Spatzentage 6

Manchmal klingt das Tschilp Tschilp des Federlings schon richtig erwachsen.
Mehr so, wie Lebensfreude, und weniger wie Hunger. Heute kamen viele Twitter und whatsapp Nachrichten auf meinem Smartphone an. Ich weiß nicht, wer das kennt, aber bei mir werden die immer mit so einem Tschilp-Ton gemeldet. Der Piepmatz hat auf jede verdammte Meldung geantwortet. Seine Flügel sehen schon richtig spatzenmäßig aus, und bei der Handkuschelrunde bewegt er seinen Kopf so, wie große Spatzen es tun, ein wenig schräg geneigt mit einem Blick in meine Richtung. Das Federkleid an seinem Bauch ist dichter geworden. Man erkennt auch schon das typische braun-weiße Muster.   Manchmal glättet er die Federn an seinen Flügeln mit dem Schnabel, so wie ich mir die Haare kämme.  Danach plustert er sich auf und sieht aus wie eine kleine, wuschelige Kugel mit Augen und einem Schnabel dran.
Irgendwie wird er nur nicht mehr richtig satt. Ich wühle mich wieder mal durch eine verdammte Million Google-Einträge. In einem der Foren steht, dass das Nestlingsfutter, dass er bekommt, nicht gut für Vogelbabies ist. Mist. Dann entdecke ich die ausdrückliche Warnung vor Mehlwürmern.  Oh nein. Nestlinge sollen die auf gar keinen Fall essen. Ästlingen darf man ab und zu einen geben. Aber was ist er denn nun? Ein Ästling oder ein Nestling?
Ein Ästling, erfahre ich, ist ein Jungvogel, der sein Nest verlassen hat, aber noch von den Eltern versorgt wird. Ich entscheide, dass Federling so jemand ist.
In anderen Foren steht übrigens, dass Mehlwürmer klar gehen, wenn man die Köpfe knackt. Das ist typisch für den welt-weiten-Wühltisch. Einfach jeder tut seine Meinung kund, verkauft sie als Tatsachen und man muss für sich selber herausfinden, was denn nun stimmt. Ich bin dafür, dass man verpflichtet wird, ein könnte vor seine eigenen Ansichten zu stellen. Etwa so, die Erde könnte eine Scheibe sein. Oder, die Erde könnte eine Kugel sein.
Quod erat demonstrandum.
Okay, Ich rase also mit dem Roller zur nächsten großen Zoohandlung und frage nach geeignetem Futter. Die Leute da sind nett, haben aber nur das Zeug, dass der Federling sowieso schon bekommt. Sie bieten mir Heimchen an. Im Internet steht, dass Jungspatzen die essen dürfen.
Ich nehme sie. Als ich bezahle, wünscht die Verkäuferin mir viel Vergnügen beim Heimchen fischen. „Wieso?“ frage ich.
„Weil die aus der Schachtel hüpfen.“
Ach du Schande, ich sehe mich schon durch die Wohnung hechten und Heimchen jagen.
„Kann man die einfrieren?“ frage ich
Die Verkäuferin lacht und sagt, dass das die meisten so machen und die Viecher kurz vor dem Verzehr wieder auftauen. Dann empfiehlt sie mir noch, wegen des Futters zur Taubenklinik zu fahren. Wusste nicht mal, dass es so was hier gibt. Aber ist irgendwie logisch. Ich meine, ich lebe schließlich im Pott und wir sind so etwas wie die Hochburg der Taubenzucht.
Ich bin erleichtert.

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