Alter Freund

Leben meint
wachsen, erkennen,
fließen, meint
zu verstehen und
immer zu wissen,
dass Einer wartet
an der Tür.

Den Weg zu wählen,
so frei, so leicht
lächelnd rufen
Hey, alter Freund,
sieh mich an,
sieh nur her.
Ich komme schon

Doch zuerst steig ich
auf mit der Sonne und
tanz ich mit dem Mond.
Auf der Spur der Sterne
durchzieh ich die Welt,
Wehmut in der Seele,
im Herzen ein Lied.

Über die Erde
zieh ich vorwärts,
zum Anfang zurück.
Hör im Flug der Lerche,
Nachtfalter singen.
Gesänge wie
Schöpfungsklang.

Dann, Tod,
alter Freund,
in deine Arme
nimm mich und
gib Zuflucht mir
in deiner großen
Zärtlichkeit.

© gabi m. auth

Wegweiser

Damals,
oder gestern.
Ich suchte
das Gefühl,
ganz zu sein.
Herz und Verstand
im Gleichklang.

Und dann Du.

In mein Leben
gehuscht.
Einfach so.
Musik in den Augen
So blau und grün
Oder manchmal grau.
Wie Nebel.

Deine Hände.

Das Erstaunen
als ich ihre
Kraft spürte.
Halten können sie
und lassen.
Herzen leuchten
wie Feuerwerk.

Immer wieder.

Der Verstand.
Ein stiller See
im Mondlicht
so in mir
mit Dir
so in Dir
mit mir.

Gefunden

das Gefühl,
heil zu sein.
Den Weg tanze ich.
Und du bist
Wegweiser,
Wegbegleiter,
Geliebter,

Freund.

Wege verblassen.
Das Leben,
ein freies Feld.
Unsere Spuren
nebeneinander,
eine Spirale
aus Musik.

© gabi m. auth

In Ne Halt En

Gnothi seauton –  Erkenne dich selbst,
stand über dem großen Torbogen in Delphi.
Der Wegweiser zum Orakel.
Die Botschaft des Universums.
An den Menschen.
An Dich. An mich.
Ganz einfach oder?
Erkennen, wer wir wirklich sind in der Tiefe unseres Wesens.
Bist Du schon  lange damit beschäftigt, tiefer in dich einzutauchen?
Zu entdecken, wer du bist und wer du sein willst?
Strengst dich an.
Folgst hier einer Lehre und dort einer Idee.
Legst  viele Facetten frei.
Empfindest endlich Ganzheit.
Denkst, du weißt alles, was es über dich zu wissen gibt.

Warum geschieht trotzdem nicht das Wunder?
Das, worauf du als Sucher im Orakel des Lebens  wartest?
Dieses ganze Erkenne dich selbst,
warum hat es dich nicht frei gemacht?
Die Antwort liegt in einer kleinen Pause .
Im Innehalten beim Eintritt in das Orakel.
In der Stille hinter dem D ich. Ich.
Etwas verändert sich im Inneren.
Die Botschaft des Orakels kommt in umgewandelter Form bei dir an.
Erkenne Dich,
Selbst.
Selbst,
erkenne Dich.

Aufwachen aus dem Traum.
Erkennen, was immer schon ist.
Die Ewigkeit im Menschen.
Immer schon.
Die Ewigkeit in dir.
Sieh dich an. Sieh dich wirklich an. Sieh in das Gesicht der Ewigkeit.
In der Stille  die Stimme, die dich schon immer begleitet
Ich bin, der ich bin.
Kein Weg ist falsch, der dieser Stimme folgt.
Kein Weg ist falsch, der dein ureigener Weg ist.
Ein Ziel gibt es in Wirklichkeit nicht.
Es gibt nur die Bereitschaft, zu gehen.

© gabi m. auth

Tanz

Die Wanduhr tickt wie ein Lebensschrittmacher:
Tick und Tick und Tick.
Eine Uhr hat keinen Rhythmus, nur einen Takt. Rhythmus ist Leben, Takt ist Tod, denke ich.
Der Kühlschrank springt an mit diesem summenden Geräusch, das nach wenigen Minuten immer abrupt abbricht.
Mein Blick wandert zum Fenster hinaus auf den bewölkten Himmel und die Kronen zweier Birken, die sich im Wind wiegen.
Menschen können wie Bäume sein, die sich im Sturm beugen und ächzen, ohne zu brechen.
Heute geht nur ein leichter Wind und die Bewegung der Baumkronen gleicht einem versonnenen Tanz. Sturm lässt die Bäume anders tanzen, heftiger, stampfender, trotziger.
Ich will mein Leben tanzen, nicht marschieren.
Ich trinke den letzten Schluck schwarzen Tee aus meiner Tasse und lausche den Krähen, die vor dem Haus schreien.
Krähen sind irgendwie immer da.
Die Wolkendecke vor dem Fenster reißt kurz auf. Leuchtende Sonnenstrahlen vermitteln den Eindruck, als wäre hinter dem ganzen Wattewolkengrau ein lichter Raum.

Wird das Ticken der Wanduhr eigentlich lauter, oder kommt es mir nur so vor, weil ich so weit entfernt bin von dem Kind, das Laufen lernte. Äonen des kognitiven Erfassens, des Denkens und Katalogisierens von Erfahrungen.
Die Sonne zeichnet eine Lichtbahn auf den hellen Holztisch.
Perfekte Analogie.
Mein Hals wird eng. Ja, ich bin eine Verstandesbreite entfernt von dem Kind.
Der Verstand ist eine brauchbare Einrichtung, aber er liebt es, zu dominieren. Ein klassischer Macho, der sich in den Schritt fast, während das Gefühl verunsichert schweigt, aber es wollte doch…….
Liebes Gefühl, biete dem Kerl zwischendurch mal die Stirn.

Welche Instanz schreibt?
Wer ist eigentlich die, die „Ich“ sagt?
Draußen läuten die Kirchenglocken, untermalt vom Krah Krah der Krähen.
Das Ambiente bekräftigt die Frage: „Wer ist die, die „Ich“ sagt?
Die Windspiele vor dem Fenster und einige Spatzen und Meisen finden sich zu einem unbeabsichtigten Chor.
Alles zusammen ergibt eine Melodie, Natur und Technik im Einklang.
Ich bin die, die „Ich“ sagt.
Jeder Klang in mir sagt „Ich“, das Gefühl ganz Natur, der Verstand ganz Technik. Der Wind des Geistes bewegt alles in mir, jenseits vom „Ich“ gibt es ein „Ich bin“.
Dort ist Einheit. Ich muss einfach nur tanzen im Wind, selbstvergessen.
Ich werde tanzen wie die Birken.
Die Welt ist Musik, lasst uns mit ihr tanzen.
© gabi m. auth (Auszug aus einem Text, der in der Anthologie „Jedes Wort ein Atemzug“ veröffentlicht wurde.)
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wohin

Wo rennt ihr hin,
von da nach hier,
so voller Hass,
so ohne Sinn?

Ihr schreit so laut.
Dagegen, nie dafür.
Gegen das und dies
wie Krähen im Regen.

Ihr verrammelt die Tür.

Was, wenn die Welt
euch um die Ohren fliegt?
Wenn jeder verliert
und keiner siegt?

In einer Sekunde
alles vorbei.
Die Liebe, der Hass,
verstummt das Geschrei.

Die Welt, wie sie ist,
ist vielleicht genug.
Die Welt, die ihr wollt,
ein Selbstbetrug.
© gabi m. auth

Wind

Wenn ich sterbe, bringt mir Pusteblumen.
Singt mir ein Freiheitslied und tanzt.
Tanzt für das Leben, für das Meer,
die Sterne und den Wind.
Besonders für den Wind,
der sanft durch eure Haare streicht.
Den Wind der Berge und der Steppen,
denselben Wind, der in den Städten
durch Straßen weht und nachts
auf leeren Plätzen mit
heimatlosen Plastiktüten
den feurigsten Flamenco tanzt.
Ihm vertraue ich mich an,
dem Wind, der uns verbindet.
Lasst meine Asche mit ihm tanzen.
Und lauscht der Stille.
In Stille tanzend mit dem Wind
berührt euch meine Seele.
© gabriele auth

Gefrorene Sterne

Gibt es etwas Lautloseres als Schnee? Er ist so irdisch, wie jede andere Naturerscheinung, und hat doch etwas ganz und gar Unirdisches, Magisches in seiner Lautlosigkeit. Wie er die Wege verwischt, alle Klänge dämpft und die vertraute Welt plötzlich neu und unberührt erscheinen lässt. Jede einzelne Flocke hat die Gestalt eines Sterns. Keiner wie der andere. Gefrorene Sterne, die die Erde in ihrem Winterschlaf beinahe liebevoll zudecken. Die Natur schläft und wartet. Jeder Moment im Leben ist wie eine Schneeflocke, ein einzigartiger, leuchtender Stern. In ihrer Gesamtheit sind sie einfach Leben. Nicht mehr und nicht weniger.
© gabriele auth

Aufbruch

Tiefe Nacht ,
da ist kein Stern,
die offene Tür
ein drohendes Tier.
Der alte Teddy
auf dem Bett,
starrt traurig leer,
sein einziges Auge
sieht nichts mehr.

Ein Rucksack voll
geliebtem Plunder.
Ein leeres Herz ist
kein Raum für Wunder.
Elfenzauber
ertrank im Moor.
Sein Gesicht zu nah,
das Lächeln aus Blei
ihre Krone verlor’n.

Goldener Ritter
im Rost erstarrt,
verstörender
Albtraum
in der Nacht.
Papi sagt ihr Haar
sei hell wie Elfengold.
……………………
Sie fühlt sich so alt.

Papi’s kleine Fee
geht heute fort,
ohne Blick zurück,
ohne Abschiedswort,
verlässt ihren Teddy,
vertraut dem Wind,
beendet den Albtraum
ein Leben beginnt.

© gabriele auth

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Blauer Tag

Heute ist ein Tag für Purzelbäume,
lichtblauer Tag mit weißen Tupfen.
Und ich bin im Blau,
tanze, hüpfe, räkele mich
wohlig,  brumm-selig.
Trunken von dem verrückten
kleinen Freudenlied,
das in mir summt.
© gabi m. auth

Etwas war anders

Das Leben knirscht.
Dein Wintergesicht
in mein Hirn geätzt,
vergesse ich nicht.

Eisblumenblau
dein letzter Blick.
Etwas war anders,
sahst nicht zurück.

Sitz nun allein hier
am Meeresgrund,
warte auf Sommer,
auf gelb im grau und

verriegle die Augen.
Hör meinem Herzen
beim Stolpern zu.
So wirr. So vertraut

tropft Stille in den
aufgewühlten Sinn.
Ich öffne die Hände
und es fliegt dahin.

Da lass ich ziehen,
das Du und Ich,
dein Sommergesicht.
Gischt bleibt zurück.

Dazwischen ich
für mich.
© gabriele auth

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