach ja, und  Salomo, er schrieb das Hohelied für mich.
Gefährtin wollte ich sein, dem Ersten wie dem Letzten.
Nicht untertan.
Die Schlange deiner Angst wand sich um deine Seele, sprühte dir Gift in den Verstand. Sie weckte Lust und Hochmut bis das Feuer deiner Gier den Sinn dir trübte.
„Ich bin der Herr“, so brülltest du.
Deine Stimme war ein Messer.
Die Flügel wolltest du mir brechen und schuldig nanntest du mich, schuldig an deiner Angst und deiner Geilheit.
Hass fraß sich in dein Herz.
Hass weckte deine Arglist.

Und da war niemand.
Ausser uns, den Erstlingen.

Ach, ich hätte dich geliebt, doch ging ich fort.
Ließ dich zurück mit deinem Zorn und all der Gier nach Macht.
Zu schwach warst du für meine wilde Liebe.

Da schuf man dir ein neues Wesen und band es an dein Blut.
Eine, die keine Flügel hatte, eine, die bereit war, sich zu beugen.
Wie du sie hasst, sie schlägst, durch deine Tage schleifst, dass ihre Brüste bluten und  Steine ihr das Herz zerfetzen.
Wenn du sie schändest, röhrt deine Lust meinen Namen.
Doch deine Lippen bleiben trocken, stumm, verschlossen wie die Tür zur Liebe.
Und wenn du sie ins Feuer schleuderst, sie steinigst, knebelst, sie zwingst Gesicht und Körper zu verhüllen bis zur Unkenntlichkeit, oder sich nackt und schutzlos den Hieben deiner Blicke preiszugeben wie eine Ware auf dem Wühltisch deiner Lust, suchst du verzweifelt mich in ihr.

Spürst du den Funken, der uns beide schuf in ihrem Wesen?

Ja, ich verließ dich, doch war es nie mein Ziel, dich zu besiegen, nur unsere Ebenbürtigkeit wollte ich leben.
Mit dir.
Ihr Schmerz, ihr Leid – der Preis, den ich für dein Versagen zahle-  Adam.

Nicht Supergirl

Immer wieder raten, was einer will. Es aus Augen lesen bevor es ausgesprochen ist. Die verdammte Verantwortung spüren für Alles und Jeden. Für jeden Klecks an der Wand, jede Träne und jedes mürrische Zischen im Umkreis von tausend Kilometern. Wer wird sich verantwortlich fühlen, wer das Fenster schließen, wenn der Sturm mich an die Wand drückt, wenn Furcht mein Rückrat fast verdreht? Ist da wer? Im Sturm? Ausser mir? Ich knalle das Fenster selber zu. Stemme mich mit aller Kraft dagegen, begegne dem Tosen. Ich für mich. Verantwortlich. Das Ende der Verfügbarkeit. Everybodies darling is not everybodies friend. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, werde ich da sein, wenn deine Welt aus Mauern besteht, eine offene Tür sein zwischen Wänden aus Stahl, zu dem Raum, in dem du dich selber triffst. Da sein. Mehr nicht. Berührbar, nicht verfügbar.

Zeit für Prinzen

Der, auf den sie lange schon wartet. Der, der mit ihr in den Sonnenaufgang reiten soll. Jetzt, wo er vor ihr steht, ist da eine seltsame Wundheit in ihrer Seele und ihr Herz hüpft eine Million Mal. So als hätte es Schluckauf. Bis es weh tut. Aber, selbst wenn sie die Luft anhält, hört es nicht auf. Er fordert sie zum Tanz. Sie lächelt wie betrunken. Wenn das Herz so ungestüm hüpft, setzt die Wahrnehmung aus. Der Traum fängt an. Sie tanzen. Und tanzen. Sie dreht sich, bis ihre Füße wund sind. Sie tanzt, bis ihre Beine schmerzen. Sie muss weiter tanzen. Immer weiter. Wie in dem Märchen mit den roten Schuhen. Ihr Prinz schleift sie im Kreis und rund und herum. Sein Lachen klingt wie Rasierklingen. Sein Blick hat jede Sanftheit verloren. Bis sie am Boden liegt. Wie tot. Das Herz so müde, schwer wie rostiges Eisen. Sag, wo ist jetzt der Zauber? Ihr Prinz flieht in den Sonnenuntergang. Die Nacht zieht herauf. Und beim nächsten Prinzen wird gar nichts besser. Der, auf den sie wirklich wartet hat, kommt nicht auf einem weißen Pferd. Vielleicht kommt er mit dem Bus, mit dem Rad oder zu Fuß. Seine Krone verstaubt in irgendeiner Ecke seiner Zweizimmerwohnung. Wenn er vor ihr steht, hüpft ihr Herz nicht. Es dehnt sich aus. Sie sehen sich an. Ruhig. Die Wundheit der Seele löst sich . Sie nehmen sich bei der Hand. Ihr Herz lehnt sich an seines. Der erste Schritt. Und noch einer. Am Nachthimmel blühen Sterne. Sie gehen, teilen sich miteinander, ihr Licht, ihre Dunkelheit. Es ist der Moment. Sie weiß es und sie pfeift auf den Sonnenaufgang.

Pott Pearls

Das vielgeschmähte, einst voller Ruß und Schlote, mein Land im Westen, wo über Hochöfen der Himmel brennt. Wo die Augen der Großväter leuchteten in müden Gesichtern, bedeckt mit dunklem Staub, der von der Kohle zeugte. Mit schwieligen Händen aus dem Schacht gegraben.
Und meine Stadt, die spröde, die oft nach Seeluft schmeckt. Nicht mehr so ganz im Inland und doch noch nicht am Meer. Da, wo alte Kerle „anne Bude“ gehen. Bei Bier und Kurzem mit den Kumpels reden. Über Rot-Weiß und über Kalle von nebenan, den seine schwarze Lunge langsam um die Ecke bringt. Mit schweren Schuhen schlurfen sie durch schmutzigbraunen Schnee. Über ihnen der Himmel, grau und drückend wie die Last der Jahre. Doch wenn sie lachen spürt man Sonne. Mutter heisst „Mudder“. Man sagt: „Komma här“ wenn man sich ruft. Und viele Worte klingen rauh und schroff wie alte Steine, dort, wo man oft auch mit dem Herzen sieht.
Wo am Kanal die Kähne tief im Wasser liegen. Wo braungebrannte Bengels von der Brücke springen. Sie lachen, wenn das Wasser aufspritzt. Voll prickelnder Erleichterung und weil die Mädchen kreischen vor Angst. Und aus Bewunderung.
Wie oft hab ich ihn schon verlassen, fand sanfte Hügel, weites Meer, fand liebevolle Worte in einem anderen Land. Wie oft sprach ich davon, nie mehr zurückzukehren. Ich weiss, das Paradies hat er mir nie versprochen. Doch wenn ich aus den sonnig süßen Weiten mich langsam auf ihn zu bewege, den Kreis durchbreche und die schwere Luft mir fast den Atem nimmt, dann singt ganz leise auch ein Liebeslied in mir. Ein Lied für seine grauen Städte und sein helles Herz. Ruhrpott, so unfassbar. So rätselhaft vertraut. So bittersüß geliebt.