Apollos Atem

Wie es riecht, so unbeschreiblich,
süßwürzig, luftigfrisch
nach aufbrechender Erde,
nach sprießendem Grün, und
nach Staub in den Sonnenstrahlen.

Winzige Blüten recken
ihre blauen Köpfe ins Licht,
und die Vögel, sie jubeln
und singen und hören nicht auf,
ein Chor der Lust auf Leben

Apollos belebender Atem
streicht liebevoll schelmisch
über jedes Wesen, die großen,
wie die allerkleinsten, und es lacht
und lacht, und alles lacht mit, Frühling.
© gabi m. auth

Isola Sicilia

Kann dich nicht verlieren,
dein Name unvergänglich
in mein Herz gebrannt,
ein süßes Feuermal.
Mit heißen Fingern wühlte
der Scirocco sich
in meine Augen, bis sie
halb blind und starr
schemenhafte Kräfte
auf den Feldern ahnten.
Die tanzten silbern dort
und schön.

Betörend und kühl salbte
Tramontana die Wunden
meiner Nacht, wehte in
mein glühendes Hirn,
bezwang die Geister,
und lehrte mich sehen.
Unbegreifliche Schönheit
der Vergänglichkeit.
Abblätternde Farbe
auf einer alten Tür,
sanft verwitternd
wie das Leben.

Wie ich dich hasste, als
in der Glut des Sommers,
Schmetterlinge starben,
zerbrechliche Flügel
betäubt im Straßenstaub,
einer für jeden meiner Träume.
Und wie liebte ich dich, wenn
Abendsonne das Leben färbte,
ein graublaues Meer aus
Zärtlichkeit und Gier nach Leben
mich in den Armen wiegte,
unbegreiflich still.

Leuchtende Insel, du
schöne, stolze Königin,
geschändet, verraten ,
tausendfach geschmäht.
Offenbartest, was ich bin
und heiltest den Schmerz
einer Leidenschaft, der
unheilvollen, vergifteten,
die niemals atmete.
Als die Trauer zerrann,
wurde Freiheit geboren,
das Kind der Liebe.
© gabriele auth

Um drei ist Kaffeezeit

Um drei ist Kaffeezeit,
sie tanzen dumpf den Reigen,
unberührt von Herz oder Verstand,
rechts-seit-schritt-seit.
und rundherum im Kreise,
brav auf den Teller blickend,
niemals über seinen Rand.

Um drei ist Kaffeezeit,
sie ducken sich, wo sie nicht
treten können und treten,
wo ein anderer sich duckt
und grölen Abendland und beten,
und haben Schaum vorm Mund,
wenn sich ein Moslem muckt.

Um drei ist Kaffeezeit,
man trinkt jetzt Cappuccino.
Man ist modern, und findet Hellas toll.
Dem faulen Griechen allerdings,
dem würde man gern sagen,
von nichts kommt nichts, und
dass er sich am Riemen reißen soll.

Um drei ist Kaffeezeit,
ich danke und verzichte
nehmt’s  mir nicht übel,
mit eurer Zeit habe ich
nichts am Hut, und allen
Griechen sei gesagt, ich
danke Euch für Mikis, für
seine Lieder, wie für euren Mut

Um drei ist Kaffezeit,
es lebe hoch der Stinkefinger,
den die verdienen, die voll Wut
nur lamentieren laut und schrill.
Am Un-Wesen wird nicht
die Welt  genesen, hätt einen Wunsch ich,
ich wüsste, was ich will.

Um drei ist Kaffeezeit
Zur Hölle mit dem Stumpfsinn.
Ich wünschte Freiheit uns,
und einen wachen Geist,
der Piefigkeit und Hochmut
von der Erde wehte, mal hier
mal dort, mal laut, mal leis.

Um drei ist Kaffeezeit,
ich wünschte er würd wehen,
im nahen und im fernen Osten,
in Europa, in Russland, USA.
Rund um den Globus soll er toben,
bis alle Hirne endlich sauber,
die Augen offen und die Herzen klar.

Und Liebe, als ein Kind der Freiheit,
umfange jeden, ohne Ansehen
seiner Haut und seiner Religion.
Wenn wir uns so die Hände reichten,
schlöss um die Erde sich der Kreis,
Leben kann ein wunderbarer Ort sein,
für den, der es zu schätzen weiß.
© gabi m. auth

Danke an Thomas Sonnabend und seinen Blog für die Anregung.

Um drei is Kaffeezeit!

Elegie und Freude

Sonnenlicht hinter Wolken,
so ein weißgoldenes Strahlen.
Wind, der flüsternd die Blätter
der Birke zum Tanz auffordert,
zart und zerbrechlich grün.
Tagtrunkene Vögel, singend,
Kreise ziehend im freien Flug.
Ein großer Gesang.

Poesie der Schöpfung
mit luftiger Hand ins
Menschenleben gezeichnet.
Und ich stehe am Fenster
sehe, staune, halte
mein Herz mit beiden Händen,
damit es nicht stolpert, das
überschwängliche Ding.
© gabi m. auth

Etwas ist anders

„Zerbrich dir nicht den Kopf“, sagt er, „über uns oder über Sex. Du machst dir zu viele Gedanken.“
Er dreht das Feuerzeug zwischen den Fingern.
Sie schweigt. Sieht auf seinen gesenkten Kopf.  Seine Haare sind ein bisschen verstrubbelt.
Sie mag das.
Gedanken?
Es gibt Sätze, die in einer Minute alles ändern können. In Katastrophenfilmen sind es oft die Präsidenten, die diese Sätze zur Bevölkerung sagen.
Machen Sie sich keine Gedanken. Alles wird gut.
Währenddessen rast ein Komet auf die Erde zu, unverändert auf Kollisionskurs, begleitet von bedrohlicher Musik.
Dolby surround.
Man greift in die Popcorn-Tüte, teilt das Verlangen der Protagonisten, ein paar Klamotten zu packen und abzuhauen. Nur wohin? Da ist nichts, wohin man flüchten könnte.
Das ist das Verteufelte an solchen Sätzen, dass sie etwas Schicksalhaftes in sich tragen. Etwas, das sich der eigenen Kontrolle entzieht. Vielleicht bleibt man verschont. Der Komet zieht vorbei. Man weiß es nicht.
Und während Menschen so tun, als machten sie sich keine Gedanken, arbeitet die Regierung daran, die Katastrophe zu verhindern.

In ihrer Beziehung gibt es keine Regierung.
Es gibt sie beide, einen Mann und eine Frau.
Sein Satz schwebt noch zwischen ihnen im Raum, als sie bereits eingestiegen ist in den Brain-Shuttle. Auf ihrer inneren Leinwand läuft ein Film, er wie er zur Tür hinausgeht, ohne sich umzudrehen. Für immer.
In Dauerschleife.
Er legt das Feuerzeug zurück auf den Tisch. Sieht sie jetzt an. Im Kerzenlicht wirken seine Augen fast schwarz.
„Warum sagst du das?“ fragt sie. „So aus heiterem Himmel. Ich hab nicht mal angedeutet, dass ich mir Gedanken um uns mache. Ich mach mir keine.“
Er sitzt ihr gegenüber. Eben erst zurück von einer Reise für seine Firma. Er schweigt, sieht sie an mit diesem beruhigenden Präsidentenblick.
„Ich hatte das Gefühl, dass du dir den Kopf zerbrichst“, sagt er.
„Warum?“
„Keine Ahnung. Es war irgendwas, das du am Telefon gesagt hast. Ich erinnere mich nicht genau.“
Und dann spricht er ihn aus, den zweiten Satz, den, der den Kometen übergroß und bedrohlich in ihr Gesichtsfeld rückt.
„Jedes Mal, wenn ich für die Firma unterwegs war, fühle ich mich ein bisschen verändert. Ein Stück freier.“
Sie spürt wie etwas Kühles sich in ihr breit macht. Langsam, wie Regen, der durch ein undichtes Fenster tröpfelt.
Sie weiß, dass es stimmt, was er sagt. Nicht für jedes Mal, aber für dieses Mal ist es wahr. Sie wusste es, als er zur Tür hereinkam.
Etwas war anders. Etwas in seinem Blick.
Vielleicht würde bald alles anders sein.
Vielleicht würde der Komet in ihr Leben knallen.
Boom
Und Schluss.
Kann man für Liebe kämpfen?
Hollywood, die Popmusik, Romane, viele erzählen, dass man es kann. Doch Liebe ist kein Pokal für den Sieger einer Schlacht. Liebe geht, wenn der Kampf beginnt.
Aber, denkt sie, ich will nicht sitzen und warten, erstarrt wie ein Kaninchen im Licht eines Autoscheinwerfers.
„Wolltest du mir echt nur sagen, dass ich mir keine Gedanken machen soll“, fragt sie. „Oder wolltest du sagen, dass du frei sein willst?“
Er antwortet nicht.
Such die Liebe in dir, flüstert eine Stimme in ihrem Kopf.
Ist da Liebe in ihr für diesen Mann, der anders ist? Diesen Fremden?
Oder ist da nur der Komet, der alles pulverisieren könnte?
Ist sie nicht selbst eine Fremde?
Ein fremder Mann und eine fremde Frau.
Sie könnten sich kennenlernen, vielleicht sogar lieben.
Und die Freiheit?
Was ist mit seiner Freiheit?
„Such Freiheit in dir selber“, sagt sie. „Sie ist da, wo die Liebe ist. Ich hab sie dir nie genommen.
Sie sind ein Paar, Freiheit und Liebe.
Er zündet sich eine Zigarette an, bläst den Rauch in die Kerzenflamme. Es flackert bläulich.
Sie sehen sich an.

Für den Koraspieler und für Frank und Gina

Vor dem Sirtaki konnte ich
tanzen, ehrlich. Mit Worten.
Rundherum schwirrten sie
in meinem Kopf, bis
ich mein Tuch verlor.
Zu Boden fiel es,
verschämt ihr zu Füßen.

So stolz war sie
mit Augen, schwarz
wie Feuer ohne Glut.
Sie nahm das Tuch
und gab es mir, und
es schwiegen die Worte,
erstarrt im Moment.

Mein Kopf, eine Blume,
erblüht am fremden Strauch.
Vor dem Sirtaki wusste ich
nichts von Delfinen.
Dann verstummte die Musik
und die große Schweigerin
fegte die Worte aus meinem Kopf.

Sie tauchte sie in den Strom.
Odysseus war ich
und Jason, und  weit
entfernt am Horizont
versank Kreta im Dunst,
Echo der Vergangenheit,
eine unbeweinte Insel.
© gabi m. auth

Raum

Leere schafft Raum
für Musik, für Klang
das Strömen von Licht
Partikel des Glücks.

Entfesselter Raum
träumendes Sein,
die Wahrheit ist Jetzt
nie einsam, nur allein.

Atmender Raum,
entschlüsseln des Ich
versiegeln der Angst,
ganz ich für mich.

Klingender Raum,
verhallender Ton, ganz
gebunden und frei
das Leben ein Tanz.
© gabriele auth

Tiefgräberin

Erleuchtung ist hip.
Doch, ist wirklich wahr. Es ist total angesagt, sich damit zu beschäftigen, über sie zu reden, zu schreiben, oder sie im besten Fall schon einmal real erfahren zu haben, und wenn es nur ein klitzekleines bisschen war.
Es gibt so viele Vordenker, Gurus, die es anscheinend schon erlebt haben und mit leuchtendem Blick davon erzählen.
Da sitze ich nun und fühle mich so gänzlich unerleuchtet, fremdplatziert, eine völlige Fehlbesetzung. Alle sind bedeutend und sagen bedeutungsvolle Dinge. Und ich habe keine Ahnung und sowieso die falschen Klamotten an.
Was soll’s, denke ich, strecke meine Schultern und Arme, spüre meinen Körper, die Anspannung der Muskeln,  den gleichmäßigen Rhythmus des Herzschlags.
Ich atme ein und aus, schließe die Augen, vergesse alles, was andere reden,  tauche nach innen, bin Tiefgräberin und Fährtenleserin in mir selbst.
Eine Minute für ein Leben.
Als ich die Augen wieder öffne, fällt mein Blick auf den Kater neben mir. Er leckt sich das Fell. Sein Schnurren flutet den Raum, ein Klang aus den Tiefen seines Katzenwesens.
Wohlig, zufrieden, glücklich machend.
Wir sehen uns an. Ein grün-grauer und ein blau-grauer Blick begegnen sich. Sein Blick ist geheimnisvoll und beruhigend wie immer.
Ich bin sicher, der Kater ist erleuchtet.
© gabi m. auth

Denken

Gedanken.
Ungebärdige, fremdartige Kinder.
Laufen davon in alle Richtungen.
Kichern und spotten.
Zeigen den Mittelfinger.
Bilder türmen sich auf.
Dunkel.
Die Zukunft hat keine Farben.
Alles scheint verloren.
Liebe. Freude. Leben.
Selbst die Gegenwart,
in der eben noch
die Sonne leuchtete,
ist nun grau,
neblig, düster.
Ich laufe los,
hastig,
ungeschickt zunächst,
ehe der Nebel alles frisst,
was Schönheit atmet.
Ich stolpere,
finde das Gleichgewicht,
nehme Fahrt auf und renne.
Renne, bis die wilden Gedanken
eingefangen und in der
Wirklichkeit verankert sind,
koche Tee, beobachte,
wie die Sonne hervorbricht.
Hinter den Wolken,
dieses große Strahlen.
Es füllt den Innenraum.
Am Grunde des Verstandes
verblassen die düsteren Bilder.
Schweigend und spurlos.
Gedanken.
© gabi m. auth

Ins Herz gefallen

Deine roten Jeans und die Gitarre, die du spieltest.
Auf dem Teppich saßen wir. Ein Kelim oder so.
Der Duft deiner Haare, so nah, verwirrte mich.
Ich hatte Gründe, mich nicht zu verlieben,
so kluge, wo waren die?

Später pflücktest du Blumen. Aus einem Betonkasten am Straßenrand,
gabst sie mir und lachtest, deine Augen
grün irgendwie, oder grau.
Unsere Finger berührten sich. Kurz nur. Zu lang.
Die Hitze in meinem Gesicht. Ich verbarg sie hinter Haaren.
Fühlte mich seltsam. Eine Königin ohne Land.

Unsere Körper erforschten wir. So neu. Und Haut.
So köstlich sanft. Und wir küssten uns. Wieder und wieder.
Liebten die Dunkelheit ins Licht. Dein Herz neben mir.
Haut an Haut ist Leidenschaft und Lust wie unzerbrechlich. Irgendwie.
Und die Gründe, die klugen. Ins Herz gefallen,
Sehnsucht geworden.